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Indien : Die Softwarefirma Tata Consultancy erwischt glänzenden Börsenstart

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Ein traumhaftes Börsendebüt hat die Softwarefirme Tata Consultancy hingelegt. Die Aktien des größten indischen Vertreters seiner Branche waren fast achtfach überzeichnet und der Kurs legte in der Spitze um 27 Prozent zu.

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          Anders als in Deutschland, wo neue Aktien zuletzt wie alte Gurken meistens links liegen gelassen wurden, scheint die Börsenwelt in Indien noch heil zu sein. Zumindest ist der Heißhunger auf Börsenneulinge noch hoch.

          Indiens größter Software-Hersteller Tata Consultancy Services hatte jetzt jedenfalls keinerlei Probleme, Käufer für die von ihm angebotenen 63,8 Millionen Anteilsscheine zu finden. Die Emission war vielmehr gleich 7,7fach überzeichnet. Und am ersten Handelstag an diesem Mittwoch kletterte die Notiz in der Spitze bis auf 1.080 Rupieh. Das lag um 27 Prozent über dem Ausgabepreis von 850 Rupieh (18,40 Dollar), wobei der Schlußkurs zum Handelsende bei 987,50 Rupieh lag.

          Kurssprung bedeutet Anpassung an die Bewertung der Konkurrenten

          Gemessen am Ausgabepreis beträgt die Marktkapitalisierung nach der 1,17 Milliarden Dollar schweren Emission der IT-Service-Tochter des Mischkonzerns Tata immerhin rund 8,8 Milliarden Dollar. Auf Basis des Ergebnisses, das in dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 203/04 erzielt wurde, errechnete sich zum Ausgabekurs ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25,5. Damit wurde das Unternehmen zunächst niedriger bewertet als die bereits börsennotierten Konkurrenten Infosys oder Wipro, deren Kurs-Gewinn-Verhältnis bei über dreißig liegt.

          Bei Einschätzungen zur Bewertung muß auch berücksichtigt werden, daß es sich beim indischen Softwaresektor um eine echte Wachstumsbranche handelt. Die Unternehmen profitieren dabei von ihren niedrigen Lohnkosten ihrer hervorragend ausgebildeten Programmierer, die deutlich unter denen in Amerika oder in Europa liegen. So wird in diesem Jahr mit einem Plus bei den indischen Softwareexporten von rund einem Drittel auf über 16 Milliarden Dollar gerechnet.

          Die rege Nachfrage nach den Aktien von Tata Consultancy kommentierte Jon Thorn, Fondsmanager bei India Capital Fund, wie folgt: „Die Leute wollten hier dabei sein, weil es das schwergewichtigste indische Software-Unternehmen an der Börsen sein wird. Jeder normale Fonds, der den Index nachbildet, muß diese Aktie haben.“

          Drittgrößtes börsennotiertes Unternehmen

          Auf Basis des am ersten Handelstag erreichten Aktienkurses ist Tata Consultancy mit eine Marktkapitalisierung von 10,2 Milliarden Dollar das gemessen am Börsenwert drittgrößte indische Unternehmen nach dem Ölexplorer Oil & Natural Gas Corp. und der Raffinerie Reliance Industries. Zum Vergleich: Infosys kommt auf 8,9 Milliarden Dollar und Wipro auf 8,5 Milliarden Dollar. Der Software-Anbieter wird vermutlich in die oft als Benchmark-Indizes fungierende Morgan Stanley Capital International Indizes aufgenommen und findet wahrscheinlich auch Eingang in den 30 Titel umfassenden indischen Sensitive Aktienindex.

          Was den Anlegern an Tata Consultancy gefällt, sind beeindruckende Wachstumsraten wie das im im Geschäftsjahr 2003/4 verbuchte Umsatzplus von 20 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Und im ersten Quartal (30. Juni) ging es sogar noch einmal in beschleunigter Form weiter, stand da beim Umsatz doch ein Zuwachs von 40 Prozent zu Buche und beim Gewinn um 71 Prozent auf 112 Millionen Dollar.

          Trotzdem warnt Vinay Kulkarni, Fondsmanager bei UTI Asset Management: „Bei einem Niveau von 1.000 Rupieh ist das Unternehmen ziemlich teuer“, so seine Einschätzung. Doch solange die indische Börse allgemein von ihrem Wachstumsflair zehrt, wird für Anleger, die an diesem Makrt mitmischen wollen, vermutlich kein Weg an Tata Consultancy vorbeigehen.

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