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Internationaler Finanzmarkt : Italien stellt die Anleger auf die Probe

Bankinstitute wie die spanische Bankia erhöhen gerade ihr Eigenkapital, auch um Verluste aus dem Abbau von Risiken und womöglich der Zypern-Krise aufzufangen Bild: REUTERS

Spanien hat es vorgemacht. Bankaktien verlieren in der Zypern-Krise kräftig. Dagegen hat der italienische Staat gute Chancen auf günstiges Geld. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

          Italien wird als erster südeuropäischer Staat auf dem Anleihemarkt testen, ob der Euroraum gestärkt oder geschwächt aus der Zypern-Krise hervorgeht. Schon an diesem Montag will Italien Anleihen für 3 bis 4 Milliarden Euro verkaufen, am Mittwoch könnten dann sogar italienische Anleihen für 7 Milliarden Euro ausgegeben werden. Aus Emissionsabteilungen Frankfurter Kreditinstitute ist zu hören, drei europäische Banken hätten in der vergangenen Woche kurz das Anlegerinteresse an gedeckten Schuldverschreibungen ausgelotet und dann schnell und fast unbemerkt ihre Emissionspläne wegen der Nervosität der Anleger rund um die Zypern-Krise zurückgezogen. Für Staaten wie Italien hingegen, die ihre Emissionspläne für jedes Quartal veröffentlichen, gibt es dagegen kaum ein gesichtswahrendes Zurück. Warum auch?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zumindest die jüngsten Erfahrungen Spaniens sind für Italien ermutigend. Spanien sammelte in der vergangenen Woche mit drei länger laufenden Anleihen 4,5 Milliarden Euro und mit drei kurz laufenden Anleihen 4 Milliarden Euro ein. Die Renditen, die Spanien für eine mehr als doppelt so hohe Nachfrage bieten musste, waren alle niedriger als in den vergangenen Auktionen. Im Wochenverlauf sank die Rendite für in zehn Jahren fällige spanische Staatsanleihen um 0,10 Prozentpunkte auf 4,83 Prozent. Auch die italienische Zehnjahresrendite ging um 0,12 Prozentpunkte auf 4,50 Prozent zurück. Das ist weit entfernt von den Höchstständen, die für Spanien im Jahr 2012 bei 7,5 und in diesem Jahr bei 5,4 sowie für Italien bei 7,1 und 4,9 Prozent liegen.

          Banken waren die größten Verlierer auf dem Aktienmarkt

          Die sinkenden Renditen für die Schuldenaufnahme der beiden größten als gefährdet geltenden Euroländer sind erstaunlich angesichts der Zuspitzung in Zypern. Eine Erklärung ist: Die zyprischen Pläne, erstmals in der Krise Bankguthaben heranzuziehen und mit einer „Steuer“ zu belasten, haben den Anlegern vor Augen geführt, dass dann das Risiko für die Staaten sinkt und die Risiken für Gläubiger - und dazu zählen auch Sparer - steigen. Oft sind sie in der Krise eher glimpflich davongekommen, weil die Staaten zur Bankenrettung eingesprungen sind. Diese Haltung scheint sich etwas zu ändern. Schon werden Erinnerungen daran wach, dass es auch in Italien 1992  eine „Steuer“ von 6 Promille auf Bankguthaben gab.

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          In der jüngsten Krise hatten staatliche Bankenrettungen zur Folge, dass die Schulden der Länder in die Höhe getrieben wurden und die staatlich gestützten Banken auf Weisung der EU-Kommission um in der Regel rund ein Drittel schrumpfen müssen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass sie nun weniger Fremdkapital benötigen. Auf dem europäischen Bankenmarkt für gedeckte Bankschuldverschreibungen betrug das Emissionsvolumen im ersten Quartal 2013 nur 21 Milliarden Euro - so wenig wie zuletzt vor vier Jahren.

          Dagegen fordern Aufseher von den Banken höhere Eigenkapitalquoten. Institute wie Bankia in Spanien, aber auch die Commerzbank erhöhen gerade ihr Eigenkapital, auch um Verluste aus dem Abbau von Risiken und womöglich der Zypern-Krise aufzufangen. Banken waren in der vergangenen Woche die größten Verlierer auf dem Aktienmarkt. Der europäische Branchenindex verlor 4,3 Prozent. Italienische, französische und vor allem spanische Bankaktien gaben überdurchschnittlich ab. Die Aktie der spanischen Banco Popular brach um fast 12 Prozent ein, die Kurse der beiden größten Institute im Königreich, BBVA und Banco Santander, verloren gut 6 Prozent.

          Die amerikanische Wirtschaft fasst zunehmend Tritt

          Insgesamt zeigten sich die Aktienmärkte dagegen robust. Der Dax verlor bis Wochenschluss 1,6 Prozent auf 7911 Punkte. In Japan stieg der Nikkei am Donnerstag auf den höchsten Stand seit September 2008. Und in Amerika beendete der Aktienindex S&P 500 am Mittwoch den Aktienhandel so hoch wie noch nie. Nach einem Rücksetzer am Donnerstag schloss der S&P 500 auch am Freitag wieder höher mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 1575 Punkten. Dies mag auch damit zu tun haben, dass die amerikanische Notenbank weiterhin beabsichtigt, monatlich 85 Milliarden Dollar auszugeben.

          Anders als im Euroraum, wo die jüngsten Konjunkturdaten auch für das zweite Halbjahr kein Ende der Rezession signalisieren, fasst die amerikanische Wirtschaft zunehmend Tritt. Manche Bankanalysten befürchten daher einen Anstieg der Inflationsrate in Amerika auf 3 Prozent im kommenden Jahr. Dagegen schätzt Goldman Sachs, dass die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehende Inflationsrate des Euroraums im März von 1,8 auf 1,5 Prozent gefallen ist. Bankhäuser wie Metzler wittern deshalb eine weitere Leitzinssenkung im Euroraum. Doch angesichts der schon tiefen Zinsen im Euroraum ist die Wirkung von Zinssenkungen in Schwellenländern weit größer. So hat Indien in der vergangenen Woche seinen Leitzins um 0,25 Punkte auf 6,5 Prozent gesenkt und am Wochenende Beschränkungen für Ausländer beim Staatsanleihenkauf gelockert.

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