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Immobilienwerte : Hypo Real Estate auf Investorensuche

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Hypo Real Estate - wo bleiben die Anleger? Bild: dpa

Nach dem Kurssturz der vergangenen Wochen hat der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate die Investmentbank JP Morgan eingeschaltet. Die Amerikaner sollen langfristige Investoren anlocken und dazu auch Wettbewerber ansprechen.

          3 Min.

          Der durch einen drastischen Aktienkursverfall gebeutelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist auf der Suche nach neuen Investoren. Nach Informationen dieser Zeitung aus Bankenkreisen hat das Münchener Kreditinstitut schon vor einigen Wochen die amerikanische Investmentbank JP Morgan damit beauftragt, langfristige Investoren zu finden.

          Dies könnten sowohl institutionelle Anleger als auch Finanzinvestoren oder gar Wettbewerber sein, hieß es. Eine der Möglichkeiten sei damit die Minderheitsbeteiligung eines Unternehmens aus der Finanzbranche.

          Suche nach strategischem Anteilseigner

          Ein Sprecher der Hypo Real Estate bestätigte, dass JP Morgan den Immobilienfinanzierer seit kurzem berate. Zu den Inhalten des Mandats wollte er sich aber nicht äußern. Nach den Angaben aus Finanzkreisen reagiert die HRE mit dem „strategischen Mandat“ an die Investmentbank auf den dramatischen Kurseinbruch, der Mitte Januar vom Vorstandsvorsitzenden Georg Funke ausgelöst wurde. Völlig überraschend hatte der HRE-Chef damals Abschreibungen auf Hypotheken-Wertpapiere von fast 400 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2007 angekündigt. Der Aktienkurs der Bank war daraufhin um mehr als 35 Prozent abgestürzt und hat seit Jahresbeginn rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Mittlerweile ist die HRE an der Börse nur noch 3,7 Milliarden Euro wert. Sollte sich dieser Kursverfall fortsetzen, wäre der Verbleib des Immobilienfinanzierers im Deutschen Aktienindex gefährdet.

          Bild: FAZ.NET

          Der Kurssturz hatte für einen großen Vertrauensverlust des HRE-Vorstands an den Kapitalmärkten gesorgt. „Es ist die heiligste Aufgabe eines Bankers, die Risiken in seinen Büchern zu verstehen“, schimpfte vor vier Wochen DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Erste Aktionäre haben Schadensersatzklagen gegen den Immobilienfinanzierer angekündigt. Ein Einzelaktionär hat bereits eine Klage eingereicht. Angesichts der zum Teil äußerst heftigen Kritik an Funke und den anderen Vorstandsmitgliedern hatte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Kurt Viermetz, vor einem Monat demonstrativ hinter die Führungsspitze gestellt. „Der Vorstand hat weiter unser uneingeschränktes Vertrauen“, sagte er damals dieser Zeitung.

          Die Banker von JP Morgan sollen nun das an den Kapitalmärkten angeknackste Vertrauen wiederherstellen, indem sie den Kontakt zu den bisherigen Anlegern sowie möglichen neuen Investoren aufnehmen. Teil des Mandats sei weder die Verteidigung gegen eine möglicherweise drohende feindliche Übernahme noch die Anbahnung einer Fusion, hieß es. „Es gibt kein derartiges Szenario.“ Auch eine Kapitalerhöhung werde nicht angestrebt. Ziel sei es vielmehr, Ordnung in die Aktionärsstruktur zu bringen.

          Gesucht: Ordnung in die Aktionärsstruktur

          Der einst von der Hypo-Vereinsbank abgespaltene Immobilienfinanzierer hat einen Streubesitz von 100 Prozent. Eine Übernahme durch einen Wettbewerber wäre also ohne den Widerstand eines Großaktionärs möglich. Viele der großen Hedge-Fonds, die eine wesentliche Stütze des Börsengangs im Herbst 2003 waren, sind in den vergangenen Jahren aus dem Aktionärskreis ausgeschieden.

          Dass die zuletzt in der Finanzbranche äußert rege Investmentbank JP Morgan das Mandat erhalten hat, ist kein Zufall. Über ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz hat die HRE eine enge Bindung an das amerikanischen Institut. Viermetz war bis Ende der neunziger Jahre stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Wallstreet-Hauses.

          Den im Vergleich zu den meisten anderen Banken überproportionalen Kursabsturz der HRE-Aktie begründen Analysten vor allem mit dem großen Misstrauen der Anleger. Niemand wolle derzeit weitere Überraschungen oder versteckte Verluste ausschließen, heißt es. Dabei sind die bisherigen Abschreibungen der Bank im Vergleich mit den Milliardensummen, die andere Häuser wertberichtigt haben, moderat. Der Bestand an CDO-Wertpapieren, die besonders problematisch sind, gilt mit einer Milliarde Euro ebenfalls als verhältnismäßig überschaubar. Zudem steht die Bank im operativen Geschäft nicht schlecht da. Nach eigenen Angaben steigen dank der Finanzkrise die Margen in der Immobilienfinanzierung. Und die erst im vergangenen Jahr mit der milliardenschweren Übernahme der Depfa ausgebaute Staatsfinanzierung gilt als antizyklisches Geschäft, weil die Staaten in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten einen höheren Finanzierungsbedarf haben.

          Auf der anderen Seite steht aber angesichts der von dem amerikanischen Häusermarkt ausgelösten Krise eine hohe Skepsis der Anleger gegenüber allen Immobilienbanken - auch wenn sie wie die HRE auf den Gewerbeimmobilienmarkt und nicht auf den vor allem betroffenen privaten Häusermarkt spezialisiert sind.

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