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Internet : Kritisches Szenario für Google-Aktie

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Bild: AP

Nachdem der Suchmaschinenbetreiber Google im vierten Quartal die Erwartungen verfehlt hat, brach der Kurs nachbörslich deutlich ein und fiel damit deutlich unter den seit 2004 bestehenden Aufwärtstrend. Das könnte weitere Kursverluste nach sich ziehen.

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          Die Aktie des Internet-Suchmaschinen-Anbieters Google war bislang ein Phänomen und der beste Beleg, dass an der Börse der Glaube mehr zählt als die Fakten. Von Beginn an schrieben sich Analysten und Journalisten die Finger wund, dass die Aktie viel zu teuer sei, die Kursentwicklung focht das nicht an.

          Zwar gab es einige unbedeutende Rücksetzer, tatsächlich aber kletterte der Kurs in wenig mehr als drei Jahren um mehr als das Siebenfache. Noch nicht einmal der Rücktritt von Finanzvorstand George Reyes im August und der davor vermeldete überraschende Kostenanstieg, sonst stets Alarmzeichen, wirkten sich nachteilig aus.

          Gewinnerwartungen verfehlt

          Erst Anfang November trat eine Konsolidierung ein, die sich im Januar verschärfte. Seitdem ist der Kurs um 24 Prozent gefallen. Und das könnte sich erst einmal fortsetzen. Denn im amerikanischen nachbörslichen Handel kam der Aktienkurs des Suchmaschinenbetreibers deutlich unter Druck und fiel um 6,5 Prozent auf 527,40 Dollar.

          Grund war, dass Google mit den Ergebnissen für das vierte Quartal die Erwartungen der Analysten und des Marktes verfehlte. So wurde zwar ein Nettogewinn von 1,21 Milliarden Dollar oder 3,79 Dollar je Aktie im Berichtszeitraum erzielt, ohne Einmalaufwendungen sogar von 4,43 Dollar je Anteilsschein. Das war immerhin ein Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal von 17 bzw. 15 Prozent, ohne Einmalaufwendungen sogar von 35 Prozent.

          Schwächere Umsatzentwicklung

          Doch die Analysten hatten mit einem Gewinn je Aktie von 4,44 Dollar gerechnet. Nun sind ein Cent oder 0,23 Prozent nicht eben viel. Aber zum einen lag der Gewinn einschließlich Einmalaufwendungen deutlich niedriger und zum anderen muss man die hohen eingepreisten Erwartungen berücksichtigen. Implizit ging der Markt davon aus, dass Google chronisch die Prognosen übertreffen werde. Das hat das Unternehmen nicht getan und im Zusammenhang mit dem unerwarteten Kostenanstieg vom Sommer bekommt die Erfolgsstory plötzlich einen hässlichen Kratzer.

          Auch im Gesamtjahr blieb der Gewinn je Aktie auf voll verwässerter Basis mit 13,29 Dollar unter den von Analysten erwarteten 13,48 Dollar. Zudem stieg der Umsatz zwar um 51 Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar. Ohne Berücksichtigung der an Marketingpartner gezahlten Gebühren beliefen sich die Einnahmen aber auf 3,39 Milliarden Dollar und lagen damit ebenfalls unter der Konsensschätzung von 3,45 Milliarden Dollar.

          Rezessionssorgen

          Analysten hatten bereits im Vorfeld der Ergebnisvorlage die Befürchtung geäußert, dass sich das Nachlassen der Verbraucherausgaben auf die Onlinewerbung des Konzerns auswirken könnte. Sie sahen sich nun in dieser Vermutung bestätigt. Denn die Zunahme der Klicks hat
          im Vergleich zu den Vorquartalen deutlich nachgelassen. Sie betrug auf Jahressicht im Schlussquartal laut Google nur noch rund 30 Prozent, verglichen mit knapp 50 Prozent in den vorangegangenen vier Quartalen.

          Google sieht das naturgemäß optimistischer. Die Zunahme der Klicks habe die internen Erwartungen übertroffen. Man habe noch keine negativen Folge wegen der Spekulationen über eine mögliche Rezession zu spüren bekommen, sagte Vorstandschef Eric Schmidt. „Wir werden sehen, was passiert.“ Großes Potential sieht der Konzern außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Ausland trage inzwischen 48 Prozent zum Umsatz bei nach 44 Prozent im Vorjahr.

          Optimistisches Unternehmen

          Insgesamt sei 2007 ein sehr gutes Jahr gewesen, resümiert Schmidt, und für 2008 sei man recht optimistisch. Die Belegschaft sei um vierten Quartal um 889 Personen auf nun 16.805 Personen ausgebaut worden. Der Suchmaschinenbetreiber investiert in jüngster Zeit massiv in neue Geschäftsfelder, unter anderem in den Mobilfunkbereich. Investoren hatten die zu starke Abhängigkeit des Konzerns von den Einnahmen im Suchmaschinengeschäft kritisiert.

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