https://www.faz.net/-gv6-qzch

Immobilien : Immobilienboom treibt hoch bewertete Citycon-Aktie

  • Aktualisiert am

Einkaufszentrum der Citycon im finnischen Tikkuri Bild: Citycon Oy

Ausländische Investoren sorgen nicht nur in Deutschland für einen Immobilienboom. Auch in Finnland hat sich das Interesse an Gewerbeimmobilien deutlich erhöht. Davon profitiert die Aktie der Citycon. Indes ist ihre Bewertung schon recht hoch.

          Immobilienaktien gehörten in Europa in den vergangenen Monaten zu den Werten mit der besten Kursentwicklung. Nicht allein in Deutschland trieb die Erwartung steigender Immobilienpreise auf Grund des verstärkten Interesses vor allem ausländischer Investoren die Kurse nach oben.

          Auch am finnischen Markt legte diese Aktiengruppe in den vergangenen Monaten eine recht anständige Wertentwicklung an den Tag - und nicht nur erst seit dann. Die Aktie von Citycon, einem Unternehmen, das ausschließlich in Einzelhandelsimmobilien in Finnland, Schweden und dem Baltikum investiert, befindet sich seit nun fast vier Jahren im Aufwärtstrend. Notierte das Papier im Frühjahr 2003 noch bei einem Euro, so erreichte es am Freitag bei 5,35 Euro ein neues Allzeithoch.

          Ausländische Investoren treiben Immobilienwerte

          Das Unternehmen hatte bis 2005 Umsätze und Gewinne im Trend stetig leicht steigern können, bevor es dann gleichsam zu einer Gewinnexplosion kam, als sich der operative Gewinn auf 105 Millionen Euro verdoppelte und der Gewinn je Aktie von 19 auf 49 Cent stieg.

          Grund waren hohe Nettowertzuschreibungen auf das Immobilienvermögen, vor allem weil die Abschreibungen im Vorjahr gering ausfielen. Dies war bedingt durch das stark gestiegene Interesse ausländsicher Investoren an finnischen Einzelhandelsimmobilien.

          Die gute Entwicklung hielt im Jahr 2006 an. Der Umsatz des Unternehmens kletterte im Berichtszeitraum um 30 Prozent auf 86,4 Millionen Euro nach einem Zuwachs von nur fünf Prozent in der Vorjahresperiode. Der Betriebsgewinn legte um 160 Prozent auf 154 Millionen Euro zu im Vergleich zu einem Plus von 37,7 Prozent in der Vorjahresperiode.

          Von Supermärkten zu Einkaufszentren

          Träger der guten Umsatzentwicklung waren vor allem stark gestiegene Mieteinnahmen durch neue Mietobjekte. Auch der Wert des Immobilienportfolios erhöhte sich deutlich von 956,6 Millionen Euro auf 1,404 Milliarden, während der Triple Net Asset Value (NNNAV), also der Marktwert der Immobilien und der übrigen Vermögensgegenstände abzüglich des Marktwerts des Fremdkapitals und der latenten Steuern, um 89 Prozent auf 523,9 Millionen Euro stieg.

          Im Berichtszeitraum änderte sich die Fokussierung des Unternehmens stark. War man 2005 noch stark in Supermärkten und Geschäften engagiert, so wurden in der Berichtsperiode nicht weniger als 60 Prozent dieser Immobilien abgestoßen. Gleichzeitig wurde das Engagement in Einkaufszentren praktisch verdoppelt.

          Für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr rechnen Analysten mit knapp einer Verdopplung des Gewinns je Aktie auf 0,66 Euro. Damit wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas über acht recht günstig bewertet. Geht man indes nach dem Nettoinventarwert, so ist die Aktie mit einem Kurs-NNNAV-Verhältnis von 1,7 bereits etwas teuer.

          Aktie recht hoch bewertet

          Das liegt unter anderem daran, dass sich die Expansionsstrategie des Unternehmens auch deutlich auf der Finanzierungsseite niederschlägt. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2006 stieg die Zahl der Aktien um 22 Prozent. Vor kurzem hat das Unternehmen eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die dem Vorstand eine weitere Erhöhung des Kapitals um 15 Prozent in den kommenden fünf Jahren genehmigen soll.

          Das hat am Montag zunächst einmal zu einem Rückgang des Kurses auf 5,17 Euro geführt. Auch rechnen Analysten im kommenden Jahr mit niedrigeren Gewinnen, da weitere groß angelegte Verkäufe nicht zu erwarten sind. Insofern dürfte auch das KGV auf etwa 18 steigen.

          Insofern ist die Aktie bereits recht teuer geworden. Was daher vor allem für das Papier spricht, ist der Boom bei finnischen Gewerbeimmobilien und die daraus resultierende starke charttechnische Entwicklung. Sollte sich der Kurs wieder von dem leichten Rückschlag des Montags erholen, so dürfte der Kursanstieg trotz der hohen Bewertung erst einmal weitergehen, da der Immobilienboom in Finnland weiter anhält. Absicherungsstrategien sind aber dringend anzuraten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.