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Im Gespräch: „Börsen-Pfarrer“ Uwe Lang : „Kaufe nur, was Du verstehst“

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„Börsenpfarrer” Uwe Lang Bild: Privat

Uwe Lang ist Pädagoge, Theologe, Pfarrrer und Buchautor. Er befasst sich schon seit Jahren intensiv mit dem Börsengeschehen. Er rät Anlegern zu Eigenverantwortung und zum gezielten Kauf von Aktien.

          Die internationalen Börsen boomen. Der Optimismus ist ausgeprägt und nicht wenige gehen davon aus, die bisher gesehen Kursgewinne seien die erste Stufe einer länger dauernden Börsenhausse. Andere finden Gegenargumente. Inflationisten stehen gegen Deflationisten.

          Uwe Lang nimmt keines der beiden Szenarien ernst. Der studierte Theologe, Pfarrer und Autor mehrerer Finanzbücher und eines Anlegerbriefs ist ein begeisterter Börsianer und glaubt an einen Mittelweg. Er rät allen Anlegern zum selektiven Kauf von Aktien, sofern sie auf der Suche nach soliden Renditen sind. Fonds und Zertifikate dagegen seien in der Regel nicht attraktiv, da zu teuer. Und die Renditen von Anleihen seien gegenwärtig zu tief.

          Wie kommt ein Pfarrer dazu, sich für die Börse zu interessieren?

          Das Interesse hat weniger damit zu tun, dass ich Pfarrer bin als vielmehr damit, dass ich gerne Schach spiele. Ich habe gemerkt, dass zwischen dem strategischen Denken beim Schach und an der Börse viele Gemeinsamkeiten bestehen.

          Sie denken also, man könne an der Börse mit der richtigen Strategie Erfolg haben?

          Ja, das meine ich nach wie vor, auch wenn's nicht immer klappt. Die Börse ist nur eine Frage von Wahrscheinlichkeiten. Obwohl sie sich recht unregelmäßig bewegt, gibt es immer wieder gute Gelegenheiten. Zumindest dann, wenn man darauf achtet, wenigstens die gröbsten Fehler zu vermeiden.

          Ist es nicht unethisch, „gierig dem schnöden Mammon hinterher zu rennen“?

          Man rennt ja nicht „gierig dem schnöden Mammon hinterher“, sondern versucht sein Geld möglichst vernünftig anzulegen. Dabei berate ich die Leute. Ich halte es moralisch nicht für verwerflich, Anleger davor zu schützen, bei der Geldanlage in ihr Verderben zu rennen. Mich persönlich bewegt sicherlich nicht die Gier, sondern der strategische Reiz an der Sache.

          Manche erklären die Börse an sich für verwerflich. Es sei nicht gut, dass man so hinter dem Materiellen her sei …

          Das kann ich verstehen, wenn man sich die Ereignisse der vergangenen Jahre betrachtet. So sind viele kleine Sparer durch schlechte Beratung unwissentlich zu großen Verlusten gekommen. Das ist schon höchst bedenklich. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob unser Wirtschaftssystem an sich verbesserungsfähig ist oder ob wir ein neues System bräuchten. Dieser Meinung bin ich nicht. Die Soziale Marktwirtschaft ist wahrscheinlich schon das bestmögliche System. Die Menschen sind nun einmal nicht zu ändern, wir sind halt alles keine Engel.

          Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten?

          Es wird ja schon ständig verbessert und geregelt. Zum Beispiel dass keine Sparer überrumpelt und übervorteilt werden können mit Dingen, die sie gar nicht wollten oder dass der Verlauf einer Bankberatung protokolliert wird. Trotzdem gibt es noch viel Wildwuchs im Detail.

          Ist nicht klar, dass Freiheit immer mit Eigenverantwortung verbunden ist und dass jeder daran interessiert sein muss, sich Angebote genau anzuschauen?

          Eine meiner wichtigsten Ratschläge ist: „Kaufen sie nichts, was sie nicht verstanden haben“. Aus diesem Grund schreibe ich auch meine Bücher, um den Leuten etwas an die Hand zu geben.

          Angenommen, ich hätte gerade etwas Geld übrig, wäre aber in Anlagebelangen unbedarft. Was tue ich?

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