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Internationaler Finanzmarkt : Die Fed stellt sich ihren Kritikern

Alle drei Währungen profitieren von steigenden Zinsen. Die australische Notenbank begann als erste im vergangenen Jahr damit, die Zinsen anzuheben. In Brasilien hat die Notenbank in der vergangenen Woche zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins auf nun 12 Prozent angehoben. In Schweden stieg der Leitzins zum sechsten Mal in Folge auf nun 1,75 Prozent. In den Vereinigten Staaten, deren Wirtschaft in diesem Jahr immerhin um 3 Prozent wachsen könnte, erwarten viele Fachleute die erste Leitzinserhöhung erst in zwei Jahren.

In Sachwerte investieren, Nominalwerte meiden

Notenbankchef Bernanke kann auf die derzeit niedrige Inflationsrate von rund 1 Prozent verweisen. Doch viele Anleger meinen, die Fed müsse schneller mit Zinserhöhungen reagieren, um nicht später mit viel größeren Zinserhöhungen eine dann zu galoppieren beginnende Inflation bekämpfen zu müssen. Auch könnte sie mit einer Zinserhöhung die eigene Regierung davon abhalten, immer weiter Schulden zu machen. Weil aber wenig auf ein Umdenken in Amerika hindeutet, haben sich an den Finanzmärkten nach den Schocks durch die Atomkatastrophe in Japan und den kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen die „alten Trends“ wieder festgesetzt. Ein Trend heißt offenkundig: In Sachwerte wie Aktien und Rohstoffe investieren und Nominalwerte wie Anleihen meiden, weil deren Rückzahlungsbarwert in Zeiten hoher Inflation stark leiden wird.

Der Trend zu Aktien wird dadurch untermauert, dass viele Unternehmen die Katastrophe in Japan offenbar wegstecken. Die Berichtssaison der Unternehmen in Amerika und auch in Japan ist zumindest verheißungsvoll gestartet. 15 Prozent der größten 500 amerikanischen Unternehmen haben schon über ihre Geschäfte im ersten Quartal berichtet. Rund 70 Prozent legten einen höheren Gewinn vor, als Analysten erwartet hatten. Üblich ist eine Quote von 60 Prozent. Vor allem Banken und Technologieunternehmen konnten überzeugen. Damit sind auch die Erwartungen an die deutschen Dax-Unternehmen gestiegen, von denen in der kommenden Woche Volkswagen, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Merck KGaA und SAP eine Quartalsbilanz ziehen. Der Dax legte in der Woche vor Ostern um 2,1 Prozent zu. Mit 7295 Punkten schloss der Index rund 150 Punkte von seinem Jahreshoch entfernt. Der amerikanische Aktienindex Dow Jones hingegen hat zum Wochenschluss erstmals seit Sommer 2008 mehr als 12.500 Punkte erreicht. Sein Jahresgewinn von 8 Prozent wird indes für Anleger, die in Euro rechnen, durch den Wertverlust des Dollar vollständig aufgezehrt.

Auch der Wertzuwachs der Edelmetalle Gold und Silber, die sich eigentlich in einer Bilderbuchhausse befinden, verliert an Glanz, wenn man in Euro rechnet. Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostete zwar zuletzt erstmals 1500 Dollar. Das sind 12 Prozent mehr als am Jahresanfang. In Euro gerechnet bleiben aber nur 5 Prozent übrig. Amerikas Notenbanker Bernanke wird das nicht kümmern.

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