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Industriegase : Linde ist solide, aber langweilig

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Der Linde-Aktie fehlt die Fantasie Bild: Linde AG

Einen guten Geschäftsausblick liefert Linde. Die Börse reagiert moderat positiv, der Aktie fehlt die Fantasie.

          Was die Beschreibung „nett“ bei den Menschen ausdrückt, heißt bei Aktien „solide“. Nett sind Personen, auf die man sich verlassen kann, mit durchschnittlicher Attraktivität, aber wenig Elan.

          Linde ist ein Pendant zu diesen „netten“ Mitmenschen. Selbst in den derzeitigen turbulenten Konjunkturstürmen, in denen konservative Dax-Unternehmen wie MAN, BASF und Bayer Gewinnwarnungen geben, steht der Hersteller von Industriegasen zu seinem Wort.

          Linde hält an Prognosen fest

          Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen bekräftigte Linde, an den bisherigen Zielen für das Gesamtjahr festzuhalten. Dabei soll der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent und das Ergebnis überproportional wachsen. „Und wenn Linde diese Prognosen gibt, dann werden sie auch eingehalten“, betont Dirk Lohmann die konservativen Schätzungen des Linde-Managements.

          Der Analyst von Trinkaus & Burkhardt bewertet die Halbjahreszahlen von Linde als weitgehend im Rahmen der Erwartungen. Der Bereich Kältetechnik habe sich etwas schlechter entwickelt als angenommen. Aber die Auftragseingänge stimmten zuversichtlich für das Gesamtjahr. Zumal bei Linde traditionell das vierte Quartal das stärkste sei.

          Keine großen Kurssprünge erwartet

          HSBC Trinkaus & Burkhardt rät zum Aufstocken der Aktie. Der Wert sei solide und zuverlässig. Eigenschaften, die Anleger derzeit an der Börse schätzten. Zudem sei das Geschäft mit Technischen Gasen nicht so konjunkturabhängig wie andere Industriezweige. Aber auch im Vergleich mit den Wettbewerbern schneide Linde besser ab.

          Lohman räumt jedoch ein, dass große Kurssprünge bei der Aktie ebenfalls nicht zu erwarten sind. Dies zeigt auch schon die Bewegung am Donnerstag, wo die Aktie an der Börse trotz guter Zahlen und vielversprechendem Ausblick bis zum Mittag gerade einmal 0,9 Prozent auf 47,06 Euro steigt.

          Kaum Fantasie in Sicht

          Der Preis für das solide Investment ist fehlende Fantasie. Bestenfalls, wenn Linde sich von dem Bereich Kältetechnik trennt, könnte der Kurs noch einmal Schwung bekommen. Aber dies wird frühestens im kommenden Jahr geschehen, wenn die Beteiligungsverkäufe steuerfrei sind.

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für 2001 von 17,9 und für 2002 von 15,4 sei Linde etwas über dem Branchendurchschnitt bewertet, meint Analyst Lohmann. Von der Bewertungsseite ist hier auch nicht mit großen Impulsen zu rechnen.

          Per Saldo im Minus

          Immerhin, in den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Aktie klar besser entwickelt als der Dax. (Siehe untenstehenden Chart). Aber per Saldo bedeutet das für den Investor, der vor einem Jahr eingestiegen ist, noch immer einen kleinen Verlust. Die Aktie hat von Oktober bis Februar einen schönen Lauf bis auf 56 Euro gemacht, seitdem geht's wieder bergab.

          Und der Chart spricht eher für weitere Abschläge als für Gewinne. Besser als der Dax kann eben auch kleinere Verluste als der Index bedeuten. Daher lautet die Frage, „warum brauchen Anleger überhaupt solche solide Investments, wenn unter dem Strich auch ein Verlust dabei heraus kommt“. Vielleicht wäre es sinnvoller das Geld mit „nicht-netten“ Menschen zu verschleudern und dabei wenigstens Spaß zu haben.

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