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Im Milliarden-Club : Die Einhörner aus dem Silicon Valley

  • -Aktualisiert am

Vorsprung durch Technologie? Investitionen in junge Unternehmen können sich lohnen – falls diese kalifornischen Einhörner überleben. Bild: Marcus Kaufhold

Junge Unternehmen aus der Technologiebranche wie Uber werden mit Milliardensummen bewertet. Warnungen vor einer Korrektur der Preise nehmen zu.

          3 Min.

          Im kalifornischen Technologiezentrum Silicon Valley macht ein Modewort die Runde: Unicorn, auf gut deutsch Einhorn. Als solch mythische Fabelwesen bezeichnen die Finanziers an der Sand Hill Road von Menlo Park junge Technologieunternehmen, die mindestens mit 1 Milliarde Dollar bewertet sind – oft ohne entsprechende Umsätze oder Gewinne. Bei einer Milliarde bleibt es zudem in vielen Fällen nicht. Der Fahrdienst Uber dürfte nach der aktuellen Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von mehr als 50 Milliarden Dollar kommen. Der Wohnungsvermittler Airbnb ist 20 Milliarden Dollar wert. Auch die Kurse schon börsennotierter Technologieunternehmen befinden sich auf Höhenflug. Der Index der technologielastigen Aktienbörse Nasdaq befindet sich auf Rekordniveau. Börsendebütanten aus der Internetbranche stoßen auf hohe Nachfrage. Aber am blauen Himmel über Nordkalifornien ziehen dunkle Wolken auf.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es mehren sich die Stimmen von Fachleuten, die die hohen Bewertungen zumindest infrage stellen und mit einer Korrektur rechnen. „Ich glaube, es wird in diesem Jahr einige tote Einhörner geben“, sagte Bill Gurley von der kalifornischen Risikokapitalgesellschaft Benchmark Capital vor ein paar Monaten auf einer Branchenkonferenz in Texas. Ein paar Wochen später benutzte Michael Moritz, Partner vom Konkurrenten Sequoia, in einem Zeitungsinterview die gleiche Methapher. „Eine beträchtliche Zahl von Einhörnern wird aussterben“, sagte Moritz. Allerdings werde es auch viele geben, die „aufblühen“ werden. Auch George Roberts, einer der Gründer der Beteiligungsgesellschaft KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts) und Nachbar von Sequoia in Menlo Park, hat die hohen Bewertungen infrage gestellt. „Ich würde nicht sagen, dass es sich um eine spekulative Blase handelt, aber es wird irgendwann eine Preisanpassung geben“, sagte George Roberts vor deutschen Journalisten.

          Andere Lage als Ende der neunziger Jahre

          Der 71 Jahre alte Finanzfachmann, der seine Karriere Ende der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts bei der Investmentbank Bear Stearns begonnen hatte, bewertet die allgemeine Lage aber als anders als Ende der neunziger Jahre, als jungen Tech-Unternehmen Geld nachgeworfen wurde, nur weil sie eine Internetseite hatten. Der Nasdaq-Index war im Frühjahr 2000 auf ein Rekordhoch gestiegen und danach heftig abgestürzt. Viele unprofitable Internetfirmen gingen pleite. Die neue Generation von Technologiefirmen hat nach Einschätzung von Roberts aber tragfähigere Geschäftsmodelle. „Ich glaube nicht, dass Uber oder Facebook verschwinden werden“, sagt Roberts. Für Investoren stelle sich allerdings die Frage, ob man auf diesem Niveau noch Geld verdienen kann. „Die ganze Welt sucht nach Renditen, weil die Zinsen so niedrig sind. Deswegen sind die Bewertungen von Unternehmen so hoch.“ Roberts räumt aber ein, dass KKR mit der vorsichtigen Haltung „einige gute Gelegenheiten“ verpasst hat. KKR entschied sich in einem frühen Stadium gegen ein Investment in das soziale Netzwerk Facebook oder den Online-Händler Amazon – weil die Beteiligungsgesellschaft das Geschäftsmodell in Frage gestellt hatte. Bei Uber und Airbnb hielten sich KKR zurück, weil die Bewertungen zu hoch erschienen. KKR will bei solchen Wetten den Einsatz aber mindestens verdoppeln.

          Sowohl die Erfahrung geplatzter Spekulationsblasen als auch die der verpassten Chancen lehrt allerdings, wie schwierig konkrete Prognosen sind. „Wer weiß schon, ob die Bewertung von Uber richtig oder falsch ist“, gibt Roberts zu bedenken.

          Hoffnung auf weiteres Wachstum

          Ähnlich argumentiert auch Reid Hoffman, Mitgründer des börsennotierten sozialen Karriere-Netzwerks Linkedin und Partner bei der Risikokapitalgesellschaft Greylock. „Ich glaube, die Risikoprämien sind oft falsch bewertet“, sagt Hoffman – was allerdings nicht bedeute, dass das generell der Fall sei. „Es wird in der aktuellen Gruppe Unternehmen geben, deren Wert mehr als 100 Milliarden Dollar betragen wird“, zeigt sich Hoffman, der an Airbnb beteiligt ist, sicher. Die Geschäftszahlen von Uber kenne er nicht, weil er an der Firma nicht beteiligt sei. „Aber Uber könnte durchaus ein 100-Milliarden-Dollar-Unternehmen werden“, behauptet Hoffman. Im aktuellen „Zeitalter der Netzwerke“ gebe es beispiellose Wachstumschancen für Unternehmen. Investoren spekulierten darauf, welche Unternehmen unverhältnismäßig stark von diesem Trend profitieren könnten. Das führt dazu, dass alle Bewertungen steigen. „Nicht alle Unternehmen werden davon profitieren, aber es ist auch nicht völlig irrational“, sagte Hoffman.

          Trotz aller Warnungen ist im Silicon Valley die Hoffnung auf weiteres Wachstum durch die neuen Technologie nicht verschwunden. „Der Trend zu mobilen Geräten steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Shantanu Narayen, der Vorstandsvorsitzende des Technologiekonzerns Adobe. Das Gleiche gelte für die Analyse von Datenmassen; „Big Data“, wie das in der Technologiebranche heißt. Starke Umwälzungen in der Gesundheits- oder der Finanzbranche stünden bevor. Das Zeitalter der Einhörner dauert vielleicht doch noch eine Weile an.

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