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Im Gespräch: Frank-Peter Martin, Privatbankier : „Ich fühle mich mit Aktien wohler als mit Anleihen"

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Frank-Peter Martin Bild:

Frank-Peter Martin hat das erste Halbjahr 2009 für die Wirtschaft abgeschrieben. Von Ende 2009 an erwartet der Partner im Frankfurter Bankhaus Metzler jedoch einen kräftigen, von hoher Inflation begleiteten Aufschwung.

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          Frank-Peter Martin hat das erste Halbjahr 2009 für die Wirtschaft abgeschrieben. Anders als viele andere Finanzmarktteilnehmer erwartet Martin, Partner im Frankfurter Bankhaus Metzler, von Ende 2009 an einen kräftigen, von hoher Inflation begleiteten Aufschwung.

          Dieses Szenario erklärt seine Begeisterung für Aktien und seine Skepsis gegenüber Anleihen. „Der Dax kann bis Mitte 2010 um 20 bis 25 Prozent zulegen. Die Anleiherenditen steigen.“

          Herr Martin, welche Frage stellen Ihre Kunden im Moment am häufigsten?

          Das kontroverseste Thema lautet sicherlich: Bewegen wir uns in eine historische Rezession oder gar Depression?

          Und was antworten Sie?

          Wir sind positiv gestimmt. Zwar erwarten wir für die reale Wirtschaft eine grottenschlechte erste Jahreshälfte, in der wir Zahlen sehen, die auch in historischer Perspektive extrem sein werden. Wir sind aber der Meinung, dass wir in der Finanzbranche das Schlimmste hinter uns haben und dass die expansive Wirtschaftspolitik wirken wird. Das heißt nicht, dass wir keine Probleme mehr sehen werden. Aber der Gipfel der Finanzmarktkrise ist überschritten. Wir erwarten kein Systemrisiko mehr, denn die Zentralbanken und die Regierungen sind massiv eingeschritten, und es wird keinen zweiten „Fall Lehman“ mehr geben.

          Reicht das?

          Alle Maßnahmen der Zentralbanken zusammen, die Garantien eingeschlossen, belaufen sich auf 8,5 Billionen Dollar. Wir haben eine unglaubliche Liquidität im Finanzsystem. In der Realwirtschaft sehen wir etwas in der historischen Sicht Einmaliges: eine Art „Joint-Venture“ zwischen Monetarismus und Keynes.

          Inwiefern?

          Die Zentralbanken pumpen Liquidität in den Markt, aber das reicht in der aktuellen Situation nicht. Daher beschließen die Regierungen Konjunkturprogramme in nie gekanntem Ausmaß, die nach unserer Ansicht gegen Ende 2009 erste Effekte zeigen werden. Wir halten sogar einen ziemlich heftigen Aufschwung für denkbar.

          Aber droht uns als Folge der Geldschwemme nicht irgendwann eine Inflation?

          Allerdings. Die expansive Geldpolitik und die gewaltigen Konjunkturprogramme werden die Wirtschaft inflationieren. Aber es existiert in der aktuellen Situation keine Alternative. Wir gehen davon aus, dass in den Jahren von 2010 an in den Vereinigten Staaten die Inflationsrate bei mindestens rund 5 Prozent liegen wird und im Euro-Raum bei 3 Prozent. Vielleicht werden die Inflationsraten sogar noch mehr steigen. Im nächsten Jahr werden wir deflationäre Tendenzen beobachten, aber das wird nur vorübergehend sein. Das Jahrzehnt niedriger Inflationsraten ist vorüber.

          In einem solchen Szenario ist es kaum attraktiv, Staatsanleihen zu kaufen.

          Man kann durchaus inflationsindexierte Staatsanleihen kaufen. Aber Aktien sehen sehr viel attraktiver aus, da sie eine Teilhabe an der Realwirtschaft garantieren.

          Ist angesichts solcher Aussichten die aktuelle Hausse am Markt für Staatsanleihen nicht grotesk?

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