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Immobilien : IVG-Aktie läuft gestärkt auf Nettoinventarwert zu

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie der IVG Immobilien AG. Das historische Hoch stammt aus dem Jahr 1999 und liegt bei 19,33 Euro. Bild:

Die IVG-Aktie hat vor und nach dem Jahreswechsel stark von der Phantasie um die baldige Einführung börsennotierter Immobilien-Aktiengesellschaften in Deutschland profitiert. Nach einem Hänger hat sie nun ein Mehrjahreshoch markiert.

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          Der MDax straft alle Unkenrufer, die seit Monaten das Ende der Nebenwerte vorhersagen, Lügen. Mit dem Kleinwerte-Segment SDax streitet er sich um den ersten Platz bei der Jahres-Performance. Und nach einer im April erlittenen Kursdelle strahlt der Mittelwerte-Index auf Allzeithochniveau: Zur Wochenmitte hat die vom April datierende bisherige Bestmarke herausgenommen.

          Nicht ganz so stark wirkt die Aktie der IVG Immobilien. Von ihrem im Jahr 1999 erreichten Rekordwert von 19,33 Euro liegt sie noch fast 30 Prozent entfernt. Aber: Der Titel ist in den vergangenen zwölf Monaten unter dem Strich besser gelaufen als der MDax, in dem er notiert; das gilt besonders für die Wochen seit Anfang April. Ein Plus von gut 19 Prozent steht seitdem zu Buche.

          Im Zuge des jüngsten Aufstiegs ist die Notiz über das bisherige Jahreshoch bei 14,53 Euro gelaufen und ein neues Vierjahreshoch erreicht. Zum Wochenschluß pendelt die Aktie zwischen dem Vortageshoch bei 14,88 Euro und leicht darunter liegenden Kursen. Sie kämpft mithin mit dem Widerstand bei 14,80 Euro, der aus einem Zwischenhoch vom September 2000 resultiert.

          Analysten sehen Aktie mehrheitlich als Halte-Position an...

          Wenn er diese Hürde nachhaltig nehmen könnte, verbesserte er seine Chancen, seinen Nettoinventarwert zu erreichen: Dies wäre wiederum ein Meilenstein. Denn bisher ist es keiner deutschen Immobilien-AG gelungen, ihren sogenannten Net Asset Value zu erreichen. Dieser wird von IVG mit 15,20 Euro angegeben, ist also nur 2,7 Prozent von derzeitigen Kurs entfernt.

          In den vergangenen Wochen hat die in Bonn ansässige Gesellschaft einiges für den Kursanstieg getan. Der Gewinn vor Steuern fiel mit 2,7 Millionen Euro um 17,3 Prozent höher aus als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit hat IVG zwar die Erwartungen nicht vollständig erfüllt. Analysten äußerten sich aber angesichts der jüngsten Quartalszahlen unaufgeregt. So verwies HSBC Trinkaus &Burkhardt auf die traditionelle Schwäche der ersten drei Monate eines Jahres und erwartet deutlich bessere Zahlen für das laufende Quartal.

          Dazu paßt, daß der IVG-Vorstand im Mai den zuvor gegebenen Ausblick bestätigt hat. Er erwartet einen höheren Gewinn als im vergangenen Jahr, das der Konzern mit einem Reingewinn von 74,9 Millionen Euro nach 54,1 Millionen Euro im Vorjahr abgeschlossen hatte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war um 55 Prozent auf 202,6 Millionen Euro gestiegen. Daraufhin stuften die Analysten der - an IVG beteiligten HSH Nordbank - von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch; ein Votum, das auch Kepler Equities abgegeben hat, während die Mehrzahl der Experten, darunter Goldman Sachs, Merrill Lynch und Kempen, in dem Titel eine Halteposition sieht.

          ...aber es gibt ein technisches Kaufsignal

          Gleiches gilt seit neuestem auch für die Privatbank Sal. Oppenheim, die IVG zuvor als Kauf angesehen hatte. Den fairen Wert der Aktie geben die Analysten nun mit 14,50 Euro an. Als Begründung für die Herabstufung nennen die Analysten das begrenzte Kurspotential bis zum fairen Wert. Dieser spiegelt den für deutsche Immobilienaktien üblichen Bewertungsabschlag vom Nettoinventarwert wider, der aussagekräftiger ist als das ambitioniert wirkende Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25,6 für dieses Jahr.

          Aus charttechischer Sicht hat der Titel aber ein Kaufsignal gesendet, indem er sein neues Vierjahreshoch markiert hat. Um das Bild nicht wieder einzutrüben, muß sich die Notiz über dem Widerstand bei gut 14,50 Euro halten. IVG hat, wie die Deutsche Euroshop, Deutsche Wohnen oder Vivacon, im übrigen die in den vergangenen Wochen wieder verstärkte Phantasie, daß börsennotierte Immobillien-Aktiengesellschaften nach amerikanischem oder holländischem Muster, sogenannte Real Estate Investment Trusts (Reits), im nächsten Jahr in Deutschland zugelassen werden könnten. Denn Reits sind steuerlich besonders begünstigt, und ihre Aktie werden deshalb mit einem Aufschlag auf den Nettoinventarwert gehandelt.

          Wenn die Reits eingeführt werden, dürften deutsche Immobilienaktien einen Kursschub erleben. Umgekehrt könnte ein Rückschlag drohen, falls es anders als erwartet kommen sollte. Dies sollten Anleger, die mit einem Einstieg liegbäugeln, bedenken. Wer IVG im Portfolio hat, kann den Titel bis auf weiteres dort belassen und sich über die frische Kursdynamik freuen.

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