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Internationaler Finanzmarkt : Spanien hält die Anleger in Atem

Sparpaket: Spanier zornig, Finanzmärkte ruhig Bild: dpa

Am Freitag senkte Fitch die Bonitätsnote für Spanien. Der Euro-Kurs fiel indes nur leicht. Der Pfandbriefmarkt zeigt Leben und die Aktienmärkte sich relativ stabil. Die neue Hoffnung heißt Polen.

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          Am Freitagnachmittag war die Stimmung in den Kapitalmarktabteilungen der Frankfurter Banken noch gut. Eine turbulente Woche, die anfangs neue Renditetiefs für Bundesanleihen und einen Kursrutsch am Aktienmarkt brachte, schien ein gutes Ende zu nehmen. Doch am Freitagabend kam die Nervosität zurück an die Märkte. Spanien, dessen Bruttoinlandsprodukt zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Raums ausmacht, verlor bei der Rating-Agentur Fitch die Bestnote „AAA“ für seine Schuldnerqualität. Ende April hatte schon Fitchs Konkurrent Standard & Poor's Spaniens Bonität herabgestuft.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf dem Devisenmarkt verlor der Euro-Kurs daraufhin knapp einen Cent von 1,2360 auf 1,2270 Dollar. Der Kurs erholte sich jedoch im späten amerikanischen Handel wieder auf 1,2326 Dollar. Das muss als besonnene Reaktion gewertet werden. Schließlich rutschte der Euro nicht unter den Tiefstkurs in der Schuldenkrise, den er vor zwei Wochen mit 1,2144 Dollar markiert hatte. Der Markt für Kreditausfallversicherungen war am Freitag bereits geschlossen, als Fitch Spaniens Herabstufung mitteilte. Die Prämie für eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall Spanien kostete zuletzt 2,2 Prozent der Versicherungssumme.

          Der Schocker der Woche

          Spanien hatte den Anlegern zu Wochenbeginn bereits einen Schock versetzt. Die Sparkasse Caja Sur musste unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt werden. Am Donnerstag hatte das Parlament in Madrid dann mit einer Stimme Mehrheit ein Sparpaket von 15 Milliarden Euro beschlossen. Fitch befürchtet nun, dass auch wegen dieser Sparmaßnahmen die spanische Wirtschaft in diesem Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen wird. Damit werde es für Spanien, das mit einem Schuldenstand von 55 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts vergleichsweise gut dasteht, schwieriger, die Aufnahme neuer Schulden zu begrenzen.

          Allerdings werde Fitch das Rating Spaniens, das sie nur um eine Stufe auf „AA+“ gesenkt hat, nun ein Jahr lang nicht verändern, versichert die Agentur. Ob diese Bemerkung zur Beruhigung der Anleger beiträgt, wird sich erst so richtig am Dienstag zeigen. An diesem Montag sind zunächst die Börsen in London und New York geschlossen und damit wichtige Marktteilnehmer im Urlaub.

          Zarte Pflänzchen am Pfandbriefmarkt

          Allerdings hat es zuletzt zwei Signale am Primärmarkt gegeben, die am Montag noch beruhigend nachwirken dürften. Das erste: Italien konnte zum Wochenschluss mit drei Staatsanleihen 9 Milliarden Euro aufnehmen; die Nachfrage der Anleger hätte 15 Milliarden Euro erlaubt. Das zweite: Eine für europäische Banken fast ausgetrocknete Refinanzierungsquelle sprudelt wieder. Erstmals im Mai fand ein Jumbo-Pfandbrief mit vier Jahren Laufzeit, ausgegeben vom Spitzeninstitut der französischen Sparkassen Caisse d'Épargne, mit einer Milliarde Euro hinreichend Nachfrage. Der Renditeaufschlag von 40 Basispunkten über dem 1,8 Prozent betragenden Mid-Swap-Zins erscheint für den Emittenten akzeptabel.

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