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Indizes : MLP droht der Dax-Abstieg

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Am deutschen Aktienmarkt steht wieder einmal eine Neuordnung der Aktienindizes an. MLP droht dabei der Abstieg aus dem Dax, während Beiersdorf der Aufstieg winkt.

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          Das Roulette um die 30 Plätze im Deutschen Aktienindex rollt wieder. Der vergangene Freitag war ein entscheidender Tag für die neue Börsenarchitektur, über die am 11. Februar abgestimmt wird. Denn auf Basis der Aktienkurse zum Wochenschluss erstellt die Deutsche Börse die Rangliste, die Grundlage für die bislang umfangreichste Neuordnung der deutschen Aktienindizes sein wird. Außerdem mussten zu diesem Stichtag alle Index-Aspiranten ihre Zulassung für die neue Börsenoberliga „Prime Standard“ beantragen.

          Für den Finanzdienstleister MLP könnten dabei die Tage in Deutschlands wichtigstem Kursbarometer Dax gezählt sein. Der Aktienkurs der Heidelberger ist so stark gesunken, dass sie womöglich nicht mehr genug Börsengewicht auf die Waage bringen.

          Um der Ersten Liga anzugehören muss eine Aktiengesellschaft nach Börsenwert (Aktienzahl mal Kurs) und Handelsumsatz zu den 35 besten gehören. Der Börsenwert von MLP dümpelte zuletzt zwischen Rang 50 und 60. Ob der jüngste Kursanstieg von mehr als zehn Prozent noch Rettung bringt, wird die neue Index-Rangliste am Mittwoch zeigen.

          Beiersdorf als Aufstiegskandidat

          Sonst könnten nur noch fehlende Alternativen den Klassenerhalt von MLP sichern. Auf der Ersatzbank lauern das Kosmetikunternehmen Beiersdorf, der Automobilzulieferer Continental und die Telekom-Tochter T-Online. Da Degussa nun doch vom Bergbau und Technologie- Konzern RAG übernommen werden darf, hat das Spezialchemie-Unternehmen dagegen keine Chance mehr auf eine Rückkehr in den Dax.

          Um überhaupt in einem wichtigen Index vertreten zu sein, müssen sich Aktiengesellschaften auch für die Börsen-Oberliga „Prime Standard“ qualifizieren. Dort gelten besonders strenge Regeln, die Unternehmen zu Quartalsberichten, Analystenkonferenzen sowie zweisprachigen Pflichtmitteilungen anhalten. Dieser Börsenbereich ist vor allem für international ausgerichtete Unternehmen interessant. Alle anderen Gesellschaften werden automatisch in den nachfolgenden „General Standard“ eingestuft. Dort gelten die nur gesetzlichen Mindestnormen.

          Alle Dax-Vertreter haben Aufnahme in Qualitätssegment beantragt

          Unterdessen haben auch fünf Rebellen aus dem Dax, die der neuen Ordnung bislang kritisch gegenüberstanden, die Aufnahme in das neue Qualitätssegment „Prime Standard“ beantragt. Das bestätigte die Deutsche Börse AG. Extra-Würste gab es für Siemens, Infineon, BASF, Münchener Rück und die Lufthansa dabei offenbar nicht. „Für alle Unternehmen gelten die gleichen Zulassungsbedingungen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse.

          Ohne diesen Schritt hätten diese Unternehmen den Club der 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften verlassen müssen. Denn die Zulassung zur Börsen-Oberliga - inzwischen von mehr als 370 Gesellschaften beantragt - ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einem der wichtigen Indizes wie dem DAX, dem nachgeordneten MDax oder dem neuen TecDax für Technologiefirmen

          EADS vor Aufstieg in den MDax

          Unterhalb des DAX werden die Kursbarometer künftig internationaler. Die Börsenordnung erlaubt dort auch die Aufnahme ausländischer Gesellschaften. Daher dürfte der Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS der Sprung in den MDax gelingen. Dort werden künftig 50 statt 70 mittelgroße Unternehmen vertreten sein. EADS erhielt in der vergangenen Woche seine Zulassung für das künftige Qualitätssegment.

          Die Aktien des erfolgreichen Sportwagenherstellers Porsche bleiben dagegen weiter außen vor. Das Stuttgarter Unternehmen weigert sich beharrlich, Quartalsberichte zu veröffentlichen wie es die Deutsche Börse verlangte. Nun erwägt der schwäbische Autobauer juristische Schritte gegen den Korb aus Frankfurt und prüft sogar den Gang an die Londoner Börse.

          Allerdings hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auch schon eine Notierung an der New Yorker Börse erwogen. Diese Pläne wurden jedoch wieder zu den Akten gelegt. Porsche begründete dies mit neuen US- Regeln, die nicht zur deutschen Rechtslage passen würden. 2001 war Porsche wegen der hartnäckigen Verweigerung 2001 von Quartalsberichten aus dem MDax für mittelgroße Unternehmen geflogen.

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