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Internationaler Finanzmarkt : Die Fed stellt sich ihren Kritikern

Bild: F.A.Z.

Viele Anleger haben das Vertrauen zum Dollar verloren. Er bekommt den negativen Ausblick auf Amerikas Bonität zu spüren. Dafür werden auch die Notenbanker verantwortlich gemacht.

          3 Min.

          Am Mittwoch wird die amerikanische Notenbank Fed erstmals in ihrer 97 Jahre währenden Geschichte eine Pressekonferenz abhalten. Als der Vorsitzende Ben Bernanke diesen Schritt vor einem Monat bekannt gab, galt er als Versuch, dauerhaft mehr Transparenz zu wagen. Schließlich will Bernanke nun immer vierteljährlich Projektionen zur Wirtschaftsentwicklung öffentlich vorstellen und Informationen zu geldpolitischen Entscheidungen geben, die bisher erst drei Wochen nach Sitzungen der Notenbanker mit dem Protokoll bekanntgemacht wurden. Doch seit wenigen Tagen hat sich die Lage für Amerika so zugespitzt, dass schon seine erste Pressekonferenz zu einem Härtetest für Bernanke werden könnte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der vergangenen Woche hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Amerikas „AAA“ mit einem negativen Ausblick versehen. Damit werden die Vereinigten Staaten mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel diese Schuldnerbestnote im Verlauf der kommenden zwei Jahre verlieren. S&P begründet die Neueinschätzung damit, dass es in Amerika wohl bis zum Jahr 2012 keine Abkehr vom Schuldenmachen nach der Krise geben werde. Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, stimmt zu. Auch er kann keinen „glaubwürdigen Plan“ erkennen, wie Republikaner und Demokraten auch nur mittelfristig das Haushaltsdefizit von im vergangenen Jahr fast 11 Prozent des BIP zurückführen wollen. Amerika hat 15 Billionen Dollar Rekordschulden aufgehäuft. Dieser Schuldenstand entspricht der Wirtschaftsleistung (BIP) des Jahres 2010.

          Warnschuss an die Hauptgläubiger

          Wegen der hohen Staatsschulden stehen neben den Politikern auch die Notenbanker in der Kritik. Bernanke und seine Kollegen halten seit Dezember 2008 den Leitzins nahe bei null Prozent. Mit den niedrigen Zinsen erleichtern sie der Regierung die Schuldenfinanzierung. Zwar kann die Fed nicht unmittelbar verhindern, dass für längere Ausleihungen Gläubiger Amerikas höhere Renditen verlangen.

          Doch trotz der unüberhörbar kritischen Stimme von S&P, die von Analysten als Schuss vor den Bug Amerikas und als Warnschuss an seine Hauptgläubiger China und Japan gewertet wurde, steigen die Zinsen nur moderat. Anleger geben sich derzeit bei zehn Jahre laufenden amerikanischen Staatsanleihen mit Renditen von 3,4 Prozent zufrieden. Das ist nicht mehr als vor einem Monat. Dies kann auch mit der umstrittenen Ausweitung der Geldmenge durch die amerikanische Notenbank zusammenhängen. Im November hat Bernanke für den Ankauf von Staatsanleihen weitere 600 Milliarden Dollar bereitgestellt. Als Käufer von Staatsanleihen kann die Fed die Renditen zumindest etwas drücken.

          Die Dollar-Schwäche ist allgegenwärtig

          Das Misstrauen von S&P in Amerikas Bonität zeigt sich demnach (noch) nicht an höheren Renditen, wohl aber im Wertverlust der amerikanischen Währung. Die Dollar-Schwäche ist allgegenwärtig. Seit drei Monaten hat der Dollar zu allen wichtigen Weltwährungen verloren. Am stärksten hat der australische Dollar zum Dollar aufgewertet. In den vergangenen drei Monaten hat der „Aussie“ um 9 Prozent zugelegt und nun den höchsten Wert seit 26 Jahren erreicht. Der brasilianische Real und die Schweden-Krone folgen mit einem Wertanstieg um 7 Prozent.

          Alle drei Währungen profitieren von steigenden Zinsen. Die australische Notenbank begann als erste im vergangenen Jahr damit, die Zinsen anzuheben. In Brasilien hat die Notenbank in der vergangenen Woche zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins auf nun 12 Prozent angehoben. In Schweden stieg der Leitzins zum sechsten Mal in Folge auf nun 1,75 Prozent. In den Vereinigten Staaten, deren Wirtschaft in diesem Jahr immerhin um 3 Prozent wachsen könnte, erwarten viele Fachleute die erste Leitzinserhöhung erst in zwei Jahren.

          In Sachwerte investieren, Nominalwerte meiden

          Notenbankchef Bernanke kann auf die derzeit niedrige Inflationsrate von rund 1 Prozent verweisen. Doch viele Anleger meinen, die Fed müsse schneller mit Zinserhöhungen reagieren, um nicht später mit viel größeren Zinserhöhungen eine dann zu galoppieren beginnende Inflation bekämpfen zu müssen. Auch könnte sie mit einer Zinserhöhung die eigene Regierung davon abhalten, immer weiter Schulden zu machen. Weil aber wenig auf ein Umdenken in Amerika hindeutet, haben sich an den Finanzmärkten nach den Schocks durch die Atomkatastrophe in Japan und den kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen die „alten Trends“ wieder festgesetzt. Ein Trend heißt offenkundig: In Sachwerte wie Aktien und Rohstoffe investieren und Nominalwerte wie Anleihen meiden, weil deren Rückzahlungsbarwert in Zeiten hoher Inflation stark leiden wird.

          Der Trend zu Aktien wird dadurch untermauert, dass viele Unternehmen die Katastrophe in Japan offenbar wegstecken. Die Berichtssaison der Unternehmen in Amerika und auch in Japan ist zumindest verheißungsvoll gestartet. 15 Prozent der größten 500 amerikanischen Unternehmen haben schon über ihre Geschäfte im ersten Quartal berichtet. Rund 70 Prozent legten einen höheren Gewinn vor, als Analysten erwartet hatten. Üblich ist eine Quote von 60 Prozent. Vor allem Banken und Technologieunternehmen konnten überzeugen. Damit sind auch die Erwartungen an die deutschen Dax-Unternehmen gestiegen, von denen in der kommenden Woche Volkswagen, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Merck KGaA und SAP eine Quartalsbilanz ziehen. Der Dax legte in der Woche vor Ostern um 2,1 Prozent zu. Mit 7295 Punkten schloss der Index rund 150 Punkte von seinem Jahreshoch entfernt. Der amerikanische Aktienindex Dow Jones hingegen hat zum Wochenschluss erstmals seit Sommer 2008 mehr als 12.500 Punkte erreicht. Sein Jahresgewinn von 8 Prozent wird indes für Anleger, die in Euro rechnen, durch den Wertverlust des Dollar vollständig aufgezehrt.

          Auch der Wertzuwachs der Edelmetalle Gold und Silber, die sich eigentlich in einer Bilderbuchhausse befinden, verliert an Glanz, wenn man in Euro rechnet. Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostete zwar zuletzt erstmals 1500 Dollar. Das sind 12 Prozent mehr als am Jahresanfang. In Euro gerechnet bleiben aber nur 5 Prozent übrig. Amerikas Notenbanker Bernanke wird das nicht kümmern.

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