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Internationale Anlegerschaft : Ausverkauf der Deutschland AG

Gut die Hälfte der Stimmrechte der Volkswagen AG gehören der Porsche AG, die sich wiederum mehrheitlich im Besitz der Familien Porsche und Piëch befindet. Diese haben somit auch erheblichen Einfluss auf den Lastwagenhersteller MAN, an dem Volkswagen mittlerweile mehr als 30 Prozent der Stimmrechte hält und seinen Anteil weiter ausbauen will. Knapp die Hälfte der BMW-Stimmrechte sind in Händen der Familie Quandt.

Unübersichtliche Mehrheitslage

Drei SAP-Gründer halten noch knapp ein Viertel der Aktien des größten deutschen Softwarekonzerns. Ludwig Merckle verfügt über eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an Heidelberger Cement. Die Geschicke des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp werden wesentlich von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bestimmt, in die das Vermögen der Familie Krupp eingebracht wurde. Bei Fresenius und der Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care hat die Stiftung von Else Kröner, die das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann aufgebaut hat, das Sagen.

Wesentlich unübersichtlicher ist die Mehrheitslage bei den 14 Dax-Unternehmen ohne maßgeblichen deutschen Großaktionär. Einen bestimmenden ausländischen Anteilseigner gibt es nämlich nirgends. Kuweit und die Aabar Investments aus den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich bei Daimler ebenso mit der Position eines Minderheitsaktionärs zufriedengegeben wie Qatar bei Volkswagen, Warren Buffett bei der Münchener Rück und die russische Eurochem bei K+S.

Oft gibt es eine Vielzahl von Fondsgesellschaften, Versicherern und Vermögensverwaltern mit kleineren Anteilen, die den Unternehmen aber meistens auf Investorenkonferenzen schon begegnet sind. Solche Konferenzen dienen der Pflege der Investorenschaft. Die meisten dieser Veranstaltungen finden in London und New York statt, mittlerweile verstärkt jedoch auch in Singapur und Hongkong. Noch ist der Anteil der asiatischen Anleger an den deutschen Konzernen zwar gering, und unter den institutionellen Anlegern dominieren britische und amerikanische Gesellschaften. Es wird jedoch von einem steigenden Interesse aus Fernost berichtet. Am deutschen Markt sei es hingegen zunehmend schwieriger geworden, Investoren für deutsche Aktien zu gewinnen, heißt es aus den Unternehmen.

Große Globalisierungsgewinner

Den größten Anteil an Privatanlegern unter ihren Aktionären hat nicht die selbsternannte Volksaktie Telekom, sondern die Lufthansa mit 36 Prozent. Es folgen BASF und Deutsche Bank mit 25 Prozent, und auch Konzerne wie Siemens, Daimler, Eon und Linde weisen einen Privatanlegeranteil von rund 20 Prozent aus. Bei der Telekom sind es nur 14 Prozent. Zu den Schlusslichtern in dieser Betrachtung gehört die Deutsche Börse mit nur 5 Prozent Privatanlegern. Der Frankfurter Börsenbetreiber hat mit 18 Prozent auch den geringsten Anteil deutscher Aktionäre. Der Ausverkauf der Deutschland AG wird an dem ehedem zu 100 Prozent in der Hand deutscher Banken, Börsenmakler und Regionalbörsen befindlichen Konzern besonders deutlich.

Geschadet hat dieser Wandel den deutschen Konzernen jedoch nicht. Sie sind nicht nur in der Anlegerschaft internationaler geworden, sondern erzielen mit ihren Produkten auf den meisten Märkten der Welt regelmäßig neue Absatzrekorde. Unter internationalen Anlegern gelten die deutschen Unternehmen wegen ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit als große Globalisierungsgewinner. Die deutschen Anleger lässt das kalt. Die Zahl der Aktionäre sinkt seit Jahren. Nur 12 Prozent der Deutschen besitzen Aktien oder Aktienfonds, so niedrig ist die Quote in keinem anderen Industrieland.

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