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Im Gespräch: Dirk von Dijk : „2012 sind Gewinne von 1.000 Milliarden möglich“

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Dirk Van Dijk, Director bei Zacks Investment Bild: Privat

Die Unternehmen, deren Aktien im S&P-500-Index enthalten sind, werden ihre Gewinne weiter steigern können. Allerdings werden die Zuwächse im Jahresvergleich abnehmen, erklärt Dirk von Dijk, Direktor bei Zacks Investment Research.

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          Die Unternehmen, deren Aktien im S&P-500-Index enthalten sind, werden ihre Gewinne weiter steigern können. Allerdings werden die Zuwächse im Jahresvergleich abnehmen, erklärt Dirk von Dijk, Direktor bei Zacks Investment Research.

          Der Markt rechnet auf Sicht trotz der hohen Energie- und Rohstoffpreise mit steigenden Margen. Im kommenden Jahr sollten die betrachteten Unternehmen gemeinsam erstmals in der Geschichte mehr als eine Billion Dollar verdienen, so der Konsens.

          Wie würden Sie Ihre Erwartungen in Bezug auf die Gewinnsaison beschreiben?

          Die Gewinne werden weiter zunehmen. Allerdings werden die Zuwächse im Jahresvergleich aufgrund von geringeren Basiseffekten abnehmen. Der Markt rechnet bei den im S&P-500-Index enthaltenen Unternehmen mit einem Gewinnwachstum von 15 Prozent im laufenden Jahr und einem durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 3,9 Prozent. Nachdem die starken Gewinnzuwächse der Vergangenheit unter anderem auf den Finanzsektor - und dort auf geringere Rückstellungen für Risiken - zurückzuführen waren, dürften sich diese Effekte nicht wiederholen lassen, so die Erwartungen. Die im Vergleich mit den Erlösen überdurchschnittlichen Gewinnzuwächse waren auf steigende Margen zurückzuführen. Diese Entwicklung mag sich auf Sicht weiter fortsetzen lassen, allerdings wird auch hier mit nachlassender Dynamik gerechnet. Generell sind die Erwartungen vergleichsweise gering. Sie sollten von den meisten Unternehmen leicht zu übertreffen sein. Es dürfte mehr positive Gewinnüberraschungen geben als Enttäuschungen.

          Was denken Sie über die Zahlen von Alcoa?

          Auf der Ergebnisseite sahen sie vernünftig aus. Die Umsatzentwicklung dagegen war etwas schwach. Auch hier zeigt sich die schon beschriebene Entwicklung hin zu besserer Margen. Das Unternehmen ist nicht gerade eines der besten Amerikas und produziert zu den höchsten Kosten der Branche weltweit. Alcoa erhält unverdiente Aufmerksamkeit, da es die erste große amerikanische Firma ist, die die Quartalsergebnisse auf den Markt bringt.

          Lassen sich die Margen weiter verbessern, obwohl Energie und Rohstoffe so teuer geworden sind?

          Bei vielen Produkten machen die Ausgaben für Rohstoffe nur einem geringen Teil der Gesamtkosten aus. Der Einsatz von Arbeitskräften ist in dieser Beziehung wichtiger. Da die Lohnentwicklung in den Vereinigten Staaten stagniert, nimmt die Arbeitsproduktivität zu, die Margen werden besser und die Unternehmensgewinne steigen. Der Konsens geht davon aus, dass sich die Ertragsmargen in den Jahren 2011 und 2012 weiter verbessern lassen, nachdem sie schon im Jahr 2010 gut waren.

          Wie lassen sich solche Erwartungen erklären?

          Erstens ist die Margenentwicklung volatil. Im Finanzsektor wird sie stark beeinflusst Abschreibungen und Rückstellungen für schlechte Geschäfte. Aus diesem Grund waren sie in den vergangnen Jahren teilweise sogar negativ. Manche Unternehmen werden sicherlich von hohen Energie- und Rohstoffpreisen betroffen. Andere dagegen - zum Beispiel die Öl- und Rohstoffunternehmen - können von ihnen profitieren. Generell zeichnet sich die Tendenz ab, die Arbeitskosten möglichst tief zu halten und mit immer weniger Personen immer mehr Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Die Margen lassen sich weiter verbessern, indem die Arbeitnehmer beschissen und die Aktionäre übervorteilt werden - wenn auch mit abnehmenden Wachstumsraten.

          Mit welchen volkswirtschaftlichen Konsequenzen?

          Die stagnierende Lohnentwicklung beschränkt die Möglichkeiten der Unternehmen, steigende Kosten in Form von Preiserhöhungen weiter zu geben. Die Tatsache, dass sich der Wohlstand in den Vereinigten Staaten bei einer sehr kleinen Gruppe der Bevölkerung ansammelt, während der Rest sehen muss, wo er bleibt, ist mittel- und langfristig ein großes Problem. Grundsätzlich bräuchten wir auf breiter Basis steigende Einkommen und keine Einbußen, die aufgrund der sich abzeichnenden Sparmaßnahmen absehbar sind. So jedoch wird sowohl das Wachstum als auch die Schaffung neuer Jobs gebremst werden.

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