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Internationaler Finanzmarkt : Der Blick richtet sich auf die Konjunktur

Bild: F.A.Z.

Bessere Nachrichten sorgen für bessere Kurse. Auch französischen Banken kommt dies zugute. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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          Es ist für eine Nation außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika weder üblich noch selbstverständlich, auf einen Schlag eine Anleihe mit einem Volumen von 18 Milliarden Euro zu plazieren. Dies ist in der vergangenen Woche Italien mit einer vierjährigen, inflationsindexierten sogenannten „Patriotenanleihe“ gelungen, die aber keineswegs nur von italienischen Patrioten gezeichnet wurde, sondern auch von zahlreichen internationalen Investoren.

          Positiv aufgenommen wurde auch die Entscheidung der Ratingagentur Moody’s, die Bonität Spaniens nicht auf Ramschniveau zu reduzieren. Und schließlich setzt sich an den Märkten die Überzeugung durch, dass Griechenland-jedenfalls auf absehbare Zeit- in der Währungsunion bleibt. Folglich stiegen die deutschen Aktienkurse in der vergangenen Woche im Durchschnitt um weitere zwei Prozent. Der Eurokurs befestigte sich leicht auf 1,31 Dollar.

          „Das Blatt hat sich gewendet“

          Wie sehr sich die Einschätzung an manchen Märkten in den vergangenen Monaten verändert hat, zeigt eine Zusammenstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg über Kennzahlen der drei großen französischen Banken. So sind die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) in der vergangenen Woche auf ihren tiefsten Stand seit dem Sommer 2011 gesunken. Seit ihrem Höchststand im Mai 2012 ist beispielsweise der Preis für CDS auf fünfjährige Anleihen der Société Générale von 411 auf 180 Basispunkte zurückgegangen.

          Die Banken nutzen das bessere Marktumfeld für günstige Refinanzierungen: So hat die BNP Paribas von Januar bis Ende September mittel- und langfristige Anleihen über 30 Milliarden Euro plaziert, nachdem sie ursprünglich für das Gesamtjahr nur ein Volumen von 20 Milliarden Euro geplant hatte. Unterdessen beginnen die amerikanischen Geldmarktfonds wieder, Dollar-Papiere der französischen Großbanken zu erwerben.

          „Im vergangenen Jahr waren alle noch auf der Hut wegen des Engagements der französischen Banken in Südeuropa und auch, weil sie zu stark verschuldet und zu abhängig von kurzfristiger Finanzierung waren, vor allem in Dollar“, zitiert die Nachrichtenagentur Philippe Bodereau von der amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco. „Das Blatt hat sich gewendet.“ Auch sind die Kurse vieler und nicht nur französischer Bankaktien in den vergangenen Wochen gestiegen.

          Chance auf positive Überraschungen

          Natürlich hat der „Draghi-Effekt“ zu diesen Marktentwicklungen beigetragen, und wenn die Analysten und Ökonomen in den Studierstuben von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften in diesem Herbst darangehen, ihre Prognosen für das Jahr 2013 zu erstellen, werden sie auch versuchen, den weiteren Einfluss der Politik auf die Märkte einzuschätzen. Tatsache ist, dass viele Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten mit ihren Einschätzungen schiefgelegen haben. Neben der Politik dürfte in den kommenden Wochen der Konjunkturausblick an den Märkten eine wesentliche Rolle spielen, und man kann nicht ausschließen, dass es auch hier positive Überraschungen geben wird.

          Aufmerksamkeit wird in der neuen Woche der Ifo-Geschäftsklimaindex finden, der zuletzt fünf Monate in Folge gesunken ist. Das spricht zwar oberflächlich für eine Rezession in Deutschland, allerdings befindet sich der Index nach diesem Fall nicht im Keller, sondern, wie die Analysten der Helaba feststellen, auf seinem langjährigen Durchschnitt. Möglicherweise zeigt der Index vor allem eine Korrektur des im Frühjahr verbreiteten ausgeprägten Optimismus an.

          Außerdem kommt in Deutschland die Berichtssaison in Schwung, nachdem in den Vereinigten Staaten bereits viele bedeutende Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgestellt haben. In Amerika haben, wie die Landesbank Berlin berechnet hat, bisher mehr als die Hälfte der Unternehmen besser abgeschnitten, als von den Analysten erwartet.

          Es wird spannend sein zu sehen, ob auch viele deutsche Unternehmen positiv überraschen. Präsentieren werden ihre Zahlen unter anderem Volkswagen, Daimler, BASF und SAP. Von den Autoherstellern waren zuletzt nicht nur gute Nachrichten gekommen. Insofern werden auch die Umsatzzahlen, die Renault und PSA in den kommenden Tagen veröffentlichen, auf großes Interesse stoßen.

          Immerhin scheinen die Teilnehmer an den Finanzmärkten die Konjunkturaussichten in den Vereinigten Staaten und in China gelassener zu sehen. In Amerika wächst die Wirtschaft zwar nicht dynamisch, aber offenbar im zweiten Halbjahr etwas schneller als im ersten. Die Helaba spricht von einem „gemischten Konjunkturbild in herbstlichen Farben“. In China haben die jüngsten Konjunkturdaten die Furcht vor einer sehr kräftigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums genommen.

          Wie sich die Wirtschaft im Euroraum entwickeln wird, könnte der Einkaufsmanagerindex zeigen. Eine Verbesserung vor allem in Italien und Spanien dürfte die Marktteilnehmer weiter erfreuen. Ob es nach den Kursanstiegen der jüngeren Vergangenheit noch für eine „Jahresendrally“ reicht, ist eine andere Frage. Übermut tut auch an den Märkten nicht gut.

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