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Internationaler Finanzmarkt : Eine Fülle von Konjunkturdaten

Bild: F.A.Z.

Wirtschaftszahlen, Syrien und die Krise der Schwellenländer dürften weiterhin für Spannung sorgen. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

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          Nachdem der Syrien-Konflikt in den vergangenen zwei Wochen zu einem beherrschenden Thema an den internationalen Finanzmärkten herangereift ist, werden sich die Marktteilnehmer am Montag wieder mit diesem Thema befassen müssen. Die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, vor einem Militärschlag den Kongress konsultieren zu wollen, bedeutet wohl, dass mit einem unmittelbaren Schlag nicht zu rechnen sein dürfte. Das dürfte eventuell an den Finanzmärkten für eine kurzfristige Entspannung sorgen, aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

          Politische Börsen haben nach einem alten Sprichwort ohnehin kurze Beine, und so dürften neben Syrien und dem „Duell“ Merkel-Steinbrück am Sonntagabend an den Märkten schnell wieder die wirtschaftlichen Perspektiven rund um den Globus eine bedeutende Rolle spielen. In den Vereinigten Staaten steht für den kommenden Freitag die Veröffentlichung neuer Arbeitsmarktdaten bevor. Nach einer Prognose der Bayerischen Landesbank ist mit einem höheren Stellenaufbau zu rechnen, aber auch mit einem Verharren der Arbeitslosenquote bei 7,4 Prozent.

          Hoffnungszeichen für die europäische Konjunktur

          Insgesamt dürfte sich das Bild einer in einer Aufwärtsbewegung ohne großen Schwung befindlichen amerikanischen Wirtschaft verfestigen, die der Fed die Kürzung ihrer Anleihenkäufe gestatten wird, aber auf längere Sicht noch keine Zinserhöhung. Viele Analysten erwarten daher nicht, dass die Renditen amerikanischer Staatsanleihen in naher Zukunft deutlich weiter steigen werden. Aber immerhin: Nach einer Berechnung der Nachrichtenagentur Bloomberg ist der August der vierte Monat in Folge gewesen, in dem amerikanische Staatsanleihen durch Kursverluste, sprich steigende Renditen gekennzeichnet waren. Nach einer ähnlichen Aufstellung haben aber auch Anleger in europäischen Unternehmensanleihen vier Monate in Folge Kursverluste erlitten.

          Auch in Europa steht die Veröffentlichung von Konjunkturdaten ins Haus, darunter am Mittwoch Details zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Dass die deutsche Wirtschaft gut läuft, ist bekannt, aber auch in anderen Teilen des Kontinents gibt es Hoffnungszeichen. Die Ökonomen der Commerzbank fürchten sogar, dass die Wirtschaft in Europa zu schnell wachsen könnte: „Der kräftige Anstieg der Stimmungsindikatoren im Euroraum in den vergangenen Monaten hat die meisten Analysten - uns eingeschlossen - überrascht. Damit könnte die Euroraum-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stärker zulegen als in den meisten Prognosen unterstellt. Dies signalisieren zumindest unsere Modelle.“ So könnte das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum im dritten Quartal um etwa 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal wachsen. Die Ökonomen der Commerzbank fürchten allerdings, dass eine zu kräftige wirtschaftliche Erholung die Bereitschaft zu Reformen noch mehr bremst.

          Die Schwellenländer bleiben ein Thema

          Die Marktteilnehmer sind noch nicht durch Euphorie geblendet. In der vergangenen Woche stiegen die Renditen zehnjähriger italienischer und portugiesischer Staatsanleihen um rund 20 Basispunkte. In Italien sorgt die schwierige Lage der Regierung für Verunsicherung, in Portugal die Entscheidung des Verfassungsgerichts, ein Reformvorhaben der Regierung zu blockieren. Nach der Sommerpause kommt auch die Emissionstätigkeit für Staatspapiere in Gang. Im Wochenverlauf gehen mehrere Länder an den Markt, darunter Griechenland mit sechsmonatigen Geldmarktpapieren und Österreich sowie Frankreich unter anderem mit dreißigjährigen Anleihen.

          Am kommenden Donnerstag tritt der Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. An den Finanzmärkten werden keine bedeutenden Entscheidungen erwartet. Zwar ist das Kreditvolumen im Euroraum nach den neuesten Zahlen der EZB weiterhin rückläufig. Die Ökonomen der Bayerischen Landesbank weisen aber darauf hin, dass regulatorische Vorschriften die Banken in ihrer Kreditvergabe einschränkten. Insofern würde eine Senkung der Leitzinsen an der Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken wenig ändern.

          Das Thema Schwellenländer wird den Finanzmärkten vermutlich auch in den kommenden Tagen erhalten bleiben wie auch dem bevorstehenden G-20-Gipfel in Sankt Petersburg. In den Schwellenländern nimmt die Beunruhigung zu. So ließ vor dem vergangenen Wochenende ein Berater der indischen Regierung durchblicken, man erwäge zusammen mit anderen Schwellenländern wie Brasilien konzertierte Interventionen am Devisenmarkt. In den vergangenen Wochen haben Stützungskäufe am Devisenmarkt ebenso wie Leitzinserhöhungen in Ländern wie Brasilien und Indonesien den Abzug von Kapital durch westliche Anleger nicht aufhalten können. In der vergangenen Woche rentierten zehnjährige türkische Lira-Anleihen vorübergehend sogar etwas höher als zehnjährige griechische Staatsanleihen.

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