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Internationaler Finanzmarkt : 2010 bringt Flut von Staatsanleihen

Bild: Kai

Längere Laufzeiten, höhere Renditen: Um seine Anleihen noch vor Silvester am Markt unterzubringen, lockt der amerikanische Staat mit besseren Konditionen - die Konjunkturstützen wollen finanziert sein. Auch in europäischen Ländern ist es nicht anders.

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          An den drei Handelstagen bis Silvester wird der amerikanische Staat Anleihen im Wert von 110 Milliarden Dollar in Auktionen zum Kauf anbieten. Das riesige Angebot des Schatzamtes in Washington wird voraussichtlich auf dünne Nachfrage treffen. Denn viele Anleger sind noch im Weihnachtsurlaub. Um die Schuldtitel trotz anfänglich geringen Interesses dennoch am Markt unterzubringen, könnten vor allem die Renditen für zwei, fünf, und sieben Jahre laufende amerikanische Staatsanleihen steigen. In diesen Laufzeiten gibt es in dieser Woche die neuen Anleihen. Die Renditen liegen derzeit bei 0,96, 2,54 und rund 3 Prozent.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das hohe Angebot an Staatsanleihen kurz vor Jahresschluss, zu dem in Europa neue Anleihen aus Italien stoßen, dürfte ein Vorgeschmack auf das gesamte kommende Jahr sein. Der Finanzierungsbedarf der Schulden ist im Jahr 2010 in Amerika größer als in Europa, zumal dort gerade die bisher bei jeweils 200 Milliarden Dollar liegenden Obergrenzen für staatlich garantierte Kredite an die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac aufgehoben wurden. Fannie und Freddie dürften sich zur Stützung des Immobilienmarktes in den nächsten drei Jahren so viel Geld leihen, wie sie benötigten, teilte das Finanzministerium in Washington an Weihnachten mit. Amerikas Schulden könnten sich zudem weiter erhöhen, falls sich Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz mit ihren Forderungen nach neuen Konjunkturprogrammen durchsetzen.

          Auch in Europa müssen die staatlichen Maßnahmen zur Konjunkturstützung finanziert werden. Der Bund will sich 2010 mit 343 Milliarden Euro so viel Geld am Kapitalmarkt leihen wie nie zuvor. 2009 waren es 329 Milliarden, 2008 „nur“ 213 Milliarden Euro. Frankreich hat soeben sein Emissionsprogramm für 2010 gegenüber den Plänen von September um 13 Milliarden auf 188 Milliarden Euro aufgestockt. Darunter könnten neue Anleihen mit sehr langen Laufzeiten, etwa 40 oder sogar 50 Jahre, sein.

          Zinsspannen am amerikanischen Markt kräftig gestiegen

          Das große Angebot an Staatsanleihen zeigt vor allem auf dem amerikanischen Markt Wirkung. Die Zinsspanne zwischen zwei und zehn Jahren Laufzeit für amerikanische Staatsanleihen beträgt inzwischen gut 2,8 Prozentpunkte. Das ist ein Rekord. Vor einem Jahr war der Aufschlag genau halb so groß. Während die Renditen für kurze Laufzeiten wegen der von der Notenbank nicht veränderten Leitzinsen extrem niedrig blieben, klettern die Renditen am langen Ende. Der Grund dafür liegt in der Angst der Anleger vor einer ausufernden amerikanischen Staatsverschuldung. Die Herabstufung der Bonität des Landes, eine anspringende Inflation und eine Abwertung des Dollar könnten Folgen sein. Die Citigroup erwartet deshalb, dass der amerikanische Staat für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit in zwei Jahren nicht wie derzeit 3,75, sondern 6 Prozent Rendite bieten muss, um Anleger zu finden.

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