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Internationale Finanzmärkte : Schwellenländerbörsen sind heiß gelaufen

  • Aktualisiert am

Die indische Börse boomt wieder Bild: AFP

Die Aktienkurse in Schwellenländern kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Die Rally weckt Erinnerungen an die Zeit vor der Finanzkrise, als Anleger die Aktienkurse in diesen Märkten auf abenteuerliche Höhen trieben.

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          Die Aktienkurse in Schwellenländern kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Binnen weniger Monate haben sich der RTS-Index in Russland und der HSCEI für chinesische Aktien in Hongkong mehr als verdoppelt.

          Der Sensex in Indien und der Bovespa in Brasilien stehen kaum schlechter da. Eine Entwicklung, die den Experten Sorgen macht. "Die Rally ist übertrieben und spiegelt die fundamentale Situation in den Ländern nicht wider", sagt Thomas Gitzel, Schwellenländerexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Zwar deuteten einige Indikatoren eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung an, von zweistelligen Wachstumsraten wie bis vor kurzem seien aber selbst Länder wie China vorerst weit entfernt.

          Erinnerungen an die Zeit vor der Finanzkrise

          Die jüngste Rally weckt daher bei vielen Schwellenländerexperten Erinnerungen an die Zeit vor der Finanzkrise, als viele Anleger auf das Modethema Bric (Brasilien, Russland, Indien, China) aufsprangen und die Aktienkurse in den Ländern auf abenteuerliche Höhen trieben. Nach dem steilen Anstieg folgte ein jäher Absturz - Turbulenzen, die nicht eben dafür sorgen, breite Anlegerschichten an die Schwellenländerbörsen zu locken.

          Bild: F.A.Z.

          Dass nun schon wieder eine Blase entstanden sein könnte, meint allerdings kaum ein Marktbeobachter. Wohl aber rechnen die meisten mit einer Korrektur. "Die Schwellenländerbörsen werden sich nicht V-förmig erholen", sagt Thomas Gerhardt, Fondsmanager des DWS Bric Plus. "Die Märkte können durchaus wieder 20 Prozent zurückfallen." Maßgeblich für die Entwicklung sind die Industrieländerbörsen. "Wenn es an den entwickelten Märkten eine Korrektur geben sollte, dann werden sich die Schwellenländerbörsen diesem Trend nicht entziehen können", sagt Ernst Auburger, Aktienstratege Schwellenländer der BHF-Bank. "Neue Tiefs sollte es allerdings wohl keine mehr geben." Anders als die Börsen der Industrieländer verzeichneten die großen Schwellenländerbörsen, mit Ausnahme von Russland, nicht erst im März 2009, sondern bereits im Oktober 2008 ihre Tiefststände. "Das Thema neue Tiefststände dürften viele Schwellenländerbörsen deshalb schon längst hinter sich haben", sagt Auburger.

          Längerfristig gehen die meisten Marktteilnehmer von einer weit überdurchschnittlichen Entwicklung der Aktienmärkte in den Schwellenländern aus, wenn auch unter kräftigen Zyklusschwankungen. Zwei Treiber werden dafür ins Feld geführt: die Binnenkonjunktur und die hohen Infrastrukturinvestitionen. Gerade China und Indien wird beim Konsum ein schier unermessliches Potential zugetraut. Allein der Blick auf die Bevölkerungszahl und das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner - das nicht einmal ein Zehntel des Niveaus der Industrieländer erreicht - genügt, um ein immenses Aufholpotential zu identifizieren. Ein weiterer Vorteil wird in der Stabilität des Banksystems gesehen: "An Brasilien, China und Indien ist die Finanzkrise quasi spurlos vorbeigegangen", sagt Gerhardt. "Die Finanzierungsbedingungen in diesen Volkswirtschaften sind intakt."

          Favorit der meisten Experten ist China

          Der Blick auf die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte zeigt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Konsens-Gewinnschätzungen für 2009 von 10 in Russland, 16 in China, 18 in Indien und 14 in Brasilien. Der russische Markt wird jedoch von Öl- und Gas-Werten dominiert, die traditionell geringe KGVs aufweisen. Das Wohl und Wehe des russischen Aktienmarkts hängt deswegen sehr eng an der Entwicklung des Ölpreises. Ebenfalls eng an die Entwicklung der Rohstoffpreise ist der brasilianische Markt gekoppelt. Anleger in Indien setzen hingegen weitgehend auf eine gedeihliche Entwicklung des indischen Binnenmarktes. Das Land ist vergleichsweise wenig in den internationalen Handel eingebunden, und der Wohlstand hängt bisher nur in geringem Maße von Exporten ab.

          Der Favorit der meisten Experten ist jedoch China. Durch solide Staatsfinanzen und hohe Leistungsbilanzüberschüsse habe das Land immense Reserven aufgebaut. Während in den Jahren vor Beginn der Krise viel Geld zurückgehalten wurde, um das Wachstum zu dämpfen, könne nun kräftig investiert werden. Zum Beispiel tritt das Land derzeit als eifriger Käufer von Rohstoffen auf dem Weltmarkt auf und füllt sich so zu vergleichsweise günstigen Konditionen seine Rohstofflager.

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