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Immobilien : Der amerikanische Häusermarkt ist sehr schwach

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Die kritische Entwicklung in Japan hat in den vergangenen Tagen zu starken Turbulenzen an den Börsen geführt. Gleichzeitig jedoch bleiben sowohl Entwicklung am amerikanischen Immobilienmarkt als auch die Stimmung unter Konsumenten schwach.

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          Erdbeben, Tsunami und schwelender Atomgau in Japan und ihre Folgen haben in den vergangenen Tagen die allgemeine Euphorie an den Finanzmärkten gedämpft und an den Börsen zu zum Teil deutlichen Kursverlusten geführt. Viele machen dafür die kurzfristige Verunsicherung der Anleger verantwortlich, bleiben jedoch gleichzeitig grundsätzlich optimistisch.

          Die Bedeutung Japans für die Entwicklung der Weltwirtschaft habe in den vergangenen Jahren abgenommen. Aus diesem Grund sei es bei aller Tragik unwahrscheinlich, dass die Folgen der Produktionsausfälle in Japan die Erholung der Weltwirtschaft und die Dynamik der deutschen Wirtschaft bremsten, heißt es gemeinhin.

          Kritische Entwicklung in Japan ...

          Die in den vergangenen Jahren etablierten Trends würden kaum gestört werden. Aus diesen Gründen würden Anleger auch weiterhin zum Kauf von Aktien und Rohstoffanlagen tendieren. In diesem Sinne stellten Kursrückschläge an den Börsen und Preiskorrekturen im Energie- und Rohstoffbereich günstige Einstiegsmöglichkeiten dar

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          Allerdings unterschätzen optimistische Argumentationsketten dieser Art möglicherweise die Dimension der Schäden, mit welchen Japan konfrontiert werden wird und überschätzen die Robustheit der wirtschaftlichen Entwicklung in anderen Teilen der Welt. Schließlich versuchen Staaten wie Indien und China schon seit Monaten, die nach unheimlich starken geld- und fiskalpolitischen Impulsen überhitzten und zum Teil einseitig wachsenden Volkswirtschaften abzukühlen und inflationäre Entwicklungen zu bremsen.

          Gleichzeitig können die aus den Vereinigten Staaten einlaufenden Konjunkturdaten kaum überzeugen. Der Arbeitsmarkt erholt sich trotz rasant steigender Verschuldung und massiven Transferzahlungen kaum. Dagegen bleibt der Immobilienmarkt im Lande des unbegrenzten Möglichkeiten unglaublich schwach. Die Anzahl neuer Einfamilienhäuser, die im Februar begonnen und genehmigt wurden, befindet sich praktisch auf dem tiefsten Niveau seit mindestens 50 Jahren. Nach einer kurzen Zwischenerholung in den vergangenen Monaten auf sehr tiefem Niveau zeigt die Entwicklung wieder nach unten.

          ... und anhaltende Schwäche am amerikanischen Immobilienmarkt

          Ähnliches ist auch bei Preisentwicklung zu beobachten. Die Hauspreisindizes von S&P-Case-Shiller deuteten zum Ende des vergangenen Jahres einen so genannten „Double-Dip“ bei der Preisentwicklung am amerikanischen Häusermarkt an. Aktuellere Daten von CoreLogic zeigen, dass der Preisverfall weitergeht. Im Januar ist der von dem Unternehmen berechnete Hauspreisindex im Vergleich mit dem Vorjahr um 5,7 Prozent gefallen. Das dürfte zusammen mit zahlreichen Sondereffekten dazu beigetragen haben, dass die Anzahl der weiterverkauften Häuser in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten zwar auf niedrigem Niveau deutlich zugenommen hat.

          Entscheidend für das volkswirtschaftliche Wachstum ist nicht die Zahl der Transaktionen, die mit bereits vorhandener Bausubstanz getätigt wird. Sie steigert allenfalls die Aktivität im Renovierungsgewerbe. Sondern entscheidend ist, ob und wie viele Häuser neu gebaut werden. Nur die Entwicklung in diesem Bereich zeigt, wie stark das Vertrauen der Wirtschaftsteilnehmer in die wirtschaftliche Entwicklung ist und wie gut die Finanzierungsbedingungen sind. Schwache Daten diesbezüglich bestätigen lediglich Stimmungsbarometer wie das University of Michigan Survey of Consumer Confidence Sentiment, die nach einer leichten Erholung auf tiefem Niveau längst wieder zurückfallen.

          Die Entwicklung am amerikanischen Häuser- und Arbeitsmarkt korreliert stark. So lange nicht mehr Häuser gebaut werden, dürfte der Arbeitsmarkt schwach bleiben. Gleichzeitig jedoch steigen die Erzeugerpreise stark, da Energie- und Rohstoffpreise von der extrem lockeren Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank getrieben werden. Kritische Anleger dürften auf dieser Basis dazu tendieren, notorisch optimistische Lagebeurteilungen mit der notwendigen Skepsis zu betrachten und ihre Positionen entsprechend anzupassen.

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