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Indizes : Indexumstellung von Dax & Co. bewegt Milliarden

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Wirbelt die Indexumstellung die Kurse durcheinander? Bild: dpa

Ab kommenden Montag werden die deutschen Aktienindizes nach dem Streubesitz gewichtet. Zu den Verlierern zählt auch hier die T-Aktie.

          Am 21. Juni ist es also soweit. Nach Börsenschluss wird dann die Strukturreform bei der Zusammensetzung der Aktienindizes wirksam. Wichtigste Umstellung wird die Gewichtung nach dem Streubesitz sein.

          Die bereits im August 2000 im Anschluss an einen ähnlichen Beschluss des Indexbetreibers MSCI von der Deutschen Börse AG bekannt gegebenen Veränderungen sehen nicht nur eine Umstellung der bisherigen Gewichtung nach der Marktkapitalisierung auf die so genannte Free-Float-Gewichtung vor. Gesenkt wird auch die Hürde, bei der ein Aktienpaket in festen Händen nicht mehr als Streubesitz eingestuft wird - nämlich von 20 auf fünf Prozent.

          Ebenfalls neu ist die Vorgabe, dass künftig nur noch die liquideste Aktiengattung eines Titels - also entweder die Stamm- oder die Vorzugsaktien - bei der Indexberechnung Berücksichtigung finden soll. Erwähnenswert ist zudem die Erlaubnis, dass künftig Mutter- und Tochterunternehmen unabhängig von den Besitzverhältnissen im gleichen Index sein können.

          Noch immer Umschichtungen zu erwarten

          Die neuen Regeln ziehen deutliche Veränderungen bei der Indexzusammensetzung nach sich. Schließlich befinden sich viele Aktien in festen Händen oder es existieren sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien. Als Folge der Umstellung wird beispielsweise die Marktkapitalisierung beim Dax deutlich sinken.

          Auch für die Kurse der in den Indizes enthaltenen Aktien ist dies mehr als eine technische Angelegenheit. Denn bekanntlich richtet sich die Gewichtung in den Fonds häufig an der Gewichtung eines Wertes im Index aus. Ganz speziell gilt dies bei den so genannten Indexfonds, welche die Indizes, an denen sie sich orientieren, praktisch nur nachbilden.

          Im Zuge der Einführung der Neuregelungen wird es deshalb zu massiven Umschichtungen kommen. Ein Großteil der Neuausrichtung ist dabei mit Sicherheit aber schon abgewickelt. Schließlich sind die Maßnahmen seit langem bekannt, so dass sich die Fondsmanager rechtzeitig darauf einstellen konnten. Dennoch wird es am 21. und am 24. Juni bestimmt noch einmal zu auffälligen Kursbewegungen kommen. Den passiv gemanagten Fonds bleibt nämlich oft nichts anderes übrig, als erst am Tag X ihre Gewichtung anzupassen. Angesichts der Milliarden, die dabei bewegt werden, bleiben erfahrungsgemäß deutliche Kursbewegungen nicht aus.

          T-Aktie unter den Verlierern

          Unter den Dax-Werten wird es insbesondere interessant sein, die Kursausschläge bei Deutsche Telekom, Münchener Rück und BMW zu beobachten. Denn diese drei Titel gelten als die größten Verlierer der Neuregelung. Als Profiteure gelten dagegen Siemens, Deutsche Bank und Eon.

          Am Neuen Markt gelten unter den im Nemax 50 Index vertretenen Unternehmen Singulus, BB Biotech und Aixtron als Gewinner. Eine geringere Gewichtung werden dagegen Comdirect, Medion und Mobilcom hinnehmen müssen. Unter den Sektoren gewinnen die Technologie und Biotechnologietitel an Dominanz, während die Finanzdienstleister an Bedeutung verlieren werden. Beim MDax werden als Gewinner die Deutsche Börse, Continental und Merck genannt und als Benachteiligte Gesellschaften Beiersdorf, AMB Generali und BHW Holding.

          Experten begrüßen die Umstellung

          Interessant am Vergleich der Indizes ist folgendes: Während der durchschnittliche Free Float beim Nemax 50 nur 43 Prozent beträgt, liegt er beim Dax bei 72 Prozent und beim MDax bei 48,5 Prozent. Damit nimmt die Bedeutung des ohnehin gebeutelten Nemax 50 im relativen Vergleich der Indizes noch weiter ab.

          Indexexperten begrüßen die Umstellungen aber trotz der zu erwartenden Kurseffekte und der Nachteile, wie die teilweise nur verspätet zu erhaltenden Veränderungen beim Streubesitzanteil. So spricht Achim Matzke von der Commerzbank von einer künftig höheren Transparenz, wodurch der Dax auf internationaler Ebene attraktiver werde.

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