https://www.faz.net/-gv6-y1ni

Indiens Börse : 2,6 Milliarden Verlust in 90 Minuten

Bombay Stock Exchange Bild: dapd

Der indische Milliardär Anil Ambani hat innerhalb von 90 Minuten zumindest auf dem Papier 2,6 Milliarden Dollar verloren: Um diese Summe sank der Wert der Aktien seiner sechs börsennotierten Unternehmen.

          Der indische Milliardär Anil Ambani hat innerhalb von 90 Minuten zumindest auf dem Papier 2,6 Milliarden Dollar verloren: Um diese Summe sank der Wert der Aktien seiner sechs börsennotierten Unternehmen in den letzten Minuten des Handels an der Börse in Bombay (Mumbai) am Mittwoch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Allein die Aktie von Reliance Infrastructure Ltd. verlor am Mittwoch in wenigen Minuten 19 Prozent ihres Wertes. Zwischenzeitlich betrug der Kursverlust rund 25 Prozent. Im Handel am Donnerstag holten die Papiere in einem weiter fallenden Markt ihre Verluste teilweise wieder auf. Anil Ambani, der jüngere Bruder des reichsten Asiaten Mukesh Ambani, erklärte am selben Tag, der Hintergrund für den Kurseinbruch seien bewusst gestreute falsche Informationen und Gerüchte gewesen.

          Starke Kursverluste in kürzester Zeit

          Reliance Communication, Indiens zweitgrößter Telefonkonzern, verlor innerhalb der kurzen Zeit gut 14 Prozent seines Wertes. Im Handel am Donnerstag legten die Ambani-Unternehmen zwischen 1,5 und 8 Prozent zu. Mit Blick auf den Einbruch am Mittwoch erklärte das Unternehmen: "Eine Serie von vollständig grundlosen, aber gezielten Gerüchten wurde von unseren skrupellosen Wettbewerbern gestreut. Sie wurden begleitet von illegalen Massenverkäufen unserer Aktien, um Panik zu schaffen und die Märkte zu destabilisieren." Die Behörden nahmen noch keine Stellung zu den Vorgängen.

          Analysten aber verweisen darauf, dass die Marktaufsicht Ambani in den vergangenen Monaten bereits kritisiert hatte und aufforderte, bis Dezember keine Aktien mehr zu handeln. Auf den Aktien von Reliance Communication lastet zugleich der Druck des Skandals um die Vergabe von Telefonlizenzen in Indien, der schon den früheren indischen Telekommunikationsminister zu Fall gebracht hat.

          Es steigt aber auch die Sorge, dass der indische Aktienmarkt zu teuer ist, zumal die Inflation weiter anzieht. Und Investoren zweifeln, ob die Regierung wirklich so viel Geld in den Ausbau von Infrastruktur stecken wird, wie sie angekündigt hat. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Sensitive Index 10,5 Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn aber gut 14 Prozent verloren. Seit seinem Rekordstand am 5. November vergangenen Jahres hat der Sensex inzwischen 16 Prozent verloren, der breitere BSE-500 büßte 20 Prozent ein. Er bildet 93 Prozent der an der Bombay Stock Exchange gehandelten Papiere ab.

          Fondsmanager sprechen von einem Bärenmarkt

          Indische Fondsmanager rechnen damit, dass der Sensex in den nächsten Wochen weitere 1000 Punkte abgeben werde und um einen Stand knapp über 16 000 Punkte notieren werde. Sie sprechen von einem "Bären-Markt", der sich noch verschärfen werde. Seit Januar verkauften ausländische Investoren indische Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Dollar. Nur der Markt Ägyptens steht damit noch schlechter da als derjenige der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens.

          Der 51 Jahre alte Anil Ambani gilt als glückloser Bruder von Mukesh Ambani. 2010 nahm Anil Rang 36 auf der Liste der Reichsten der Erde ein, sein Bruder steht auf Platz 4 der Forbes-Liste. Er führt das auf Rohstoffe fokussierte Konglomerat Reliance Industries. Jahrelang haben sich die Brüder so lauthals um ihr Erbe gestritten, dass schließlich sowohl die Mutter wie auch die indische Regierung schlichtend eingreifen mussten. Der vom Vater geerbte Konzern wurde unter ihnen aufgeteilt.

          Anil Ambani, verheiratet mit einer früheren Bollywood-Schauspielerin, fühlt sich schon lange verfolgt. Im April 2009 hatte er die Polizei informiert, dass Geschäftskonkurrenten versucht hätten, seinen Hubschrauber zu manipulieren. Die Polizei fand dafür keine Anhaltspunkte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Hilfe bei häuslicher Gewalt: Überwältigung eines Schlägers bei einer Übung in Wiesbaden

          Partnerschaftsgewalt : Du gehörst mir!

          Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Oft geht es dabei um Macht und Kontrolle. Auch Maria musste deshalb sterben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.