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Immobiliengesellschaft : Boetzelen will vom Reit-Status profitieren

Geld verdienen mit Discountern: Aldi und Lidl zählen zu Boetzelens Kunden Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Aktien des Immobilienvermieters Boetzelen werden ab Mitte Juni im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt. Durch die Neuemission will das Unternehmen bis zu 172 Millionen Euro erlösen.

          3 Min.

          Deutsche Anleger können bis zum 13. Juni die Aktien des Immobilienunternehmens Boetzelen Real Estate zeichnen. Das Unternehmen bietet inklusive Mehrzuteilungsoption 28,75 Millionen Papiere zum Preis von 5,50 bis 7,50 Euro an. Auf dieser Basis käme das Unternehmen auf einen Börsenwert zwischen 220 und 260 Millionen Euro. Am 14. Juni sollen die Aktien erstmals im hochregulierten Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt werden.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Düsseldorfer Unternehmen verdient sein Geld in erster Linie mit Mieteinnahmen. Es kauft gerade fertiggestellte Immobilien in Deutschland und vermietet sie an Plus, Rewe, Lidl, Penny, Edeka, Aldi und andere Einzelhandelsketten. Derzeit befinden sich nach Unternehmensangaben 92 Objekte im Wert von 253 Millionen Euro im Portfolio.

          Für 2009 erste Dividendenzahlung erwartet

          „Meine Vision ist es, in Deutschland das führende Immobilienunternehmen mit dem Schwerpunkt Discounter, Supermärkte und Fachmärkte zu sein und ein Portfoliovolumen von einer Milliarde Euro zu erreichen“, sagte Vorstandsvorsitzender Dusan Rajcic bei der Vorstellung seines Unternehmens am Montag in Frankfurt. Wann genau er diese Marke erreichen wolle, dürfe er aufgrund der Regularien vor einem Börsengang nicht sagen.

          Bild: FAZ.NET

          Da derzeit aber jeden Monat Immobilien für rund 33 Millionen Euro gekauft würden und dieser Wert künftig eher noch höher würde, wäre diese Marke rechnerisch in ungefähr zwei Jahren erreicht. Im nächsten Jahr wolle das Unternehmen jedenfalls einen Immobilienbestand im Wert von 500 bis 600 Millionen Euro haben und damit auch Gewinne erwirtschaften, so dass die Aktionäre erstmals im Jahr 2009 für das Geschäftsjahr 2008 eine Dividende erwarten könnten.

          Wachstum durch Vor-Reit-Status

          Die Mieteinnahmen beliefen sich im ersten Quartal 2007 auf knapp eine Million Euro, im Jahresverlauf sollen aber insgesamt 14 Millionen Euro zusammenkommen. „Wir haben in jüngster Zeit zahlreiche Käufe getätigt, deren Fertigstellung aber gerade erst erfolgte oder kurz bevorsteht, so dass noch kaum Mieten gezahlt werden mussten“, sagt Rajcic. Alleine in den Monaten April und Mai kamen 25 Immobilien im Wert von 66 Millionen Euro dazu.

          Die erwartete weitere Beschleunigung des Wachstums begründete Rajcic, dem das Unternehmen bislang alleine gehört, mit der Einführung von Reits in Deutschland. Das Gesetz zu diesen steuerbegünstigten Immobilienaktien ist am vergangenen Freitag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und damit nun in Kraft. Boetzelen Real Estate habe bereits den Vor-Reit-Status beantragt und rechne in Kürze mit der Zulassung.

          Kauf von Bestandsimmobilien geplant

          Als Vor-Reit erfüllt das Unternehmen noch nicht alle Voraussetzungen für einen Reit, wichtig sei zunächst jedoch der Status als Vor-Reit. Immobilienverkäufer an Boetzelen haben dadurch den Vorteil, die Differenz aus Verkaufspreis und Buchwert der Immobilie nur teilweise versteuern zu müssen. „Viele Einzelhändler haben lange auf Reits gewartet und wollen ihre Immobilien dort einbringen und so Eigenkapital freisetzen“, sagte Rajcic weiter. „Wir werden daher künftig nicht mehr wie bisher immer nur einzelne Immobilien kaufen, sondern auch ganze Portfolios.“ Dieses beschleunigte Wachstum soll durch den Gang an den Aktienmarkt finanziert werden. Dem Unternehmen fließen durch die Kapitalerhöhung bis zu 150 Millionen Euro zu.

          Boetzelen Real Estate wird daher auch sein Geschäftsmodell nach dem Börsengang erweitern. Bisher hat die Gesellschaft mit 18 Beschäftigten ihr attraktiv erscheinende Neubauten von Einzelhandelsketten außerhalb der Innenstädte gekauft und dann für durchschnittlich 10 Euro je Quadratmeter vermietet. Nun wird auch der Kauf von Bestandsimmobilien dazukommen. „Durch die Steuervorteile des Reit-Status lässt sich hiermit eine höhere Rendite erzielen“, sagte Rajcic. Bislang hat das Unternehmen durchschnittlich 6,4 Prozent Rendite auf seine Investitionen erwirtschaftet, nun sollen es mehr als 8 Prozent werden. Auch die Revitalisierung von Immobilien - wie es in der Fachsprache heißt - werde nun vorangetrieben.

          Rajcic will sich von Aktien trennen

          Im Januar 2008 will sich das Unternehmen vollständig in einen Reit umwandeln. Es zahlt dann auf seine Gewinne keine Körperschaftsteuer und keine Gewerbesteuern mehr. Dafür müssen mehr als 90 Prozent der Gewinne an die Anleger ausgeschüttet werden. Dort werden sie dann besteuert. Ebenfalls im Jahr 2008 könnte das Unternehmen von seinem Sonderkündigungsrecht bei drei Anleihen zumindest teilweise Gebrauch machen, da man sich nach dem Börsengang günstiger finanzieren könne.

          Falls die Mehrzuteilungsoption ausgeübt wird, verkauft Vorstandsvorsitzender Rajcic bis zu 3,75 Millionen Aktien und erlöst auf diese Weise bis zu 22,5 Millionen Euro. Mit einem Anteil zwischen 28 und 34 Prozent bleibt er allerdings größter Einzelaktionär des Unternehmens.

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