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Indexzertifikate : China: Jetzt lässt sich auch auf A-Aktien wetten

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Sie darf nur H-Aktien kaufen: Händlerin in Hongkong Bild: REUTERS

Chinas A-Aktien sind derzeit die großen Gewinner: Die Kurse in Schanghai rasen förmlich nach oben. Doch diese Titel waren bislang nur wenigen Anlegern vorbehalten. Das ändert ABN Amro mit einem Zertifikat - eine riskante Wette.

          Wer an Chinas Aktienmarkt investieren will, muss ein eigenes ABC beherrschen: Bislang konnten Ausländer in erster Linie H-Aktien kaufen, das sind Papiere chinesischer Unternehmen, die in Hongkong notiert sind (siehe auch: Das ABC der China-Aktien).

          Die höchsten Wertentwicklungen gab es jüngst aber im A-Segment. Jüngst machte die Notierungsaufnahme des Lebensversicherers China Life Schlagzeilen: Die Aktien verdoppelten ihren Wert am ersten Handelstag in Schanghai.

          A-Aktien bisher wenigen Institutionellen vorbehalten

          Der Kauf solcher A-Titel war bisher nur Inlandschinesen und wenigen institutionellen Anlegern vorbehalten. Mit einem Zertifikat von ABN Amro soll sich das jetzt ändern. „Damit ist es deutschen Investoren erstmals möglich, über ein Zertifikat an der Entwicklung des A-Segments des chinesischen Aktienmarktes zu partizipieren“, schreibt die Bank.

          Das „China A-Aktien Zertifikat“ (Isin NL0000764439) orientiert sich an der Wertentwicklung des FTSE/Xinhua A50 Index, der die 50 größten A-Aktien enthält. Konkret bildet das Zertifikat den iShares-Tracker dieses Index ab. Das Geld wird in „Chinese A-Shares Access Products“ (CAAPs) investiert, die die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Aktien nachbilden. Die Geld-Briefspanne beträgt 1,5 Prozent, die jährliche Managementgebühr ein Prozent.

          Anleger könnten von der Yuan-Aufwertung profitieren

          „Im 19. Jahrhundert war es Großbritannien und im 20. Jahrhundert die Vereinigten Staaten von Amerika, die zu wirtschaftlichen Führungsmächten der Welt aufstiegen. China könnte in diesem Jahrhundert zur Wirtschaftsmacht Nummer eins werden“, schreibt die Bank in einer Broschüre zum Zertifikat. „China wuchs von 2000 bis 2006 mit Wachstumsraten von 8,4 bis 10,5 Prozent und dürfte das hohe Wachstumstempo auch in diesem Jahr halten.“ Das Land könnte 2007 gut 30 Prozent des weltweiten Wachstums ausmachen. Trotz der hohen Wirtschaftsdynamik und steigender Löhne sei die Inflation sehr gering.

          ABN Amro verweist auf einen weiteren möglichen Renditetreiber: „Die chinesische Währung steht aufgrund der hohen Leistungsbilanzüberschüsse und steigenden Währungsreserven unter latenten Aufwertungsdruck. Da A-Aktien meist in Renminbi notieren, könnten diese somit direkt von einer Aufwertung der heimischen Währung profitieren.“

          Lieber H- als A-Aktien?

          Trotzdem ist das Zertifikat nur Anlegern zu empfehlen, die ein hohes Risiko verkraften können. Der Grund dafür ist einfach: Der chinesische Aktienmarkt ist ohne Frage heißgelaufen, der China-Life-Börsengang in Schanghai war nur ein weiteres Indiz für diese These. Der FTSE/Xinhua A50 Index ist seit Jahresbeginn 2006 bis Dienstag um mehr als 150 Prozent gestiegen. Am Dienstag überstieg der Index erstmals die Marke von 10.000 Punkten und markierte bei 10.319 Zählern mal wieder ein neues Rekordhoch. Im August notierte er zeitweise noch bei unter 5.000 Punkten.

          Eine Korrektur am chinesischen Aktienmarkt ist überfällig, das gilt besonders für das Segment der A-Aktien. Inlandschinesen und seit kurzem auch ausländische Investoren drücken immer mehr Geld auf diesen engen Markt. So konnte es passieren, dass die Aktien von China Life am ersten Handelstag in Schanghai doppelt so viel kosteten wie in Hongkong, wo die Papiere schon seit Jahren gelistet sind (siehe auch: China Life: Kurs am ersten Handelstag verdoppelt).

          Langfristig bleibt ein Investment in China interessant, die zwingend notwendige Korrektur sollten Anleger aber abwarten. Wer jetzt noch nicht investiert ist, hat die Zeiten des steilsten Kursanstiegs wohl ohnehin schon verpasst. Außerdem sollten sich Anleger fragen, ob sie ihr Geld nicht lieber in H-Aktien auf dem etablierten Hongkonger Markt anlegen und auf den jüngsten A-Aktien-Hype verzichten.

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