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Internationaler Finanzmarkt : Europa profitiert von steigender Risikofreude

Bild: F.A.Z.

Der Dax erreicht die Marke von 9000 Punkten. Der Euro zeigt sich bei einem Kurs von 1,38 Dollar stark. Der Wochenbericht von den internationalen Finanzmärkten.

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          Die Schwarzseher an den Finanzmärkten haben eine weitere schlechte Woche hinter sich: Die Aktienmärkte zeigten sich in den vergangenen Tagen überwiegend in einer freundlichen Stimmung, die den Dax im Freitagshandel sogar erstmals in seiner Geschichte vorübergehend über die Marke von 9000 Punkten trieb. Zwar konnte der Index seinen neuen historischen Höchststand von 9010,65 Punkten im Nachmittagshandel nicht halten, aber die Bullen unter den Börsianern konnten sich trotzdem bestätigt sehen.

          Natürlich ist der Dax in gewisser Weise „gedopt“, weil er im Unterschied zu fast allen anderen bedeutenden Aktienindizes neben den Kursveränderungen auch die Dividendenzahlungen erfasst. Aber es lässt sich nicht bestreiten, dass in den vergangenen Monaten gerade auch in Europa die Aktienmärkte sehr gut gelaufen sind. Hierzu beigetragen haben unter anderem bedeutende Zuflüsse amerikanischen Kapitals. Nicht wenige amerikanische Großanleger wollen angesichts der starken Hausse am heimischen Aktienmarkt geografisch diversifizieren, aber da die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Schwellenländermärkte immer noch groß ist, bleibt Europa als weiterer Markt für Aktienanlagen übrig.

          Ifo-Index sorgt für Aufmerksamkeit

          Die Hausse an den europäischen Aktienmärkten wird getragen von einer größeren Risikobereitschaft vieler Anleger und der Annahme, dass sich die Konjunktur im Euroraum allmählich beleben wird. Gerade in den vergangenen Tagen wurden aber Konjunkturindikatoren bekannt, die zeigen, dass ein solcher Aufschwung holprig verlaufen dürfte. So hat die spanische Wirtschaft zwar nach gut zwei Jahren die Rezession verlassen, aber die vielbeachteten Marktstimmungsindikatoren deuten für die Wirtschaft im Euroraum in den kommenden Monaten auf einen nicht sehr dynamischen Aufschwungprozess. Für Aufmerksamkeit sorgte am vergangenen Freitag zudem der deutsche Ifo-Index, der, wenn auch auf hohem Niveau, überraschend einen Rückgang auswies. Von einer „Enttäuschung“ sprach die DZ Bank in einer Schnellanalyse, in der sie den Rückgang des Ifo-Index unter anderem auf die Unruhe um den amerikanischen „Shutdown“ und die mit der Regierungsbildung in Deutschland verbundene Unsicherheit hinweist. Man solle den Rückgang des Ifo-Index nicht überbewerten, meint die IKB in einer Analyse.

          Konjunkturdaten werden auch in den kommenden Tagen veröffentlicht. Für den Euroraum werden am Donnerstag Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Die Analysten der Bayern LB erwarten eine Stagnation der Arbeitslosenquote bei 12 Prozent und schreiben: einer leichten Eintrübung in Deutschland steht dabei eine leichte Verbesserung in Spanien, Griechenland und Portugal gegenüber, wo vor allem die positiv ausgefallene Tourismussaison nachwirkt.“ Ebenfalls am Donnerstag wird auch die Inflationsrate für den Oktober im Euroraum bekanntgegeben. Nach Schätzungen der Bayern LB dürfte sie unverändert bei 1,1 Prozent und damit spürbar unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank liegen, die damit Spielraum für eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik erhalte.

          Kurse in Spanien zurückgeblieben

          Die europäischen Aktienmärkte haben in den vergangenen Monaten zwar eine schöne Hausse an den Tag gelegt, aber sie sind, anders als die führenden amerikanischen Indizes, noch weit von ihren historischen Höchstständen entfernt. So rangiert der 100 deutsche Werte umfassende Aktienindex der F.A.Z., der Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt, noch rund 20 Prozent unter seinem historischen Höchststand aus dem Jahr 2000. Noch weiter zurückgeblieben sind die Kurse in Spanien, wo der Ibex-Index um gut ein Drittel unter seinem historischen Hoch von Ende 2007 liegt.

          Von einer ungebremsten Euphorie kann keine Rede sein, wohl aber warnen die Analysten der Helaba vor einer „gefährlichen Gelassenheit“. So hätten die Aktienkurse im Euroraum in den vergangenen Monaten von der Annahme einer Konjunkturbelebung profitiert, aber damit habe nun auch die Möglichkeit positiver Überraschungen abgenommen: „Zudem haben auch europäische Dividendentitel viel Positives vorweggenommen. Gleichzeitig dürften die Umschichtungen institutioneller Investoren zugunsten von Euroaktien einen vorläufigen Höhepunkt erreicht haben.“ Die Gefahr, dass die Gewinnentwicklung der Unternehmen die Börsianer enttäuschen könnte, erkennen auch die Analysten des Bankhauses M.M. Warburg, aber das ist nicht ihr bevorzugtes Szenario. Mit Blick auf die Bewertungen der Anleihen- und Aktienmärkte sehen sie in der Peripherie weiterhin Chancen.

          Der Euro hat sich in den vergangenen Tagen weiterhin in einer guten Verfassung gezeigt. Zum Wochenschluss notierte er mit 1,38 Dollar, und die Analysten von Morgan Stanley sehen kurzfristig sogar Kurse von 1,42 Dollar, da der Euro von Repatriierungen europäischer Banken profitiere. Langfristig aber werde der Dollar aufwerten.

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