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Immobilienkrise in Amerika : Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab

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Bild: FAZ.NET

Der Hausbauer KB Home kämpft mit hohen Verlusten, um den Hypothekenfinanzierer Countrywide Financial ranken sich Insolvenzgerüchte. Es scheint, als würde dem gebeutelten amerikanischen Häusermarkt ein weiteres hartes Jahr bevorstehen.

          Für diejenigen, die noch immer ein Quäntchen Optimismus gegenüber dem amerikanischen Häusermarkt hegten, dürfte so manche Schlagzeile vom 8. Januar ernüchternd gewesen sein. Jeffrey Mezger, President und Vorstandschef des Hausbauunternehmens KB Home, verkündete in einer Investorenkonferenz, dass er für 2008 „keine Anzeichen“ einer Stabilisierung des sich weiter abschwächenden Häusermarktes sehe. Zuvor hatte er für das Schlussquartal 2007 einen hohen Verlust von 9,99 Dollar je Aktie bekannt gegeben.

          Am selben Tag brach der Aktienkurs von Countrywide Financial drastisch ein, nachdem der größte amerikanische Hypothekenfinanzierer kursierende Gerüchte über eine bevorstehende Insolvenz dementiert hatte.

          Wie ein „Zugunglück in Zeitlupe“

          „Die Korrektur auf dem Häusermarkt gleicht weiterhin einem Zugunglück in Zeitlupe“, schrieb Deutsche-Bank-Volkswirt Peter Hooper kürzlich in einer Studie über den Ausblick für den amerikanischen Häusermarkt.

          Der von KB Home im letzten Quartal 2007 erzielte Verlust fiel deutlich höher aus als erwartet, wenngleich 6,85 Dollar des Verlustes je Aktie auf außerordentliche Abschreibungen zurückzuführen waren. Nach Angaben von Reuters Estimates hatten Analysten mit einem Verlust je Aktie von 1,34 Dollar gerechnet.

          Dies ist ein schlechtes Omen für die bevorstehenden Quartalsberichte anderer Hausbauunternehmen. „Dies deutet auf anhaltende Schwierigkeiten und erhebliche außerplanmäßige Abschreibungen der Branche hin“, schrieb Michael Rehaut, Analyst bei JPMorgan Chase.

          Countrywide in prekärer Lage

          Der unlängst von Gerüchten über eine drohende Insolvenz geplagte Hypothekenfinanzierer Countrywide Financial versorgt den Häusermarkt pro Jahr mit mehr als zwei Millionen Krediten und verwaltet mehr als neun Millionen Forderungen aus Hypothekendarlehen. Ein Sprecher wies die Insolvenzgerüchte als „haltlos“ zurück. Die Aktie des Unternehmens knickte am 8. Januar dennoch zeitweise um mehr als 25 Prozent ein.

          Gerüchte hin oder her, die Lage des Unternehmens ist weiterhin prekär. S&P-Aktienanalyst Stuart Plesser geht davon aus, dass die Darlehensfinanzierung von Countrywide Financial durch den jüngsten Rückgang bei der Refinanzierung von Hypothekenkrediten durch staatlich geförderte Hypothekenbanken unter Druck geraten könnte.

          Häuserpreise werden weiter sinken

          Unter den von Jeffrey Mezger als Ursachen für den Verlust von KB Home aufgezählten Faktoren befinden sich viele alte Bekannte: Überangebot an Eigenheimen, mit dem die Marktnachfrage zehn Monate lang gedeckt werden kann; Anstieg von Zwangsversteigerungen, die das Marktangebot an Eigenheimen weiter erhöhen; zunehmender Wettbewerbsdruck; sinkendes Verbrauchervertrauen; Turbulenzen auf den Hypotheken- und Kreditmärkten, die zu einer Verschärfung der Bedingungen für die Aufnahme von Hypotheken geführt haben.

          KB Home ist auf Häuser im moderaten Preisbereich spezialisiert, die insbesondere für Erstkäufer attraktiv sind. Die von 50 auf 58 Prozent gestiegene Stornierungsquote des Unternehmens könnte laut UBS-Analyst David Goldberg ein Indiz dafür sein, dass die Käufer dieser Eigenheime mittlerweile größere Probleme bei ihrer Kreditaufnahme haben.

          Für Deutsche-Bank-Analyst Hooper könnte die zukünftige Entwicklung der Häuserpreise davon abhängen, ob Eigenheimbesitzer mit geringerer Bonität und höheren Hypothekenraten nach Neuaushandlung der Darlehenskonditionen eine Zwangsvollstreckung abwenden können oder nicht.

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