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Industriewerte : BOC-Übernahme macht Linde-Aktie nicht unattraktiver

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Anlage zur Verflüssigung von Erdgas wird verschifft Bild: Linde AG

Mit der absehbaren BOC-Übernahme verbessert der Industriekonzern Linde seine Marktstellung und dürfte in einem freundlichen Umfeld weiter wachsen können. Die Aktie des Unternehmens ist noch vernünftig bewertet.

          Nach einer durchwachsenen Kursentwicklung gefolgt von einem satten Einbruch im Jahr 2003 konnte sich die Aktie der Linde AG wieder von ihrem Tief bei 22,83 Euro im März des Jahres 2003 erholen und in einem mittelfristigen Aufwärtstrend knapp 200 Prozent auf zuletzt 65,84 Euro zulegen.

          Diese Performance dürfte sich eher mit der Bewertung und mit dem Blick nach vorne erklären lassen als mit der operativen Dynamik des Unternehmens in den vergangenen Jahren. Denn bisher stagnierte die Umsatzentwicklung und pendelte zwischen zwei und 2,5 Milliarden Euro im Quartal. Nach einem leichten Verlust im vierten Quartal des Jahres 2002 zeigt immerhin die Gewinnentwicklung inzwischen im Trend wieder nach oben.

          Gewinnentwicklung zeigt nach oben

          Auf diese Weise dürfte sich unter anderem der im Jahr 2003 erfolgte Wechsel im Management zu Wolfgang Reitzle bemerkbar machen, der begonnen hat, die Effizienz des Unternehmens zu verbessern. Deutlichere Impulse dürften jedoch nun von der wahrscheinlichen Übernahme des bisherigen Konkurrenten BOC ausgehen. Denn sie kann das Unternehmen zum Weltmarktführer im Bereich der Industriegase machen.

          Durch die Akquisition entstünde ein weltweit führendes Gase- und Engineering-Unternehmen, das in diesem Bereich einen Jahresumsatz von rund 11,9 Milliarden Euro erzielte. Beide Unternehmen ergänzten sich sowohl in ihrer geographischen Ausrichtung als auch hinsichtlich der jeweiligen Produktschwerpunkte. Mit BOC würde Linde insbesondere seine Position im Wachstumsmarkt Asien-Pazifik sowie in Segmenten wie Wasserstoff ausbauen. Und das ist ein Bereich, der vor allem bei einem anhaltend hohen Ölpreis mit einer gewissen Zukunftsphantasie verbunden ist. Sie geht in Richtung alternativer Brennstoffe, wie sie künftig unter anderem in Brennstoffzellen verwendet werden können.

          Linde habe mit BOC eine Offerte in Höhe von 1.600 Pence je Aktie in bar vereinbart, bestätigte Linde am Montag zuvor unbestätigte Meldungen. Das Management sei zuversichtlich, daß die Kartellbehörden der Transaktion zustimmen werden. Damit könne die Übernahme im dritten Quartal unter Dach und Fach gebracht werden. Finanziert werden solle der Kauf durch einen mit mehreren Banken vereinbarten Kredit, der unter anderem durch eine Kapitalerhöhung im Volumen von 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro refinanziert werden solle. Dazu kämen Anleihen, die Aufnahme von Hybridkapital, Darlehen und der Verkauf von Geschäftsteilen.

          So wolle Linde strategische Optionen für sein Gabelstaplergeschäft prüfen. Durch die Integration von BOC rechne Linde mit jährlichen Synergieeffekten vor Einmalaufwendungen von rund 250 Millionen Euro. Die Einsparungen ließen sich im Wesentlichen durch die Optimierung der gemeinsamen Distribution und Beschaffung sowie in der Verwaltung realisieren. Diese sollen 2009 erstmalig voll erzielt werden, teilte der Konzern mit.

          Wachstum auch schon vor der Übernahme

          Im Jahr 2005 war der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr um 7,3 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro geklettert, während das operative Ergebnis um 18 Prozent auf 913 Millionen Euro und das Nettoergebnis um knapp 32 Prozent auf 501 Millionen Euro gestiegen war. Auch im laufenden Jahr sei im weltweiten Gasgeschäft eine positive Marktentwicklung zu erwarten, teilte der Dax-Konzern am Montag weiter mit.

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 auf Basis der gebotenen 1.600 Pence würde Linde mit der BOC-Übernahme sicherlich keine ausgeprägtes Schnäppchen machen. Auf der anderen Seite wird auf diese Weise die Marktstellung verbessert und abgerundet. Die mittelfristigen Synergieeffekte sind auch nicht zu verachten.

          Insgesamt ist die Aktie des Unternehmens mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15,2 und 13,8 auf Basis bisheriger Gewinnschätzungen noch vernünftig bewertet und dürfte in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld weiteres Kurspotential haben. Das sahen offenbar auch die Anleger am Montag so und verhalfen der Linde-Aktie zu einem Plus von nicht weniger als 7,5 Prozent auf 70,40 Euro und damit ein neues Sieben-Jahres-Hoch.

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