https://www.faz.net/-gv6-wzt6

Internationaler Finanzmarkt : Die Schuldenlast als Wachstumsrisiko

Bild: F.A.Z.

Die Investoren hoffen auf ein stärkeres Wirtschaftswachstum, doch die hohen Staatsschulden werden zum Risiko. Zugleich treiben die Konjunkturhoffnungen die Preise an den Rohstoffmärkten in die Höhe.

          4 Min.

          Die Finanzmärkte beginnen das neue Jahr mit einer optimistischen Note. Analysten haben ihre Wachstumsaussichten für die Vereinigten Staaten zuletzt deutlich angehoben. Banken wie HSBC, Goldman Sachs oder Morgan Stanley rechnen nun mit einem um die Inflation bereinigten Anstieg des Bruttoinlandprodukts von rund 3,5 Prozent im Jahr 2011, nach etwa 2,8 Prozent im vergangenen Jahr.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Grund für die Zuversicht ist der zweifache Konjunkturstimulus, den die Amerikaner sich 2011 gönnen: Die Zentralbank Federal Reserve wird aller Voraussicht nach ihren Ankauf von Staatsanleihen bis zur Jahresmitte für 600 Milliarden Dollar unbeirrt fortsetzen. Und die Finanzpolitiker haben mit dem vorweihnachtlichen Steuerkompromiss die Weichen weiter auf Expansion gestellt. Auf bis zu einen Prozentpunkt wird der Wachstumsbeitrag der verlängerten Steuersenkungen, der niedrigeren Sozialbeiträge und Sofortabschreibungen geschätzt.

          Die Konjunkturhoffnungen treiben die Rohstoffpreise

          Gute Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten haben zum Jahresschluss die Erwartung verstärkt, dass die amerikanische Wirtschaft 2011 besser läuft als zuvor erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lagen in der Weihnachtswoche mit 380.000 so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Dies mag in einer Verzerrung durch die Festtagswoche gründen. Doch auch regionale Einkaufsmanagerindizes entwickelten sich zuletzt positiv und deuteten auf eine sich kräftigende Erholung hin. Schon in der ersten Woche dieses Jahres steht der Konjunkturzuversicht die erste Probe bevor. An diesem Montag veröffentlicht das Institute for Supply Side Management den landesweiten Einkaufsmanagerindex, am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für Dezember.

          An der Wall Street haben die besseren Konjunkturerwartungen die Kurse in den vergangenen Wochen in die Höhe getrieben. Der Dow-Jones-Index 30 wichtiger Industrieaktien beendete das Jahr mit 11 Prozent im Plus bei 11.578 Punkten. Rund die Hälfte des Anstiegs geht dabei auf die aufflammende Zuversicht im Dezember zurück. Der weiter gefasste S&P-500-Index schloss mit 1258 Punkten oder einem Jahresplus von 13 Prozent. Der Technologie-Index Nasdaq stieg im Jahresverlauf um 17 Prozent auf 2652 Punkte. Das Börsenjahr in Amerika fiel damit spürbar besser als im Euro-Raum, wo der Euro-Stoxx-50 um 5,4 Prozent auf 2807 Punkte verlor, trotz der guten Entwicklung an den deutschen Börsen mit einem Plus des Dax um 16 Prozent. Die Konjunkturhoffnungen treiben zugleich die Preise an den Rohstoffmärkten.

          Euro-Raum soll nur halb so stark wachsen wie die amerikanische Wirtschaft

          Die Aktienkursentwicklung nimmt zum Teil die erwartete Wachstumsdivergenz vorweg, die sich nach den Analysen in diesem Jahr zwischen Amerika und Europa auftun und den Amerikanern wieder die Wachstumsführerschaft unter den Industriestaaten bescheren wird. Während die Erholung in den Vereinigten Staaten sich beschleunigen soll, wird für Deutschland eine Verlangsamung von rund 3,5 auf etwa 2 Prozent prognostiziert. Der Euro-Raum soll mit rund 1,5 Prozent nur etwa halb so stark wachsen wie die amerikanische Wirtschaft.

          Weitere Themen

          „Bargeld bleibt“

          EZB-Präsidentin Lagarde : „Bargeld bleibt“

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde wirbt für den digitalen Euro – und versucht, Sorgen von Bürgern zu beruhigen. Derweil feiern die Finanzmärkte den neuen Präsidenten Amerikas.

          Topmeldungen

          Im Großbritannien von Premierminister Boris Johnson wird der Astra-Zeneca-Impfstoff schon verabreicht, in der EU noch nicht.

          Astra-Zeneca und die EU : Die große Impfstoff-Irritation

          Die Entscheidung des Impfstoffherstellers Astra-Zeneca die Auslieferung in die EU zu drosseln, sorgt für großen Ärger. Vertreter in Brüssel berufen sich auf vertragliche Zusagen. Es geht um Milliarden und die Reputation.
          Hier kommt niemand mehr rein: Der Eingang des Humboldt-Klinikums am Montag

          Berliner Humboldt-Klinikum : Klinikum unter Quarantäne

          Das Vivantes-Humboldt-Klinikum in Berlin bleibt wegen Dutzenden Infektionen mit der britischen Virus-Variante B.1.1.7 geschlossen. Gesundheitssenatorin Kalayci rechnet mit weiteren Fällen.
          Schriftzug an einer Wand in Paris am 19. Januar gegen Olivier Duhamel, der seinen Stiefsohn jahrelang missbraucht haben soll.

          Inzest-Debatte in Frankreich : „Beim ersten Mal war ich sechs Jahre alt“

          Unter dem Hashtag #metooinceste berichten Tausende Franzosen auf Twitter über Inzest und sexuelle Gewalt in ihrer Kindheit. Jede zehnte Person hat laut einer Umfrage Erfahrungen mit Inzest gemacht. Präsident Macron ist gefordert.

          Lernen im Homeschooling : Das Leben fühlt sich nicht echt an

          Im Homeschooling leiden besonders die Grundschüler, die mit dem selbständigen Lernen oft heillos überfordert sind. Auch Eltern und Lehrer kommen an ihre Grenzen. Psychologen raten, den Druck rauszunehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.