https://www.faz.net/-gv6-oid3

Internet : Ebay befeuert Aktienkurs aus allen Rohren

  • Aktualisiert am

Bild:

Bei Ebay überzeugen Quartalsergebnis und Geschäftprognose auf der ganzen Linie. Die guten Nachrichten dürften die Aktie im Aufwärtstrend halten, wobei aber die sehr hohe Bewertung des Titels zu beachten ist.

          2 Min.

          In einer weiterhin ausgesprochen guten Form präsentiert sich Ebay seinen Aktionären. Dank eines starken Weihnachtsgeschäfts ist es dem amerikanischen Internet-Auktionshaus im vierten Quartal 2003 gelungen, Gewinn und Umsatz unerwartet kräftig zu steigern. Zudem erlaubten es die Geschäftsaussichten, die Planzahlen für das laufende Jahr anzuheben.

          Die Anleger nahmen diese Meldungen mit Freude zur Kenntnis und hievten die Aktie im nachbörslichen amerikanischen Handel um 4,33 Prozent auf 67,17 Dollar nach oben. Wird dieses Niveau auch im offiziellen Handel am Donnerstag bestätigt, würde es sich um ein neues Rekordhoch handeln. Der langfristige Aufwärtstrend ist aber so oder so eindeutig intakt.

          Analysten zeigten sich zufrieden mit Quartalsbericht und Ausblick

          Damit das so bleibt, wärmt der Vorstand seine Anleger mit einem Feuerwerk an guten Nachrichten. Die erzielten Steigerungsraten können sich jedenfalls sehen lassen. So stieg der Nettogewinn um 64 Prozent auf 142,5 Millionen Dollar oder 21 Cent je Aktie (verwässert) von 87 Millionen Dollar oder 14 Cent je Aktie im Vorjahreszeitraum. Vor Sonderposten lag der Gewinn in der Berichtsperiode bei 24 Cent je Aktie und übertraf damit die Schätzungen des Konzerns und von Analysten. Der Nettoumsatz stieg um 57 Prozent auf 648,4 Millionen Dollar. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn vor Sonderposten von lediglich 22 Cent je Aktie und einem Umsatz von nur 623,6 Millionen Dollar gerechnet.

          Kein Wunder also, daß sich die Analysten zufrieden mit dem Zahlenwerk, aber auch mit dem Ausblick zeigten. Schließlich hob Ebay gleichzeitig seine Prognosen für 2004 an. Der Vorzeige-Internetkonzern erwartet demnach nun einen Umsatz von bis zu drei Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von bis zu 99 Cent je Aktie. Vor Sonderposten soll der Gewinn je Aktie bei bis zu 1,04 Dollar liegen. Für das laufende erste Quartal rechnet Ebay mit einem Umsatz von bis zu 700 Millionen Dollar. Den Nettogewinn erwartet das Unternehmen bei bis zu 24 Cent je Aktie und den Gewinn vor Sonderposten bei bis zu 25 Cent je Aktie.

          Sehr hohe Bewertung, aber intakter Aufwärtstrend

          Allerdings muß aus Anlegersicht berücksichtigt werden, daß Ebay wegen einer ausgesprochen hohen Bewertung auch zur Vorlage sehr guter Ergebnis verdammt ist. Denn Enttäuschungen würden die Börsianer sicherlich nicht verzeihen, sondern vermutlich mit deutlichen Kursverlusten quittieren. Dafür spricht die Tatsache, daß sich der Titel nach einem Kursgewinn von 188 Prozent seit dem 7. Oktober 2002 in luftigen Höhen bewegt. So beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der diesjährigen Gewinnprognosen mehr als sechzig und das Kurs-Umsatz-Verhältnis beläuft sich auf mehr als zwanzig.

          Beides Kennziffern, die an die Übertreibungen bei den Internetaktien in früheren Jahren erinnern. Anleger können sich aber so lange in Sicherheit wiegen, wie allgemein die Stimmung an der Börse gut bleibt und es der Aktie gelingt, ihren langfristigen Aufwärtstrend zu verteidigen, wonach es derzeit aussieht. Ob allerdings auch der seit 18. November bestehende kurzfristige Aufwärtstrend wird verteidigen lassen, bleibt abzuwarten. Denn der weist eine nach einem seitdem eingefahrenen Kursplus von mehr als 31 Prozent ausgesprochen steile Kurve auf, die sich in der Regel nicht ewig fortschreiben läßt.

          Wer bei dem Wert engagiert ist, sollte darauf achten, ob der positive Charttrend fortgeschrieben werden kann. Und fundamental gesehen darauf, inwieweit es dem Unternehmen gelingt, die derzeit hohen Wachstumsraten auch in der Zukunft zu behaupten. Dazu wird es wichtig sein, daß es Ebay gelingt, die Betrügereien bei den Internet-Auktionen zu stoppen. Betrugsfälle machen nach Unternehmensangaben zwar weniger als ein Tausendstel aller Transaktionen aus, doch sind davon unverhältnismäßig oft teure Waren wie Computer und Autos betroffen. „Der Schutz vor Betrug wird entscheidend sein fürs das Überleben,“ erklärt daher Analyst Gene Alvarez von Meta Group.

          Weitere Themen

          Die nächste Generation Sixt

          Scherbaums Börse : Die nächste Generation Sixt

          Familienunternehmen bereitet der Generationenwechsel oft Probleme. Durch den Rückzug des Patriarchen Erich Sixt bekommt die Autovermietung künftig zwei Ko-Chefs. Was bedeutet das für die Aktionäre und den Wandel zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft?

          Topmeldungen

          Wieder geöffnet nach langem Lockdown: Deutschlands Friseure

          Lohnpolitik von der SPD : Riskanter Mindestlohnwahlkampf

          Getrieben von ihren schlechten Umfragewerten bricht die SPD mit dem Konsens, der hierzulande einmal hinter dem Mindestlohn stand. Hoffentlich fallen die Wähler nicht darauf herein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.