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Internationaler Finanzmarkt : Geringere Fed-Käufe verlieren an Schrecken

Bild: F.A.Z.

Amerikas Notenbank entscheidet über ihre Käufe von Anleihen. Die Drosselung gilt als sicher, offen ist der Zeitpunkt. Doch der daraus folgende Anstieg der Marktzinsen dürfte die Aktienmärkte kaum bremsen.

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          Tut sie es, oder tut sie es nicht? Einmal im Monat stellen sich die Investoren diese Frage, und gemeint ist die amerikanische Notenbank Federal Reserve. Deren Offenmarktausschuss, der für die Geldpolitik zuständig ist, trifft sich am Dienstag und Mittwoch. Er wird entscheiden, ob die monatlichen Anleihekäufe von 85 Milliarden Dollar reduziert werden. Die Liquiditätsschwemme und Billiggeldpolitik der Notenbanken ist der Treibstoff für die Aktienhausse der vergangenen Monate.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein erster Schritt zur Straffung der extrem expansiven Geldpolitik kann der Börsenparty ein Ende bereiten. Doch diese Befürchtung verliert an den Finanzmärkten spürbar an Schrecken. Nach den ersten Andeutungen von führenden Fed-Vertretern zogen seit Spätsommer die Marktzinsen zwar deutlich an, und die Aktenmärkte wurden schwankungsanfälliger. Inzwischen hat sich die Lage aber beruhigt, die Aktienkurse befinden sich weiterhin auf einem hohen Niveau, auch wenn von einer Jahresendrally gegenwärtig nichts zu spüren ist.

          Die Angst schwindet

          Es ist davon auszugehen, dass sich die Seitwärtsbewegung bis Jahresende fortsetzt. Jedoch ist es bemerkenswert, dass die Investoren auf gute Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten nicht mehr verschreckt reagieren. Das war noch im Spätsommer der Fall, weil mit einer stabileren Konjunktur die Märkte eine nahende Drosselung der Fed-Käufe befürchteten. Doch die Angst schwindet. So haben die zuletzt vorgelegten Arbeitsmarktdaten in den Vereinigten Staaten, die überraschend gut ausgefallen waren und der Fed ein Argument für die Drosselung lieferten, keine Verkaufswelle ausgelöst.

          Vielmehr bestätigten die Zahlen die Stabilisierung der amerikanischen Konjunktur und lassen auf eine kräftige Erholung im kommenden Jahr hoffen. Damit würden die Unternehmensgewinne wieder steigen. Dies rechtfertigt die aktuellen Kursniveaus. Die Liquiditätsflut der Notenbanken ist dafür nur eine sehr brüchige Grundlage. Für die Börsen seien derzeit die Erwartungen für die Konjunkturentwicklung entscheidend, und die seien für die amerikanische Wirtschaft sehr gut, sagte Alexander Doll, Ko-Vorstandsvorsitzender für das Deutschland-Geschäft der britischen Großbank Barclays, dieser Zeitung vor wenigen Tagen.

          Kurzfristige Irritationen seien denkbar

          Auch Martin Wagenknecht, der das deutsche Geschäft mit Unternehmensanleihen für die französische Société Générale verantwortet, hält die Effekte einer Reduzierung der Fed-Anleihekäufe für weitestgehend schon eingepreist. Kurzfristige Irritationen können seiner Ansicht nach durch das Ausmaß der Drosselung oder den Zeitplan ausgelöst werden. In ihrem Jahresausblick schreiben die Analysten von Société Générale, dass die Investoren sich auf eine vorsichtige Rückführung der außergewöhnlichen Stimulierungsmaßnahmen der Fed eingestellt hätten. Die Märkte stellen sich deshalb auf einen leichten Zinsanstieg ein.

          Sowohl Barclays als auch Société Générale erwarten die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Ende des kommenden Jahres bei 2,5 Prozent. Auch die Analysten von Unicredit sagen dieses Niveau voraus. Am Freitag waren es 1,8 Prozent. Für amerikanische Staatsanleihen mit Fälligkeit in zehn Jahren rechnen die Analysten der französischen Großbank Ende 2014 mit einer Rendite von 3,75 Prozent. Gegenwärtig liegt sie bei knapp 2,9 Prozent.

          Der Dax werde seinen Aufwärtstrend fortsetzen

          Doch der Anstieg der Marktzinsen dürfte die Aktienmärkte kaum bremsen. Denn die Zinsen bleiben niedrig, und die Anteilsscheine von Unternehmen versprechen in einer anziehenden Konjunktur Kurschancen. Barclays sieht den Dax in gut zwölf Monaten bei 10.900 Punkten, also ein Fünftel höher. Société Générale prognostiziert 10.200 Punkte. Der für das deutsche Aktienmarktgeschäft zuständige Ralf Darpe hält aber Vorsicht nach den schon erfolgten Kursgewinnen für angebracht.

          Auch die Unicredit-Analysten gehen davon aus, dass der Dax seinen Aufwärtstrend im kommenden Jahr fortsetzen wird. Vor allem im ersten Halbjahr sieht Aktienstratege Tammo Greetfeld gute Rahmenbedingungen aufgrund der steigenden Konjunkturerwartungen. Der deutsche Leitindex dürfte seiner Ansicht nach zur Jahresmitte 10.000 Punkte erreichen.

          Für das zweite Halbjahr ist er vorsichtiger, denn der Rückenwind dürfte nachlassen. Der Dax dürfte Ende 2014 bei 9.700 Punkten stehen. Greetfeld hält es für wichtig, dass der schon erfolgte Kursanstieg durch steigende Unternehmensgewinne untermauert wird.

          Dies verdeutlicht auch das Rückschlagpotential, sollte die Weltwirtschaft nicht wie erwartet wachsen. Ein Wiederaufflammen der Euro-Staatsschuldenkrise kann bremsend wirken. Mit Vorsicht muss auch die jüngste Entwicklung am Anleihemarkt für ausfallgefährdete Unternehmensanleihen beobachtet werden. Dort bewegen sich die Zinsen mittlerweile zwischen 5 und 6 Prozent. Nach Ansicht von Doll drohen die damit verbundenen Risiken unterschätzt zu werden.

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