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Internationaler Finanzmarkt : Anlegern geht die Kursfantasie verloren

Bild: F.A.Z.

Die Investoren zweifeln an der Fortsetzung der Rally. Auf dem hohen Kursniveau werden Gewinne realisiert. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          3 Min.

          An den Aktienmärkten haben in der vergangenen Woche die Zweifel zugenommen, dass sich der von den Notenbanken genährte Kursaufschwung fortsetzt. Die Rekordjagd wurde gestoppt, stattdessen strichen die Anleger auf dem hohen Kursniveau Gewinne ein. Doch kann angesichts eines Wochenverlusts des deutschen Aktienindex Dax von 1,1 Prozent auf 8305 Punkte kaum von einem Ausverkauf die Rede sein. Blickt man auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones, bleibt auf Wochensicht nur ein Verlust von 0,33 Prozent. Jedoch muss hinzugefügt werden, dass es sich seit mehr als einem Monat um den ersten Wochenverlust des Dow Jones handelt. Eine Wende an den Aktienmärkten überrascht nicht wirklich, schließlich haben die wichtigsten Indizes inzwischen schon Niveaus erreicht, die von Analysten überwiegend erst zum Jahresende prognostiziert wurden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Investoren ist zudem klar, dass die Hausse einen Antriebsfaktor hat: die Liquiditätsschwemme der Notenbanken. Damit verbunden sind historisch niedrige Zinsen. Die Anleihemärkte liefern kaum noch Renditen. Aktien sind die einzige Alternative, weil sich auch die Rohstoffmärkte in einer Korrekturphase befinden. Das liegt an der nachlassenden Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft, insbesondere einiger Schwellenländer. So gerät der Wachstumsmotor China, dessen Nachfrage die Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren nach oben getrieben hatte, ins Stottern. Dies legt der am Donnerstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex nahe. Er ließ die Aktienkurse in der ganzen Welt abstürzen.

          Fortsetzung der Niedrigzinsphase

          Noch am Mittwoch war der Dax erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 8500 Punkten gesprungen. Zeitgleich hatte der Dow Jones ein neues Allzeithoch von 15.542 Punkten erreicht. Die Anhörung des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke vor dem Kongress in Washington wurde zunächst an den Märkten so interpretiert, dass die Politik billigen Geldes mit den Ankäufen von Staats- und Hypothekenanleihen fortgesetzt wird. Doch im weiteren Verlauf der Fragerunde stellte er eine Drosselung der Anleihenkäufe in Aussicht, falls es die Konjunktur zulässt.

          Eine Fortsetzung der Niedrigzinsphase erwartet Carsten Klude, Chefvolkswirt der Privatbank M.M. Warburg, selbst wenn die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr stärker als 1,5 bis 2 Prozent wächst. Für die Notenbank sei die Gefahr, die Konjunktur abzuwürgen, zu hoch. Sollte die amerikanische Federal Reserve einen Kurswechsel ankündigen, wäre ein deutlicher Renditeanstieg am Anleihemarkt die Folge. Darunter versteht Klude einen Zinssprung von 1,0 bis 2,0 Prozentpunkten. Die wenigsten Staaten wären angesichts der mittlerweile erreichten Verschuldung in der Lage, einen solchen Zinsanstieg zu verkraften.

          Staatsanleihen der Krisenländer im Fokus

          Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, warnte die Aktionäre am Donnerstag auf der Hauptversammlung vor der sehr optimistische Stimmung an den Finanzmärkten. Dies berge das Risiko, dass die fiskalpolitischen Probleme in den Vereinigten Staaten und die Folgen der europäischen Schuldenkrise unterschätzt würden. Die Aktie der Deutschen Bank war in der vergangenen Woche der größte Verlierer im Dax mit einem Minus von 7 Prozent auf 34,95 Euro. Allerdings hatte der Titel seit der erfolgreichen Kapitalerhöhung Ende April - ausgehend von 32,90 Euro - zeitweise um 14 Prozent zugelegt.

          Die Kursentwicklung der Deutschen-Bank-Aktie verdeutlicht, dass Gewinnmitnahmen attraktiv geworden sind. Denn die Konjunktur liefert nicht wirklich ermutigende Impulse. Zwar sorgte der Ifo-Index für das deutsche Geschäftsklima am Freitag für eine Überraschung. Allerdings fiel das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes im ersten Quartal mit 0,1 Prozent ernüchternd aus. Deutschland bekommt die schwache Wirtschaft im Euroraum zu spüren. Dies belastet die Ertragslage der Unternehmen. Der Aktienhausse fehlt eine wichtige Grundlage, weil der Kursanstieg nicht von entsprechend steigenden Gewinnen der Unternehmen begleitet wird. Die Gewinnentwicklung hängt hinterher, stellen die DZ-Bank-Analysten fest. Die Bewertungen seien nicht mehr günstig. Die Gefahr einer Blasenbildung an einzelnen Märkten sei langfristig nicht von der Hand zu weisen, geben die DZ-Bank-Fachleute zu bedenken.

          Das lenkt den Blick auf die Staatsanleihen europäischer Krisenländer. Am Freitag zogen die Risikoaufschläge für spanische und italienische Schuldtitel auf das höchste Niveau seit einem Monat an. Der Renditeanstieg geht einher mit Kursverlusten. Sorgen über neue Milliardenlöcher der angeschlagenen spanischen Banken lösten Verkäufe aus. Die zehnjährige Rendite spanischer Staatsanleihen stieg um 0,16 Prozentpunkte auf 4,43 Prozent. Ebenfalls um 0,16 Prozentpunkte auf 4,18 Prozent erhöhte sich die zehnjährige Rendite Italiens. Hier war das schwache Konsumklima der Auslöser.

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