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Anlagetipp : Die besten Immobilienaktien

  • -Aktualisiert am

Anlageobjekt Hochhaus: Skyper in Frankfurt Bild: Niklas Grapatin

Immobilienaktien haben zuletzt rasante Kurssprünge hingelegt. Inzwischen steigen ihre Kurse doppelt so schnell wie der Dax. Der Einstieg lohnt sich sogar jetzt noch.

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          Von wegen unbeweglich. Wem es tatsächlich träge oder starr vorkommt, wenn ein Anlagegut innerhalb eines Jahres um 60 Prozent an Wert zulegt, der kann jetzt beruhigt weiterblättern. Wer sich allerdings fragt, wie solche Steigerungen möglich sind, noch dazu wenn es um unbewegliche Güter geht, der sollte sich den Markt der Immobilienaktien einmal genauer anschauen. Denn immobil mögen zwar Wohn- und Geschäftshäuser sein, nicht aber die Kurse derjenigen, die sie bewirtschaften. Deren Papiere legten zuletzt rasant zu. Auf Jahressicht sogar doppelt so stark wie der ohnehin gut laufende Deutsche Aktienindex, nämlich um genau jene 60 Prozent, während der Dax „nur“ 30 Prozent schaffte.

          Die Wucht, mit der sich zuletzt vor allem Wohnimmobiliengesellschaften an den Börsen zurückmeldeten, hat manchen Sparer staunen lassen. Ein großes Wunder war das aber aus Analystensicht nicht: Immer stärker befeuern schließlich die Zentralbanken mit Nullzinsen die Immobilienmärkte. Nach dem Finanzcrash 2008 rauschten Zinsen und Wertpapierkurse in den Keller, und seitdem suchen Anleger den letzten Halt im Betongold. Anleihen und Zinsprodukte sind dagegen so unattraktiv wie nie, Kredite so billig zu haben wie selten.

          Das spielt nun den Immobiliengesellschaften in die Hände: Sie können sich für auslaufende Kredite billiger neue besorgen und sich so günstiger refinanzieren. Zudem decken sie sich billig mit neuem Geld ein, um Wohnungen zu kaufen, alte zu renovieren und somit die Bestände aufzuwerten. Andererseits steigert die Knappheit auf den Immobilienmärkten den Wert bestehender Wohn- und Büroanlagen und lässt die Mieten steigen. Das beschert den Gesellschaften höhere Erträge.

          Genau deswegen waren ihre Papiere zuletzt so beliebt: Mit Immobilienaktien verbinden Anleger Stabilität, obgleich sie natürlich mit den Börsen erheblich schwanken. Hiesige Gesellschaften bergen zudem kein Währungsrisiko, und sie sind recht konjunkturunabhängig (vor allem solche mit Wohnimmobilien, diejenigen mit Gewerbeimmobilien etwas weniger). Regelmäßige Erträge werfen sie auch noch ab, vor allem wegen der laufenden Mieteinnahmen. So kommen Aktionäre mit Wohnimmobilien auf rund drei bis vier Prozent Dividendenrendite, mit Gewerbeimmobilien auf rund fünf Prozent pro Jahr. Die Kurssprünge kommen da noch on top, wenn man sie durch den geschickten Kauf- und Verkaufszeitpunkt tatsächlich einstreicht.

          Die Unternehmen rücken noch weiter zusammen

          Viele Firmenübernahmen beflügelten zusätzlich die Phantasie der Anleger: Erst im März dieses Jahres wurde das größte börsennotierte deutsche Wohnungsunternehmen noch größer, die Deutsche Annington schloss die Übernahme der Gagfah ab. Sie ist damit nun rund 11 Milliarden Euro schwer und gilt als Aufstiegskandidat für den Dax im Herbst. Ende März kündigte zudem die Nummer zwei am Markt an, die Deutsche Wohnen, die Kontrollmehrheit von Conwert anzustreben. Erst vor einem Jahr hatte sich Deutsche Wohnen bereits die kleinere GSW einverleibt.

          Mittlerweile ist die Deutsche Annington mit Sitz in Bochum an der Börse elf Milliarden Euro schwer und damit das größte börsennotierte deutsche Immobilienunternehmen mit 185000 Wohnungen. Im Herbst könnte sie außerdem in den Dax aufsteigen.
Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 17, das ist durchaus im Schnitt. Ihr Börsenwert liegt 34 Prozent über dem Wert ihres gesamten Immobilienbestands. Das ist nicht zu viel nach Einschätzung der Branche. Deshalb halten die meisten Analysten die Aktie für einen guten Kauf, obwohl sie auf Jahressicht bereits 53 Prozent zugelegt hat. Das Kursziel könnte nach optimistischen Schätzungen zwischen 35 und 40 liegen. Die Dividendenrendite beträgt 2014 knapp drei Prozent, für 2016 werden 3,37 Prozent erwartet. Bei Langfristanlegern kann sie sich also sehen lassen Bilderstrecke

          Mit den Fusionen erhoffen die Konzerne, ihre Bestände bündeln und dadurch besser bewirtschaften zu können. Denn gerade im Wohnsektor ist es mittlerweile schwer, noch neue Wohnungspakete zu kaufen und aus eigener Kraft zu wachsen. Bei Gewerbeimmobilien ist das erheblich leichter, hier wird mehr gebaut. Der Markt der Unbeweglichen ist also schwer in Bewegung. Doch wird er es auch bleiben?

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