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Industriegüter : Investitionsboom treibt Aktie von Matrix Service

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Bild: FAZ.NET

Der Ölpreis sinkt, aber das heißt nicht, dass die Ölindustrie nicht boomt. Von den hohen Investitionen besonders im Bereich der Verarbeitung profitieren Dienstleister wie die Matrix Service Corporation.

          3 Min.

          Im Jahr 2005, als der Ölpreis sich auf immer neue Höhen schwang, schienen die Aktien von Ölfirmen und -dienstleistern zu den sicheren Wetten am Markt zu gehören, war doch nicht absehbar, wann der Aufwärtstrend ein Ende haben würde. Das schien sichere Geschäfte auf Jahre hinaus zu versprechen.

          Mittlerweile läuft der Preis des Rohstoffs schon seit längerer Zeit rückwärts, ist weit entfernt von den einstigen 80 Dollar und scheint sich eher mit der Marke von 50 als mit 60 Dollar anfreunden zu wollen.

          Nach Einbruch vor zwei Jahren wieder stark im Geschäft

          Das heißt indes nicht, dass die Nachfrage nach Rohöl und raffinierten Produkten schwächer geworden ist, zumindest nicht dann, wenn man vom saisonal vergleichsweise schwachen Bedarf an Heizöl absieht.

          Zwar äußern sich Analysten für Energieaktien eher pessimistisch. Doch liegt das vor allem daran, dass den Ölfirmen neue erschließbare Reserven fehlen und ihre Investitionskosten in die Höhe schießen. Das dürfte man indes bei Öldienstleistern wie der in Tulsa, Oklahoma, beheimateten Matrix Service Corporation gerne hören.

          Das Unternehmen erbringt industrielle Bau-, Reparatur- und Wartungsdienstleistungen vorwiegend für alle Bereiche der Öl- und ölverarbeitenden Industrie. Nach einem schlechten Geschäftsjahr 2004/2005 (Ende: 31. Mai), das man „lieber nicht wiederholen wolle“, so der damalige Vorstandschef Michael Hall, erlebt das Unternehmen wieder einen Aufschwung.

          Seinerzeit brach der Umsatz in der Bausparte drastisch um über die Hälfte ein, nachdem zwei Großprojekte für die Energieindustrie ausgelaufen waren, die nicht durch andere Aufträge hatten ersetzt werden können. Das führte auch dazu, dass das Unternehmen in die roten Zahlen rutschte und die Verschuldung deutlich anstieg.

          Nutznießer der aggressiven Investitionspolitik in der Erdölverarbeitung

          Nachdem 2005/2006 ein Jahr des Übergangs mit sinkender Verschuldung wieder steigenden Umsätzen und der Rückkehr in die Gewinnzone wurde, hat sich das laufende Geschäftsjahr bislang recht positiv entwickelt.

          Der Umsatz stieg nach den am Donnerstagabend vorgelegten Zahlen im ersten Halbjahr, das am 30. November zu Ende ging, um 24,3 Prozent auf 293,23 Millionen Dollar. Der operative Gewinn kletterte um mehr als das Doppelte um 134,33 Prozent 18,78 Millionen Dollar. Unter dem Strich blieben davon 11,08 Millionen Dollar und damit deutlich mehr als das Vierfache wie in der Vorjahresperiode, was vor allem auf deutlich niedrigere Zinsaufwendungen zurückzuführen war.

          Vor allem die Bausparte entwickelte sich dynamisch mit einem Wachstum des Umsatzes um 43,6 Prozent auf 164,86 Millionen Dollar. Gleichzeitig konnte der Reingewinn um das Sechseinhalbfache auf 5,17 Millionen Dollar gesteigert werden. Das Reparatur- und Wartungsgeschäft legte beim Umsatz dagegen um 6,6 Prozent auf 133,8 Millionen Dollar zu, während der Nettogewinn deutlich von 1,76 auf 5,94 Millionen Dollar stieg.

          Man habe besonders von der fortgesetzt aggressiven Investitionspolitik der ölverarbeitenden Industrie profitiert, die für zwei Drittel des Umsatzanstiegs verantwortlich waren. Dieser Sektor war auch größtenteils für das Umsatzplus in der Reparatur- und Wartungssparte verantwortlich.

          Prognosen abermals erhöht

          Vorstandschef Michael Bradley ist zuversichtlich, dass das positive Investitionsklima in der ölverarbeitenden Industrie weiter anhält. Man habe mit einem Auftragsbestand von 322 Millionen Dollar rund 80 Prozent der Aufträge aus dem Sektor erhalten. Daher hebe man erneut die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr an.

          Matrix erwartet nunmehr einen Umsatz zwischen 560 und 580 Millionen Dollar (zuvor 510 bis 540 Millionen) und damit ein Plus zwischen 13 und 17,5 Prozent. Auch die Bruttomarge soll mit elf bis zwölf Prozent höher ausfallen als die bislang erwarteten 10,5 bis 11 Prozent. Im Vorjahr hatte die Bruttomarge bei 9,5 Prozent gelegen, im ersten Halbjahr allerdings bereits bei zwölf Prozent.

          Dank der deutlich verringerten Schuldenlast und operativer Vorteile aufgrund der guten Auslastung dürfte der Gewinn je Aktie deutlich stärker steigen als die Bruttomarge. Bislang gehen die Analysten noch durchschnittlich von einem Gewinn je Aktie von knapp 70 Cents aus. Indes hat Matrix davon im ersten Halbjahr bereits 43 Cents erwirtschaftet.

          Aktuell vernünftig bewertet

          Rechnet man mit einem ähnlich starken zweiten Halbjahr, so beliefe sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf etwas unter 20, nachdem die Aktie am Donnerstag um immerhin 10,6 Prozent auf ein neues 35-Monats-Hoch zulegte und damit ihren seit bald zwei Jahren bestehenden Aufwärtstrend wieder aufgriff, nachdem sie angesichts des fallenden Ölpreises in den Tagen davor nachgegeben hatte.

          Für 2008 gehen die Analysten von einem Gewinn je Aktie von 88,5 Cents aus. Indes könnten auch hier der gewinn höher und damit das KGV niedriger ausfallen, so dass sich der Bewertungsaufschlag für eine Aktie aus einer zyklischen Branche relativiert. Zudem liegen die Umsatzprognosen erheblich näher an den Voraussagen des Unternehmens. Und demnach ist Matrix mit prognostizierten Kurs-Umsatz-Verhältnissen von 0,7 recht günstig bewertet.

          Langfristig ist Matrix indes weiterhin der zyklischen Unbill des Geschäfts ausgesetzt. Sollte der Investitionshunger in der Ölindustrie zurückgehen, muss das Unternehmen diese Verluste kompensieren. Hier steht zu hoffen, dass ihm dies besser gelingt als im Geschäftsjahr 20045/2005. Insofern ist eine Einstieg ein zyklisches Investment und als solches sollte man die Entwicklung des Sektors und des Unternehmens im Auge behalten.

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