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Internet & Einzelhandel : Amazon schlägt sich besser als Ebay

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Bild: FAZ.NET

Die Aktie von Amazon kann kurzfristig deutliche Kursgewinne verbuchen. Das Unternehmen entwickelt sich robuster als der Konkurrenten Ebay. Allerdings ist die Aktie noch zu teuer, während Ebay seine operativen Probleme lösen muss.

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          Mit satten Kursgewinnen von bis zu 14 Prozent reagieren die Aktien des amerikanischen Internethändlers Amazon am Donnerstag nachbörslich und am Freitag im europäischen Handel auf die Vorlage der Umsatz- und Gewinnzahlen für das vierte Quartal des vergangenen Geschäftsjahres.

          Das Unternehmen hat am Donnerstag nach eigenen Angaben das beste Weihnachtsgeschäft seit seiner Gründung 1995 vorgelegt und dabei sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz die Erwartungen der Analysten übertroffen.

          Amazon entwicklt sich operativ vergleichsweise robust ...

          Amazon steigerte den Gewinn im Vergleich mit de Vorjahresperiode um 8,7 Prozent auf 225 Millinen Dollar oder 52 Cent je Aktie. Beim Umsatz gelang dem in Seattle ansässigen weltweit größten Online-Händler ein Zuwachs von 18 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet etwa 5,2 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 38 Cent Gewinn je Aktie und 6,45 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet.

          „Amazon behandelt seine Kundschaft besser als EBay“, erklärte Scott Devitt, Analyst beim Vermögensverwalter Stifel Nicolaus & Co. in Manassas im Bundesstaat Virginia. Vergleiche er die beiden Konkurrenten, sehe er keine Umkehr des anhaltenden Trends, so der Analyst weiter. Mit günstigen Preisen, Versandrabatten und einer Warenauswahl, die Kunden in der Rezession entgegenkommt, hatte Amazon die Nase vorn. Bei der Online-Handelsplattform EBay, auf der Käufer Waren in Auktionen oder zu Festpreisen erwerben, sank der Umsatz im vierten Quartal um 6,6 Prozent auf 2,04 Milliarden Dollar, hatte der Konzern in der vergangenen Woche berichtet.

          In den vergangenen beiden Jahren hat sich Amazon im E-Commerce-Geschäft besser entwickelt als der Markt und ein Ende dieser Entwicklung ist einer Analyse von JPMorgan Chase zufolge nicht absehbar. Dabei spürt auch der Online-Handel die rückläufige Konsumneigung der Verbraucher. Dennoch rechnen die Marktforscher von Forrester Research Inc. weiter mit zweistelligen Zuwachsraten im amerikanischen E-Commerce. Für 2009 sehen sie einen Anstieg von 11 Prozent auf 156 Milliarden Dollar, nach 13 Prozent Wachstum im Vorjahr.

          Amazon blickt zuversichtlich in die Zukunft. Der Gewinn im ersten Quartal werde auf 4,53 Milliarden Dollar bis 4,93 Milliarden Dollar zulegen, ein Plus von bis zu 19 Prozent, so das Unternehmen am Donnerstag. Analysten hatten 4,55 Milliarden prognostiziert. Amazon-Chef Jeff Bezos kündigte an, die Ausrichtung auf günstige Preise und kostenlosen Versand werde beibehalten, um die Erlöse zu steigern. Dadurch dürfte aber die Gewinnspanne sinken. Beim Betriebsgewinn rechnet Amazon daher im laufenden Quartal mit einem Rückgang bis zu 37 Prozent auf 125 Millionen Dollar, verglichen mit dem Vorjahr.

          ... allerdings ist die Aktie immer noch zu teuer

          Der Online-Händler habe mit satten Rabatten gekämpft, um den Marktanteil zu halten und die Einnahmen zu steigern. Im gegenwärtigen Umfeld dürfte das die richtige Strategie sein, sagt Fred Moran, Analyst beim Vermögensberater Stanford Group in Boca Raton in Florida, im Interview mit Bloomberg TV. Früher als größter Online-Buchhändler bekannt, verkauft Amazon mittlerweile ein 33 Kategorien umfassendes Warensortiment. Ein weiterer Coup gelang Amazon im Verkauf von digitalen Medien mit der Einführung des Kindle. Kunden können Bücher, Magazine und Zeitungen auf das elektronische Lesegerät herunterladen. Bereits das zweite Jahr hintereinander waren Kindles im Vorweihnachtsgeschäft ausverkauft.

          EBay hat mit Festpreisangeboten und einer Änderung der Gebührenstruktur für die eingestellten Angebote versucht, gegenüber Amazon und dem Online-Sortiment von Wal-Mart Stores Inc. Schritt zu halten. Das weltgrößte Online-Auktionshaus war damit nur
          teilweise erfolgreich. Einige Händler haben EBay den Rücken gekehrt. Auch fanden im Weihnachtsgeschäft weniger Neukunden den Weg auf die EBay-Website als noch vor zwölf Monaten.

          Tatsächlich sind bei Ebay die langjährigen Wachstumstrends in Bezug auf Umsatz und Gewinn je Aktie in den vergangenen Quartalen gebrochen worden. Bei beiden stagniert inzwischen die Entwicklung. Auf der anderen Seite sehen dessen Aktien mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 8,5 und 7,8 auch Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr deutlich günstiger aus als die von Amazon. Dort liegt die KGVs bei 27 und 22. Das heißt, Amazon muss organisch noch weiter in die hohe Bewertung hineinwachsen.

          Das mag durchaus gelingen. Allerdings drängt sich die Aktie, die in den vergangnen Monaten in den Seitwärtstrend der vergangenen Jahre zurückgefallen ist, höchstens dann spekulativ auf, wenn man als Optimist trotz der schwachen Makrodaten mit einer technischen Kursrally an den Börsen rechnet. Ebay dagegen muss erst einmal seine operativen Probleme lösen, bevor die Aktie reizvoll werden kann.

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