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Wohnungsaktien : Attraktives Betongold?

  • -Aktualisiert am

Schöner Wohnen mit Vonovia (früher: Deutsche Annington) Bild: Fabian Fiechter

Die Preise für Immobilien sind kräftig angestiegen, der Immobilienmarkt boomt. Was macht das mit den börsennotierten Wohnungsunternehmen?

          Wer auf der Suche nach einem neuen Eigenheim oder einer Eigentumswohnung in einigermaßen attraktiver Lage ist, kann aus Erfahrung berichten. Die Preise haben kräftig angezogen. Der Immobilienmarkt boomt. Ziegelstein und Mörtel scheinen indes nicht nur gefragt zu sein, wenn es um die eigene Nutzung oder die Investition in ein Vermietungsobjekt geht.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Auch Immobilienaktien sind seit geraumer Zeit als Anlagealternative begehrt, wie ein Blick auf die Kursentwicklung wichtiger börsennotierter Wohnungsunternehmen zeigt: von der Vonovia SE über die Deutsche Wohnen bis hin zur LEG. Der Vorteil solcher Papiere: Bei vergleichsweise breiterer Risikostreuung lassen sich auch kleinere Beträge investieren als beim Kauf teurer physischer Gebilde.

          Zeit zum Durchatmen

          Wie die Nord LB in einer aktuellen Studie schreibt, spiegeln die Kurssteigerungen der Immobilienaktien ein günstiges Immobilienumfeld und den Anlagenotstand der Investoren wider. Die Werte profitierten von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken und böten vergleichsweise attraktive Dividendenrenditen. Die Wertpapierfachleute verweisen auf die weiterhin günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Branchenunternehmen ebenso wie auf die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum vor allem in den großen Metropolregionen. Diese dürfte für weiter steigende Preise und Mieten bei niedrigeren Leerständen sorgen. Allerdings wird auch an die potentielle Gefahr einer Blasenbildung am Immobilienmarkt erinnert.

          Auch nach Auffassung des Brüsseler Finanzinstituts Bank Degroof Petercam können Immobilienaktien im Zuge des immer weiter wegbrechenden Renditepotentials an den Finanzmärkten – bei gleichzeitig steigenden Risiken – eine lukrative Alternative sein. Die Defensivqualitäten von Immobilien ließen sich mit der Renditestärke des Aktienmarktes kombinieren, heißt es dort. Speziell die deutsche Immobilienbranche bleibe ein Lichtblick, hatte kürzlich ein Wertpapierfachmann der Großbank HSBC geschrieben.

          Betrachtet man allein die drei börsennotierten Gesellschaften Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG, so fallen seit geraumer Zeit kräftige Kursgewinne auf. Im Jahresvergleich hat die Deutsche Wohnen, die sich im Februar erfolgreich gegen eine Übernahme durch den Branchenführer Vonovia wehren konnte, das deutlichste Plus erreicht, nämlich fast 50 Prozent. Auch innerhalb der letzten sechs Monate ist die aktuell mit rund 34 Euro bewertete Aktie mit einem Kursgewinn von mehr als 38 Prozent überdurchschnittlich gut gelaufen. Als der Analyst von Warburg Research vor wenigen Tagen seine Empfehlung von Kaufen auf Halten zurückgestuft hat, war er zwar nicht schlecht für die weitere Entwicklung des Unternehmens gestimmt. Er meinte aber, es sei Zeit zum Durchatmen.

          Ergebnisprognosen zum zweiten Mal angehoben

          Bei der ebenfalls im Mittelwerteindex M-Dax notierten Wohnungsgesellschaft LEG, deren Aktienpreisniveau mit rund 90 Euro deutlich höher liegt als bei den beiden Mitbewerbern, fällt der Jahresvergleich ebenfalls stattlich aus: Die Notierung liegt derzeit um mehr als 35 Prozent über dem Kursen Anfang August 2015. Bezogen aufs Halbjahr, hat er fast 20 Prozent gewonnen. Die im Dax notierte Vonovia hat mit mehr als 35 Euro derzeit ein Kursniveau erreicht, das um gut ein Viertel über den Werten von vor einem Jahr und von vor sechs Monaten liegt. Dass sich alle drei Unternehmen damit besser geschlagen haben als der gesamte Aktienmarkt, versteht sich.

          Die beiden M-Dax-Werte werden ihre Quartalsberichte in der kommenden Woche vorlegen. Analysten gehen davon aus, dass die Wohnungsunternehmen ihre bisher gute Entwicklung im Halbjahr fortgesetzt haben. Auch wird es für möglich gehalten, dass die Vorstände optimistischere Ziele für das Gesamtjahr nennen. Der Marktführer Vonovia hatte in dieser Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen zum zweiten Mal hintereinander seine Ergebnisprognosen für das Geschäftsjahr 2016 angehoben. Die Effizienzsteigerungen und Synergien aus den jüngeren Zukäufen hätten sich stärker entfaltet als ursprünglich angenommen, hieß es zur Begründung. Zudem lassen moderate Mieterhöhungen und niedrigere Leerstände höhere Einnahmen erwarten.

          Einige Marktbeobachter meinen, die positiven operativen Trends seien inzwischen in die Kurse eingepreist. In den jeweiligen Schätzungen der verschiedenen Banken fällt auf, dass vielfach Zielkurse genannt werden, die unter oder allenfalls leicht über den inzwischen erreichten Niveaus liegen. Am deutlichsten wird dies bei der LEG. Was die momentanen Kaufempfehlungen angeht, so halten sie sich am ehesten bei Vonovia die Waage mit den vorsichtigeren Einschätzungen. Wie bemerkte noch der Analyst: Zeit zum Durchatmen. Zumindest aber Zeit zum ganz genauen Beobachten.

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