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Internationaler Finanzmarkt : Spanische Banken unterschätzen die Ausfallrisiken

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Der letzte wichtige Emittent aus einem südeuropäischen Land: Banco Santander aus Spanien Bild: REUTERS

Nach der massiven Kurserholung des vergangenen Jahres befinden sich die Aktienkurse spanischer Banken seit Jahresbeginn in der Defensive. Die Finanzunternehmen unterschätzen die Kreditrisiken deutlich, so eine Studie der Crédit Agricole.

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          Nach der massiven Kurserholung im vergangenen Jahr befinden sich die Kurse an den spanischen Börse seit Jahresbeginn in der Defensive. Zählten die Papiere der beiden Großbanken Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und Banco Santander und des Bauunternehmens Sacyr Vallehermoso im Jahr 2009 zu den größten Kursgewinnern, so ziehen sie nun den Ibex-Index nach unten.

          Die Aktie der BBVA hat seit Beginn des laufenden Jahres mehr als 25 Prozent ihres Wertes verloren, die Kurse der Papiere von Sacyr gaben um 23 und die der Banko Santander gaben um knapp 20 Prozent nach.

          Spanische Banken unterschätzen Risiken systematisch

          Weitere Kursverluste scheinen wahrscheinlich zu sein, obwohl die Bewertungen optisch teilweise sehr attraktiv aussehen. Die Papiere der BBVA kommen auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr auf Kurs-Gewinnverhältnisse von 7,6 und 6,5. Die Papiere der Banco Santander sehen zumindest auf dem Papiere ähnlich günstig aus.

          Bild: FAZ.NET

          Allerdings kann dieser Eindruck täuschen. Denn glaubt man einer Analyse des Crédit Agricole, so unterschätzen die spanischen Banken den Anteil an schlechten Krediten, den sie in ihren Bilanzen ausweisen und für den sie Rückstellungen bilden müssten, deutlich. Während die spanischen Banken eine durchschnittliche Ratio von 4,5 Prozent an Problemkrediten ausweisen, müsste sie bei objektiver Betrachtung und unter Berücksichtigung des spanischen Binnenmarktes alleine mindestens doppelt so hoch liegen, heißt es in der Studie.

          Besonders ausgeprägt sei die Unterschätzung der möglichen Risiken bei der in Barcelona ansässigen Banco de Sabadell, gefolgt von der Banco Espanol de Credito (Banesto), der Banco Popular Espanol, der Banco Santander, der BBVA und schließlich der Bankinter. Sie unterschätzten ihre Kreditrisiken um zwischen 64 und 30 Prozent heißt es mit Verweis auf die schwache Konjunktur auf der iberischen Halbinsel. Die Intensität der Wirtschaftskrise sei mindestens doppelt so groß wie in den neunziger Jahren, während die Krise mindestens doppelt so lange dauern werde.

          Werden die Finanzen des Landes noch weiter geschwächt?

          Auch die Cajas, also die Sparkassen des Landes, unterschätzten ihre Risiken um mindestens 50 Prozent, da die spanische Zentralbank zu selbstzufrieden sei und sie nicht zur Veröffentlichung realistischer Zahlen zwinge. Auf der anderen Seite habe die Europäische Kommission zwar die Erlaubnis erteilt, die Sparkassen durch die Nutzung des Krisenfonds zu rekapitalisieren. Allerdings werde auf diese Weise sehr wahrscheinlich die ohnehin schon angeschlagene Finanzlage des gesamten Landes noch weiter geschwächt werden.

          Insgesamt werden angesichts des schwachen Immobilienmarktes in Spanien, der hohen Arbeitslosigkeit und der trägen Verarbeitung der Problemlage - Banken verzerren die Daten und Märkte durch Ankauf von Vermögenswerten und die Refinanzierung selbst schwacher Kredite - bei den Finanzinstituten des Landes weitere Abschreibungen nötig, die die Gewinne beschneiden werden. Die Analysten des Crédit Agricole senken auf dieser Basis ihre bisherigen Gewinnerwartungen um sechs bis acht Prozent.

          Insgesamt dürften Anleger dazu tendieren, die lokal tätigen Institute kritisch zu betrachten, während die international tätigen spanischen Banken etwas positiver bewertet werden. Kritische Zeitgenossen fürchten allerdings eine blasenartige Entwicklung in den Schwellenländern. Sollte es dort zu Problemen kommen, würde das spanische Finanzunternehmen deutlich treffen.

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