https://www.faz.net/-gv6-77dio

Internationaler Finanzmarkt : Aktienbörsen trotzen den Unwägbarkeiten

  • -Aktualisiert am

Durch Obamas Etatkürzungen befürchten Fachleute ein schwächeres Wirtschaftswachstum Bild: AP/dpa

Die italienischen Wahlen und der Haushaltsstreit in Amerika enden mit einem Patt - trotzdem scheint die Hausse an den internationalen Börsen intakt. Immer gefragter sind dennoch sichere Anleihen.

          3 Min.

          An den internationalen Börsen scheint die Hausse trotz einiger Unwägbarkeiten intakt. Weder die Hängepartie im Streit um den amerikanischen Haushalt noch die unklaren Mehrheitsverhältnisse nach den italienischen Parlamentswahlen konnten den Aktienkursen in der vergangenen Woche nachhaltig etwas anhaben. Die Börsianer verinnerlichten offenbar den unerschütterlichen Optimismus, den der amerikanische Investor Warren Buffett seit Jahren zumindest für die Vereinigten Staaten predigt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Natürlich ist die unmittelbare Zukunft ungewiss“, schrieb Buffett im an der Wall Street stets mit Spannung erwarteten Jahresbericht seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway. Aber: „Amerikanische Unternehmen werden sich im Lauf der Zeit ausgezeichnet schlagen. Und Aktien werden gewiss genau so gut abschneiden, weil ihr Schicksal an die Entwicklung der Unternehmen gekoppelt ist“, glaubt der 82 Jahre alte Multimilliardär.

          Wie als Beleg dieser Haltung stieg der Dow Jones im Wochenvergleich um 0,6 Prozent. Das Marktbarometer ist nur noch ein halbes Prozent von einem Rekordhoch entfernt. Wie der Dow machte auch der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 Verluste nach den italienischen Wahlen im Wochenverlauf wett und schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent. Diesen Index trennen noch 3 Prozent von einem Höchststand. „Die Tendenz des Marktes zeigt immer noch nach oben“, sagt Bill Schultz, Chefanleger des Wertpapierhauses McQueen Ball & Associates. Sorgen um rückläufige Verbraucherausgaben angesichts der staatlichen Ausgabenkürzungen hätten nicht überhand genommen.

          Gewinner und Verlierer im Dax Bilderstrecke

          Nach dem Scheitern der Haushaltsverhandlungen hat Präsident Barack Obama am Freitag erhebliche Etatkürzungen in Gang gesetzt. Allein in diesem Fiskaljahr müssen Ausgaben in Höhe von 85 Milliarden Dollar gestrichen werden. Die automatischen Kürzungen waren 2011 vom Kongress beschlossen worden, um die Abgeordneten und Senatoren zu einer Lösung zu zwingen. Die Fronten zwischen Obamas Demokraten und den Republikanern, die über die Mehrheit im Repräsentantenhaus verfügen, hatten sich aber verhärtet. Fachleute fürchten nun ein schwächeres Wirtschaftswachstum.

          Noch zeigen die Konjunkturdaten aber auf Wachstum. Trotz sinkender Einkommen stiegen zuletzt die Ausgaben der Verbraucher. Der Streit in Washington könnte aber für Irritationen und eine Korrektur an den Börsen führen, wenn er sich zu lange hinziehen sollte. Sorgen machte den Akteuren an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche eher China, wo das Wachstum im verarbeiteten Gewerbe den zweiten Monat in Folge zurückging. Die Nachricht belastete die Preise von Rohstoffen wie Aluminium, Kupfer oder Rohöl, für die das Reich der Mitte ein wichtiger Absatzmarkt ist. Der Rohstoffindex S&P GSCI fiel am Freitag auf den tiefsten Stand seit 2 Monaten. Europäische Aktien trotzten neben den Wahlen in Italien auch einer nachlassenden Industrieproduktion im Euroraum.

          Der Stoxx Europe 600 legte im Wochenvergleich um 0,2 Prozent zu. Der Dax beendete die Woche mit einem Plus von 0,6 Prozent. Der italienische Aktienindex Mib fiel angesichts des Überraschungssiegs des ehemaligen Komikers Beppe Grillo und seiner Protestpartei bei den Parlamentswahlen allerdings um 3,4 Prozent. Grillo will keine Koalitionen eingehen. Es ist unklar, wer das Land künftig regieren wird oder ob es Neuwahlen gibt.

          Am Anleihemarkt profitierten amerikanische Staatsanleihen von einer Flucht in sichere Anlagen. Die Renditen von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren gingen deshalb vergangene Woche um 0,12 Prozentpunkte auf 1,84 Prozent zurück. Die Renditen der Treasuries waren im Dezember und Januar um 0,37 Prozentpunkte gestiegen. Anleger hatten darauf spekuliert, dass die Notenbank Fed ihre Anleihekäufe reduziert und die europäische Staatsschuldenkrise an Dramatik verliert. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke hat in der vergangenen Woche aber signalisiert, dass die Fed nichts an den Anleihekäufen ändern wolle.

          Die Notenbank will damit die langfristigen Zinsen drücken, um der Wirtschaft Wachstumsimpulse zu geben. Als Bedingung für ein Ende der Anleihekäufe hatte Bernanke eine bedeutsame Erholung des Arbeitsmarktes genannt. Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten liegt aktuell bei 7,9 Prozent. Die Arbeitsmarktdaten für Februar werden am kommenden Freitag bekanntgegeben. Ökonomen rechnen mit einer unveränderten Arbeitslosenquote und 157000 neuen Stellen.

          Parallel zu den Treasuries gingen auch die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen im Wochenvergleich um 0,16 Prozentpunkte auf 1,41 Prozent zurück. Trotz steigender Renditen italienischer Staatsanleihen, waren aber auch Anleihen aus Spanien, Griechenland und Portugal gesucht. Marktteilnehmer gehen offenbar davon aus, dass die Europäische Zentralbank Italien im Zweifel mit dem Kauf von Staatsanleihen stützen wird. Der Euro fiel am Freitag zum ersten Mal seit acht Wochen unter 1,30 Dollar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.