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Infineon : Gleich zwei Gerüchte treiben den Kurs

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Kein olympisches Gold, kein Börsensilber, sondern nur ein Chip-Wafer von Infineon - und Computerchips lassen sich nur noch unter Preiszugeständnissen verkaufen Bild: picture-alliance/ dpa

Gleich zwei Übernahmegerüchte lassen den Kurs des Chipherstellers Infineon so stark steigen, dass sich die Aktie an die Spitze des Dax setzt. Einmal wäre das Unternehmen das Kaufobjekt und einmal der Verkäufer von Qimonda.

          Das gab es schon lange nicht mehr: Die Aktien des Chipherstellers Infineon setzten sich am Montag an die Spitze der Dax-Werte. Um 2,8 Prozent auf 6,11 Euro legte der Titel zu, während der Leitindex der deutschen Börse 0,5 Prozent im Minus lag.

          Erst ließen Gerüchte den Kurs steigen, wonach NXP das Unternehmen, das früher einmal Siemens gehörte, kaufen wolle. „Das wurde zwar dementiert, es scheint aber niemanden zu stören“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen ungenannten Börsianer. Spekulationen, dass der niederländische Konkurrent an Infineon interessiert sein könnte, kursierten immer mal wieder in den Handelsräumen. Seit Monatsbeginn haben Infineon-Aktien mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen und damit deutlich mehr als jeder andere Dax-Titel. Dennoch sind die Titel immer noch rund 2 Euro weniger wert als zu Jahresbeginn.

          Micron könnte Qimonda kaufen wollen

          Am Nachmittag waren es Spekulationen um die Chip-Tochtergesellschaft Qimonda, die den Infineon-Kurs steigen ließen. Dieses Mal war es ein Bericht des „Wall Street Journal“. Das New Yorker Wirtschaftsblatt hatte berichtet, das amerikanische Speicherchip-Unternehmen Micron Technology befinde sich in Gesprächen mit Infineon, um Qimonda entweder komplett oder zumindest ein Teil des Infineon-Pakets von 77,5 Prozent an Qimonda zu kaufen.

          Den Qimonda-Kurs ließ diese Nachricht an der Börse New York, wo der Titel vor allem gehandelt wird, jedoch weiter stürzen. Um 11 Prozent auf 2,04 Dollar fiel die Notierung in der Spitze und tendierte anschließend etwa 4,8 Prozent schwächer bei 2,18 Dollar. Damit hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 80 Prozent ihres Werts verloren.

          Alle Optionen offen bei Qimonda

          Auch wenn ein Infineon-Sprecher diesen Bericht nicht kommentieren wollte: Bekannt ist, Infineon seinen Anteil bis zur Hauptversammlung im Frühjahr auf weniger als 50 Prozent senken will. Schon früher hatte der seit kurzem amtierende Vorstandsvorsitzende von Infineon, Peter Bauer, gesagt, dass „weiter alle Optionen offen“ bei der Suche nach einer Lösung für Qimonda seien.

          Ein Händler bewertete den Bericht des „Wall Street Journal“ positiv. Bereits zuvor hätten Gerüchte die Runde gemacht, wonach Micron Interesse an dem Anteil von Qimonda an dem Joint-Venture Inotera mit dem taiwanischen Chiphersteller Nanya haben könnte.

          „Falls es Gespräche gibt, sind die Informationen nur sehr vage und es wird vielleicht auch nur ein Teilverkauf“, schränkte ein Analyst ein. Derzeit ist seiner Einschätzung nach das Marktumfeld für einen Verkauf des Qimonda-Pakets zu schlecht, die Preise für Speicherchips seien zu niedrig. „Es wäre zwar wünschenswert und auch der Verkaufspreis würde keine große Rolle spielen, aber derzeit ist es wohl eher unwahrscheinlich“.

          Keine Kaufargumente für Infineon-Aktie

          Auch wenn Infineon endlich eine Lösung für Qimonda finden sollte, gibt es derzeit fundamental kaum Argumente für einen Kauf der Aktie. Die Nachfrage nach Speicherchips ist zwar auf der ganzen Welt enorm: Es werden immer mehr Computer und Handy verkauft. Doch der Markt ist so sehr von Überkapazitäten geprägt, dass mit einem weiteren Preisverfall für diese Halbleiterprodukte zu rechnen ist.

          Der Absatz mag kräftig steigen, die Umsätze in der Branche stagnieren oder legen nur leicht zu.
          Auch charttechnisch spricht wenig für die Infineon-Aktie: Der Kurs scheint bei 4 Euro nach unten abgesichert. Doch in der Region um 7 Euro müsste die Notierung einen Widerstand überwinden, an dem Kurs in den vergangenen Monaten schon mehrfach gescheitert ist.

          Nur Micron-Aktie profitiert von den Gerüchten

          Bei Qimonda ist das Bild kaum besser. Der Kurs hat wohl bei Notierungen von 1,68 Euro charttechnisch Unterstützung gefunden und sich von diesem Tief schon wieder spürbar entfernt. Doch es gibt immer weniger Analysten, die Anleger zu einem Engagement in dem Titel raten.

          Profitiert hat von den jüngsten Gerüchten am Montag lediglich die Aktie von Micron Technology. Doch der Kursanstieg währte zu Wochenbeginn auch nur kurz. Im Handelsverlauf schmolz der Kursgewinn wieder völlig weg. Im New Yorker Mittagshandel lag der Titel gegenüber dem Freitagsschluss unverändert bei 4,69 Dollar.

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