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Börse Schweiz : Aktien im Schatten von Trump

Zweitgrößte Bank der Schweiz: Die Aktien von Credit Suisse sind seit Trumps Präsidentschaft um 15 Prozent gestiegen. Bild: AP

Die Aktienkurse der Pharmakonzerne sinken, die Finanzindustrie profitiert: Die Schweizer Wertpapiere sind ein Spiegel der bisherigen Ära Trump. Lafarge-Holcim macht sich Hoffnungen auf den Mauerbau.

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          Die ungeheure Aktivität des neuen amerikanischen Präsidenten sorgt auch im Schweizer Aktienmarkt für Bewegung. Dies gilt insbesondere für die Pharmaunternehmen Roche und Novartis, die gemeinsam mit dem Nahrungsmittelriesen Nestlé mehr als 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung des Swiss Market Index (SMI) ausmachen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die beiden Basler Pharmakonzerne sind stark in den Vereinigten Staaten vertreten. Sie erwirtschaften dort mehr als ein Drittel ihres Umsatzes und üppigere Margen als in den meisten anderen Regionen der Welt. Genau diese Margen könnten jedoch in Gefahr geraten, wenn Donald Trump in die weitgehend freie Preisbildung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten eingreifen würde. Entsprechende Ankündigungen hatte er schon vor seiner Amtseinführung am 20. Januar gemacht und so die Kurse der Pharmatitel nach unten gedrückt.

          NOVARTIS NAM. SF 0,50

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          Für Anleger ist es nicht einfach, sich auf die zum Teil widersprüchlichen Ankündigungen des Präsidenten einen Reim zu machen. In der vergangenen Woche machten Spitzenvertreter aus der Pharmaindustrie, darunter auch der Novartis-Chef Joe Jimenez, Trump ihre Aufwartung.

          Bei dem Treffen im Weißen Haus wiederholte Trump zwar seine Forderung nach Preissenkungen, zugleich stellte er den Pharma-Chefs aber auch in Aussicht, die Genehmigungsverfahren für die Zulassung neuer Medikamente zu beschleunigen und die Steuern zu senken. Analog zu diesem Hin und Her bewegen sich auch die Kurse von Novartis und Roche seit Trumps Wahl in einem Zickzackkurs.

          ROCHE HLDG AG GEN.

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          „Es ist ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Angesichts der vielen Unklarheiten empfiehlt Ferreira, im Moment eher auf die Pipeline an neuen Medikamenten zu schauen, also schlicht vor allem das operative Geschäft der beiden Pharmariesen ins Visier zu nehmen.

          Eindeutig profitiert von Trumps Wahl haben die großen Schweizer Finanztitel. Der Aktienkurs der UBS legte in den vergangenen drei Monaten um 18 Prozent auf 16 Franken zu, jener der Credit Suisse kletterte um 15 Prozent auf 15 Franken.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Hinter diesem Aufwind steckt die Ankündigung Trumps, die Zügel für die Banken in Amerika zu lockern. Der Präsident will das Regelwerk aufweichen, das in Reaktion auf die Finanzkrise 2010 zur Zähmung des Bankensektors erlassen worden war. Angesichts von Trumps Credo „Amerika zuerst“ ist allerdings noch offen, ob ausländische Banken von einer Deregulierung in Amerika gleichermaßen profitieren können.

          Entsprechende Zweifel hat der UBS-Vorstandsvorsitzende Sergio Ermotti bereits geäußert. Der ZKB-Chefstratege Ferreira hält es trotzdem für möglich, dass der Rückenwind für amerikanische Finanzwerte an der Börse auch die beiden Schweizer Großbanken noch stärker erfassen könnte, zumal diese große Standbeine in Übersee hätten.

          SMI ®

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          Auch der Kurs von Lafarge-Holcim war nach Trumps Wahlsieg zunächst gestiegen. Der größte Zementhersteller der Welt könnte Nutznießer der Mauer sein, die Trump an der langen Grenze zu Mexiko errichten lassen will. Anders als die Rivalen Heidelberg-Cement und Cemex produziert Lafarge-Holcim allerdings nicht in unmittelbarer Nähe der Grenze. Dies sowie die aktuellen Probleme in Indien dürften ausschlaggebend dafür sein, dass sich der Kurs seit Anfang November nur um 5 Prozent auf knapp 55 Franken nach oben bewegt hat.

          LAFARGEHOLCIM LTD.NAM.SF2

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          In der gleichen Zeit gewann die Aktie des Industriekonzerns ABB fast 18 Prozent an Wert, sie notierte am Montag bei 23,30 Franken. „ABB profitiert von der Erwartung, dass die Amerikaner unter Trump massiv in ihre Infrastruktur investieren“, sagt Ferreira. Neue Aufträge könnten wohl vor allem in der Stromnetzsparte winken.

          ABB LTD. NA SF 0,12

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