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Im Interview: Gary Shilling : „Ich würde gegenwärtig keine Aktien kaufen“

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Zinsphantasie treibt die Börsen nach oben. Anlageexperte Gary Shilling ist jedoch vorsichtig. Er rechnet aufgrund der Immobilienkrise mit einer Rezession in Amerika und fallenden Aktienkursen, dagegen setzt er auf Treasuries.

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          Abgesehen von kurzfristigen Rückschlägen entwickeln sich die internationalen Börsen seit Tagen vergleichsweise robust. Die Kursgewinne mögen verursacht werden durch das so genannte „Window Dressing“, in dessen Rahmen die großen Fonds durch gezielte Käufe zum Jahresende hin ihre Performance gut aussehen lassen wollen.

          Optimistische Anleger tendieren jedoch grundsätzlich auch dazu, an hereinkommenden Unternehmens- und Konjunkturdaten das Positive zu sehen. Ist das nicht möglich, so bauen sie gerne auf die Hilfe der Notenbanken, die die Zinsen im Falle eines Falles so tief schrauben würden, dass die Konjunktur schon wieder anspringen werde.

          Genau davon geht auch Gary Shilling aus. Der bekannte amerikanische Anlage- und Wirtschaftsberater (siehe auch: A. Gary Shilling & Co. ) rechnet jedoch zunächst mit einer Rezession in den Vereinigten Staaten mit leicht deflationären Folgen. Aus diesem Grund würde er auflaufende Kursgewinne an den Börsen eher zu Verkäufen als zu Käufen nutzen. Das gilt vor allem für jene Bereiche, die mit dem amerikanischen Hausbau- und Finanzbereich zu tun haben. Dagegen setzt er voll auf Kursgewinne und fallende Renditen bei länger laufenden Staatsanleihen.

          Die Börsianer geben sich gegenwärtig optimistisch. Würden auch Sie im gegenwärtigen Umfeld Aktien kaufen?

          Nein, auf keinen Fall. Im Gegenteil, ich halte mögliche Kursgewinne für gute Gelegenheiten um zu verkaufen.

          Wirklich? Aus welchen Gründen?

          Zunächst befindet sich die amerikanische Wirtschaft nach meiner Einschätzung in oder nahe an einer Rezession, die in erster Linie auf den „Subprime-Mist“, also auf das Desaster mit Hypotheken minderer Qualität, zurückzuführen ist. Dieses Marktsegment mag zwar klein sein, aber es ist so volatil, dass es die Wirtschaft alleine schon vom Wachstumspfad ab und in eine Rezession hineinbringen kann. Dazu kommt jedoch die Tatsache, dass die Konsumenten in den vergangenen Jahren auf steigende Hauspreise angewiesen waren, um ihr Ausgabeniveau halten zu können. Mit fallenden Preisen - und sie fallen tatsächlich - müssen sie sich einschränken.

          In einer Rezession gehen die Gewinne der Unternehmen zurück. Aus diesem Grund werden die Aktienkurse anfällig für Rückschläge. Bei den amerikanischen Firmen kann man den Gewinnrückgang zumindest im Binnenmarkt schon sehen. Lediglich bei den international tätigen Unternehmen nehmen sie aufgrund der Aktivitäten im Ausland und aufgrund der Währungsgewinne noch zu. Ich denke, auch das wird sich künftig noch ändern.

          Viele argumentieren dagegen, das Subprime-Segment des amerikanischen Immobilienmarktes sei nur klein und sei aus diesem Grund nicht wichtig!

          Ich denke, das ist einer der im Moment am weitesten verbreiteten Irrtümer, die verbreitet werden. Man muss Folgendes sehen: Rezessionen sind vielfach keine großartigen wirtschaftlichen Einbrüche, sondern sie zeigen sich eher in Form von Wachstumspausen. Ein reales Minus von drei Prozent beim volkswirtschaftlichen Wachstum mag zwar nicht sonderlich dramatisch klingen. Wir hatten nach dem zweiten Weltkrieg tatsächlich erst zwei solche Ereignisse, in den Jahren 1957/1958 und in den Jahren 1973 bis 1975.

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