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Internationale Finanzmärkte : Indische Aktien sind teuer geworden

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Bild: FAZ.NET

Die Börsen vieler Schwellenländer verbuchten in den vergangenen Monaten massive Kursgewinne. Manche Märkte sind inzwischen jedoch vergleichsweise teuer geworden, zum Beispiel der indische. Unternehmen wie Infosys wachsem kaum noch.

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          Die Börsen der Schwellenländer verbuchten in den vergangenen Monaten massive Kursgewinne. In Erwartung einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung und in der Hoffnung, die Endnachfrage nach Produkten in den Industriestaaten werde im Rahmen einer wirtschaftlichen Erholung von der Krise wieder anziehen, ignorierten die Anleger alle Risiken und setzten auf die Aktien in diesen Regionen.

          Die massivsten Kursgewinne verzeichneten seit März die Aktienmärkte in Zypern, der Ukraine, Ungarn, der Türkei, Kasachstan, Serbien, Rumänien, Peru, Jakarta, Brasilien, Vietnam, Russland, Namibia und nicht zuletzt auch Indien. Die wichtigsten Indizes in diesen Staaten legten umgerechnet in Euro zwischen 94 und 175 Prozent zu.

          Sind Kursgewinne gerechtfertigt?

          Ob diese Kursgewinne gerechtfertigt sind, wird sich noch zeigen müssen. Denn bei allem Optimismus ist die Beobachtung nicht von der Hand zu weisen, dass der Wirtschaftsboom vor der Krise in weiten Teilen auf einer unter normalen Umständen nicht wiederholbaren Verschuldungsspirale basierte, die vor allem in den angelsächsischen Industriestaaten zu einem Konsumrausch führte. So stellt sich die Frage, ob sich das damalige Wachstumsniveau wieder so schnell wieder wird erreichen lassen, wie die Anleger in ihrem allgemeinen Wachstumsoptimismus zu erwarten scheinen.

          Auf der anderen Seite zeigt der Blick etwa auf die indischen Aktien, dass sie inzwischen schon wieder ambitioniert bewertet sind. Das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis der Sensexwerte liegt auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr bei knapp dem 20-Fachen des Jahresgewinnes. Die Werte sind also alles andere als günstig.

          Der wunde Punkt vieler Unternehmen zeigt sich am Beispiel des IT-Dienstleisters Infosys. Das indische Unternehmen konnten seinen Nettogewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres nach indischem GAAP im Vergleich mit der Vorjahresperiode zwar um 7,5 Prozent auf 15,4 Milliarden Rupien oder um 7,4 Prozent auf 26,83 Rupien je Aktien gesteigert. Der Umsatz dagegen legte nur um 3,1 Prozent auf 55,85 Milliarden Rupien zu. Nach IFRS ging der Gewinn im Jahresvergleich sogar um 0,9 Prozent zurück auf 317 Millionen Dollar, während der Gewinn je Aktie unverändert bei 56 Cents je ADR blieb. Der Dollar-Umsatz fiel dagegen um 5,1 Prozent auf 1,154 Milliarden.

          Infosys wächst praktisch kaum noch

          Das heißt, Infosys profitierte in den vergangenen Monaten von der im Vergleich mit dem Vorjahr deutlich gegen den an sich schon schwachen Dollar abgewerteten Währung, während das stark Amerika lastige operative Geschäft an sich stagniert. Auf dieser Basis scheinen die Kursavancen der Aktie, die in den vergangenen Monaten nicht nur die Kursverluste der 2007 und 2008 ausgeglichen, sondern sogar ein neues Allzeithoch markiert hatten, überzogen zu sein. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 22 und 20 auf Basis der Gewinnschätzungen sind die Papiere angesichts der verhaltenen Wirtschaftsaussichten in den Vereinigten Staaten überaus ambitioniert bewertet.

          Ähnliches gilt auch für die Werte von vergleichbaren Firmen wie Tata Consultancy und Wipro. Vernünftig bewertet sehen nur die Aktien von Tata Steel, Reliance Communications und des überwiegend im Zementgeschäft tätigen Konglomerats Grasim aus.

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