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Internationale Märkte : Arabische Börsen in Tausendundeiner Nacht

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Bild: FAZ.NET

Mit amerikanischen Aktien ist für Europäer seit Jahresbeginn kein Staat zu machen. Dagegen geht an vielen anderen Börsen weltweit die Post ab. Insbesondere in Arabien, aber auch in Rußland, Litauen, Kolumbien, Rumänien und der Ukraine.

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          Die amerikanischen Börsen galten und gelten weithin als Leitbörsen, alleine schon aufgrund ihrer Größe. Wenn „Wall Street hustet, hat Europa eine Erkältung,“ hieß es lange Zeit mit Blick auf die europäischen Börsen.

          Damit scheint es aber vorerst vorbei zu sein. Denn die Wall Street kommt schon seit Monaten nicht vom Fleck, dagegen geht an vielen anderen Börsen weltweit die Post ab. Der Dax etwa hat knapp 19 Prozent zugelegt, der Stoxx 50 etwas mehr als 16 Prozent. Selbst der Nikkei konnte seit Jahresbeginn 18 Prozent zulegen. Und das sieht gut aus im Vergleich zu einem Minus von fünf Prozent im Dow Jones und einem Minus von 4,44 im Nasdaq Composite.

          Weltbörsen sind interessanter als die amerikanischen Märkte

          Für diese Entwicklung dürfte es verschiedene Gründe geben. Abgesehen von einer gewissen Wachstumsskepsis mit Blick auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten spricht auch die Bewertung nicht unbedingt für amerikanische Aktien. Trotz hoher Gewinnerwartungen sind sie vielfach noch ambitioniert bewertet. Das sieht in Europa, Japan und in vielen Schwellenländern deutlich besser aus. Dort ist nicht nur das Wachstum höher, sondern vielfach sind auch die Bewertungen noch deutlich vernünftiger als in den „etablierten Staaten“.

          Das gilt allerdings nicht überall. Blickt man zurück auf die ersten zehn Monate des laufenden Jahres so sind die stärksten Kursgewinn in Arabien angefallen. Mit einem Kursgewinn von etwas mehr als 155 Prozent führt der ägyptische Case Index die Liste der Kursgewinner an, gefolgt von der Börse der Vereinigten Arabischen Emirate, den Börsen in Katar, Saudi-Arabien, Jordanien und Kuwait, gefolgt von Rußland, Litauen und schließlich auch Rumänien und der Ukraine.

          Die Rangfolge zeigt verschiedenes. Erstens die Tatsache, daß die arabischen Börsen nach langen Jahren in den vergangenen Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht sind und nun unter anderem vom anhaltenden Ölboom profitieren. Er führt in den Ölstaaten zu steigenden Einnahmen, die aus verschiedenen Gründen stärker als früher in der Region direkt oder indirekt investiert werden. Beides zusammen regt die regionale Wirtschaft an und führt auf diese Weise zu einer gewissen Eigendynamik.

          Schwellenländer der zweiten Reihe können sich bisher sehen lassen

          Auf der anderen Seite haben die Kursgewinne allerdings schon weit geführt und die Bewertung steigen lassen. So kann man den ägyptischen Case 30-Index mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 26 auf Basis der abgelieferten Gewinne zunächst sicherlich nicht mehr als Schnäppchen bezeichnen. Denn die Unternehmen des Landes müssen die Gewinne schon deutlich steigern können, um die Kursgewinne an der Börse zu rechtfertigen. Tatsächlich befinden sich denn auch einzelne Unternehmen wie Orascom Construction oder Orascom Telecom voll auf Expansionskurs und dürften ihre Erträge weiter steigern können.

          Sorgen die Börsen in Brasilien und Korea aufgrund der Kursgewinne regelmäßig für Schlagzeilen, so schneiden die Märkte in Rußland, in den baltischen Staaten, in Rumänien, der Ukraine und nicht zuletzt auch in der Türkei zum Teil noch deutlich besser ab. Das dürfte kaum verwundern, denn viele dieser Staaten entwickeln sich dynamisch. Sei es, weil sie vom anhaltenden Rohstoffboom profitieren oder weil sich der EU-Konvergenzprozeß direkt oder indirekt - Vorbereitung auf oder Hoffnung auf einen EU-Beitritt - positiv bemerkbar macht.

          In diesem Sinne dürften solche Märkte unter normalen Umständen noch deutliches Kurspotential bieten. Denn die Liberalisierung und die Öffnung der Wirtschaft läßt den Nachholbedarf wirksam werden, der in vielen dieser Staaten mit Blick auf den Lebensstandard noch besteht.

          Bei allem Optimismus sollten aber auch die Risiken nicht übersehen werden. Sie liegen sicherlich in den globalen makroökonomischen Ungleichgewichten und der angeschlagenen amerikanischen Finanzsituation. Sollten diese Faktoren außer Kontrolle geraten, dürften sich auch die Schwellenländer von den entstehenden Turbulenzen nicht abkoppeln können.

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