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Internationaler Finanzmarkt : Die Erholung schreitet langsamer voran

Bild: F.A.Z.-Kai

Die EZB sorgt für reichlich Liquidität, doch es bleibt schwierig, an Eigenkapital zu kommen. Die Aktienmärkte sind nach steilem Kursanstieg in der Korrektur. Noch herrscht keine Normalität.

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          Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 waren die Marktteilnehmer stets gefordert. Auf die Verschärfung der Finanzkrise mit ausgetrockneten Märkten und scharfen Kurseinbrüchen folgte an Aktien-, Rohstoff- und Kreditmärkten spätestens seit März eine rasante Rally. Seit etwa drei Wochen aber scheint nun etwas Ruhe an einigen Märkten einzukehren.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Indiz dafür ist, dass in dieser Woche das Volumen an Neuemissionen europäischer Staatsanleihen mit 16 Milliarden Euro deutlich unter dem diesjährigen Wochendurchschnitt von 23 Milliarden Euro liegen wird. Zudem werden im Euro-Raum Staatsanleihen im Volumen von 14 Milliarden Euro zurückgezahlt. Insofern sollte es der für das Schuldenmanagement des Bundes zuständigen Finanzagentur nicht allzu schwer fallen, am Mittwoch die bis Juli 2019 laufende Bundesanleihe wie geplant um 6 Milliarden Euro aufzustocken. Die Rendite ist seit ihrem Anfang Juni erreichten Jahreshoch von 3,75 Prozent auf 3,39 Prozent zurückgefallen. Die Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit sollte Anlegern aber hinreichend attraktiv erscheinen, auch weil sich der Renditeabstand zu Bundesschatzbriefen ausgeweitet hat.

          EZB verursacht Liquiditätsschwemme

          Schatzbriefe mit zwei Jahren Laufzeit werfen 1,32 Prozent ab. Damit hat sich die Rendite dem im Februar markierten Jahrestief von 1,17 Prozent stark angenähert. Dies hat mit einer von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelösten Liquiditätsschwemme zu tun. Die EZB teilte Geschäftsbanken in der vergangenen Woche erstmals Geld für 12 Monate zum Satz von nur einem Prozent zu. Die Nachfrage nach dem Tender, die voll befriedigt wurde, übertraf mit 442 Milliarden Euro die Erwartungen bei weitem. 143 Milliarden Euro parken Banken seither „über Nacht“ in der Einlagefazilität, für die ihnen die EZB nur 0,25 Prozent vergütet. Auch für Tagesgeld zahlen sich Banken untereinander nur 0,25 bis 0,55 Prozent Zins. Vor dem Tender waren 0,7 bis 0,8 Prozent unter Banken üblich, bei der EZB wurden nur 7 Milliarden Euro geparkt. Wollen die Banken nicht permanent Minus-Geschäfte machen, müssen sie Geld in längere Laufzeiten umschichten und werden tendenziell die Renditen drücken.

          Dank der EZB haben Banken viel Liquidität. Erste Stimmen glauben, dass schon im Jahr 2010 keine Bankanleihen mit Staatsgarantien mehr begeben werden müssen und stattdessen wie vor der Krise Pfandbriefe reibungslos plaziert werden. Den Leitzins von einem Prozent wird die EZB an diesem Donnerstag, anders als etwa durch die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung (OECD) gefordert, nicht weiter senken. Die EZB wird aber Pläne zum Kauf von 60 Milliarden Euro gedeckter Schuldverschreibungen konkretisieren. Damit könnte sie tatsächlich den Pfandbriefmarkt beleben. An der Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe an Unternehmen aber dürfte es dennoch zunehmend fehlen, weil viele Banken wenig Eigenkapital als Puffer für künftige Kreditausfälle haben.

          Erholung des Junk-Bond-Markts intakt

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