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Internationaler Finanzmarkt : Auf der Suche nach dem sicheren Hafen

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Parlamentarier bei der Abstimmung zum Euro-Rettungspaket: Das Signal war eindeutig - stabilisierte das Vertrauen am Markt aber nur kurz Bild: dpa

Mit ihrem Milliarden schweren Rettungspaket wollten die Euroländer dem Finanzakteuren Stärke und Stabilität demonstrieren. Doch die Wirkung auf die Märkte ist bereits wieder verflogen. Die Nervosität nicht.

          3 Min.

          Keine zwei Wochen nachdem die Regierungen der Euro-Länder, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds ihr zweites Stabilisierungsprogramm auf den Weg gebracht haben, ist die Wirkung auf die Märkte in weiten Teilen schon wieder verflogen. Zum ersten Hilfsprogramm für Griechenland, das sich auf 110 Milliarden Euro summiert, kommen weitere Stützungen im Gesamtwert von 750 Milliarden Euro, um ein Übergreifen auf andere Schuldenländer zu verhindern. Obendrein kauft die EZB in potentiell unbegrenzter Höhe private und staatliche Anleihen. Trotzdem ist die Verunsicherung auf den Märkten groß, was sich in dieser Woche fortsetzen dürfte.

          Den Grad der Nervosität zeigen einige Risikoindikatoren, die schon wieder das Niveau erreicht haben, auf dem sie unmittelbar vor dem Beschluss des neuen Rettungspakets standen. So stieg zum Beispiel der Itraxx-Crossover – ein Index, der die Kosten der Ausfallversicherungen für 50 finanzschwache europäische Unternehmen misst – am vergangenen Freitag auf mehr als 6 Prozent. Das ist höher als am 7. Mai, dem letzten Handelstag vor der großen Weltrettung. Auch die Absicherungskosten für erstrangige Forderungen gegen europäische Großbanken liegen mit jährlich 1,7 Prozent der versicherten Summe nur noch unwesentlich unter dem Ausgangsniveau. Ähnliches gilt für die Aktienmärkte, deren Indizes in den vergangenen drei Handelstagen rund 6 Prozent eingebüßt haben. Viele Investoren versuchen, die jüngsten Gewinne in Sicherheit zu bringen. Davon profitieren in Europa vor allem Bundesanleihen, deren Kurse so stark gestiegen sind, das die erwartete Jahresrendite für Käufer langlaufender Titel mit 2,6 Prozent auf ein Rekordtief gefallen ist.

          Ruhe vor dem Sturm?

          Eine nachhaltige Wirkung der Stabilisierungsprogramme ist bislang vor allem auf den Märkten für Anleihen finanzschwächerer Staaten zu beobachten. Dort haben sich die Risikoprämien für Schuldtitel aus Portugal, Irland, Spanien und vor allen Griechenland stark verringert. Allerdings ist das nicht auf die Zuversicht der Investoren zurückzuführen. Vielmehr steht seit zwei Wochen die EZB bereit, um den nahezu illiquiden Markt am Leben zu erhalten. Damit hält sie auch die Kurse der Anleihen auf einem für die Banken erträglichen Niveau. Weil viele Banken und andere institutionelle Investoren die Wertverluste nicht in den Bilanzen zeigen wollen, was sie bei einem Verkauf tun müssten, hält sich die Verkaufswelle noch in Grenzen. Die EZB hat in der ersten Woche für die Käufe rund 16,5 Milliarden Euro ausgegeben. An diesem Dienstag wird der Wert für die zweite Woche des Kaufprogramms veröffentlicht.

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