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Internationaler Finanzmarkt : Sommerliche Datenflut

Die Deutsche Post stellt an diesem Dienstag ihre Quartalszahlen vor Bild: dpa

Zahlreiche Unternehmensergebnisse, Konjunkturzahlen und Anleiheauktionen in den kommenden Tagen stehen bevor. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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          Deutsche Post, Lanxess, Merck und Münchener Rück, Adidas, Commerzbank, Deutsche Telekom und Henkel: Das sind gleich acht Dax-Unternehmen, die in den kommenden Tagen Quartalsergebnisse vorlegen werden und wohl auch einiges mehr. So könnte die Commerzbank am Donnerstag Angaben über eine Verkleinerung ihres Vorstandes machen.

          Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Belgien und Griechenland, aber auch Armenien, Litauen, Moldawien und Ungarn: Das sind Länder, die in den kommenden Tagen an den Markt treten, um kurzfristige Geldmarktpapiere oder längerfristige Anleihen zu plazieren. Die Bundesrepublik Deutschland geht mit einer fünfjährigen Obligation ins Rennen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen dürften zumindest die Emittenten mit guter Bonität keine Schwierigkeit haben, ihre Papiere zu für sie günstigen Preisen zu verkaufen.

          Fed-Chef Bernanke sorgt für gute Laune

          Industrieproduktion im Euro-Raum, Auftragseingang in Deutschland und ISM-Dienstleistungsindikator in den Vereinigten Staaten: Auch in den kommenden Tagen stehen mehrere Konjunkturindikatoren vor ihrer Veröffentlichung, mit deren Hilfe sich möglicherweise ein besseres Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Sommer gewinnen lässt.

          Vielleicht lassen sich mithilfe dieser Datenflut an den internationalen Finanzmärkten in den kommenden Tagen bessere Erkenntnisse gewinnen als mit den Äußerungen wichtiger Geldpolitiker in der vergangenen Woche. Zur Wochenmitte sorgte der Präsident des Federal Reserve Board, Ben Bernanke, wieder einmal für gute Stimmung an den Märkten. Er erweckte wieder einmal den Eindruck, als stehe eine Straffung der amerikanischen Geldpolitik noch längere Zeit nicht bevor. Allerdings braucht es nur weniger guter Konjunkturindikatoren, um Zweifel an solchen Aussagen zu wecken.

          Aus Vorsicht: Banken wahren Guthaben bei EZB

          Dies musste auch Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag erfahren. Draghi bemühte sich auf einer Pressekonferenz sehr, Spekulationen über eine - wenn auch sehr moderate - Straffung der Geldpolitik in absehbarer Zeit aus dem Markt zu nehmen. Ablesbar waren solches Spekulationen unter anderem an einem Index, der die erwarteten Zinssätze für kurzfristige Ausleihungen über Nacht zwischen Banken misst. Nach diesem Index ist der erwartete Zinssatz von 0,15 auf 0,25 Prozent gestiegen. Das ist wahrlich nicht viel, aber viele Finanzmarktteilnehmer suchen Erleuchtung auch in der Analyse von Details.

          Eine spürbare Verknappung der den Banken von der EZB zur Verfügung gestellten Gelder kann diesen erwarteten Zinsanstieg nicht erklären. Zwar sind die Guthaben der Banken bei der EZB - und damit die Bilanzsumme der EZB - in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gesunken, aber nach Analysen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley unterhalten die Banken bei der EZB aus Vorsichtsgründen immer noch Guthaben über rund 300 Milliarden Euro, die sie eigentlich gar nicht benötigen.

          Größte Aufmerksamkeit für die Konjunkturdaten

          Was Bernanke, Draghi und vielleicht auch bald der neue Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, lernen müssen, ist, dass eine langfristige Steuerung der geldpolitischen Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer schwierig werden kann, wenn sich das Konjunkturbild zu wandeln beginnt. „Die jüngsten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und dem Euroraum mischen die Karten zwar nicht neu, erschweren es aber den Notenbanken zunehmend, ihre Politik des billigen Geldes zu rechtfertigen“, kommentieren die Analysten der Helaba in Frankfurt.

          Daher verdienen in den kommenden Wochen vor allem die Konjunkturdaten größte Aufmerksamkeit. In den Vereinigten Staaten scheint sich die Erwartung einer Belebung derartig verfestigt zu haben, dass sogar gemischt ausgefallene Arbeitsmarktzahlen am vergangenen Freitag dazu beitrugen, den S&P-500-Aktienindex erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 1700 Punkten zu heben. Im Euroraum legten die Kurse spanischer und italienischer Staatsanleihen die dritte Woche in Folge zu. Zehnjährige italienische Staatstitel rentierten zum Wochenschluss mit 4,25 Punkten. Neue Daten in den kommenden Tagen könnten den Eindruck einer sich anbahnenden Konjunkturwende verfestigen. So schreibt die Bayerische Landesbank in einem Wochenausblick: „Nach dem deutlichen Anstieg der Frühindikatoren seit April sollte die Produktion in Italien und Frankreich moderat expandiert haben und damit eine gute Ausgangslage für das Sommerquartal liefern.“

          Unterschiedliche Konjunkturbilder könnten auch das langsame Auseinanderdriften zwischen amerikanischen und britischen Renditen einerseits und kontinentaleuropäischen Renditen andererseits erklären. Amerikanische Zehnjährige rentieren mit 2,60 Prozent, deutsche mit 1,65 Prozent. Und britische Zehnjährige rentieren mittlerweile spürbar über französischen Papieren mit dieser Laufzeit.

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