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Im Gespräch: Anthony Boeckh : „Wir sind in einem übergeordneten Bullenmarkt“

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Tony Boeckh Bild: Privat

Die meisten Börsen der Welt befinden sich auf dem Weg nach oben. Abgesehen von möglichen Zwischenkorrekturen werden die Kurse weiter steigen, erklärt Anthony Boeckh. Der kanadische Ökonom und Anlagestratege leitete früher das bekannte BCA Research.

          8 Min.

          Die meisten Börsen der Welt befinden sich in Aufwärtstrends, während sich die Rentenmärkte in der Defensive befinden. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätung von Anthony Boeckh in den kommenden Jahren fortsetzen.

          Der kanadische Ökonom und Anlagestratege ist sehr erfahren. Er war von 1968 bis 2002 Vorstandsvorsitzender und Chefredakteur der bekannten, Montreal-basierten BCA Research. Heute leitet er das eigene Family Office und gibt nun den Boeckh Investment Letter heraus.

          Er setzt auf Aktien von Unternehmen in den Industriestaaten, rechnet mit steigenden Zinsen und ist vorsichtig in Bezug auf Rohstoff- und Schwellenländeranlagen.

          Ist die Wirtschaftsentwicklung so stark, wie vielfach behauptet wird?

          Ja, ich denke schon. Die Entwicklung sieht recht gut aus. In den Vereinigten Staaten ist sie sogar deutlich besser als gemeinhin erwartet worden ist. Daneben ist die Konjunktur in Teilen Europas und den Schwellenländern überraschend stark. Dort gibt es inzwischen sogar schon inflationäre Probleme. Allgemein entwickelt sich die Weltwirtschaft robuster als man noch vor wenigen Monaten gedacht hat.

          Handelt es sich um Basiseffekte und Erholungen von den Rückschlägen zuvor oder um nachhaltiges Wachstum?

          Das ist eine gute Frage und niemand kennt die Antwort. Ich denke, ein großer Teil des Wachstums, das wir sehen, ist auf künstliche Stimuli zurückzuführen. Angesichts der enormen Summen, die weltweit eingesetzt worden sind, um gegen die Probleme vorzugehen, kann es kaum verwundern. Es ist offen, wie tragfähig es ist. Denn wir können die Zinsen nicht für immer so tief halten und die Regierungen können die Defizite nicht unbegrenzt zunehmen lassen. Irgendwann muss es zu einer Gegenbewegung kommen. In diesem Moment der Wahrheit werden wir sehen, wie stark die Wirtschaft ohne Stimuli noch sein wird.

          Waren die Stimuli überhaupt notwendig?

          Ja, so waren goldrichtig. Es war wichtig, eine Schuldendeflation zu vermeiden, wie wir sie in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gesehen haben. Sie ließ sich tatsächlich verhindern. Inzwischen haben viele Schuldner ihre Bilanzen verbessert und ihre Vermögensverluste sind begrenzt worden. Zumindest im Privatsektor zeichnet sich so etwas wie ein „Heilungsprozess“ an. Dagegen müssen wir uns nun auf die entstandenen Probleme im öffentlichen Sektor fokussieren.

          Sind die Schuldensorgen, die sich im Moment in den europäischen Peripheriestaaten zeigen, exemplarisch für das, was wir in anderen Regionen sehen mögen ?

          In Europa scheint sich die Lage etwas zu entspannen. Zeit ist genau das, was nötig ist. Wenn die deutsche Regierung, die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds zeigen können, dass sie den Willen haben, den angeschlagenen Staaten genug Zeit zu geben, um sich anzupassen, dann werden sich die Schwierigkeiten lösen lassen. In Irland sieht es so aus, als ob sich die fundamentale Lage schon etwas entspannen würde. Sichere Aussagen werden wir allerdings erst in zwei oder drei Jahren machen können. Dagegen ist das Wachstum in Griechenland so schwach und die Schulden sind so hoch, dass eine Wende zum Besseren wohl erst nach der Restrukturierung der Schulden und nach einer Verminderung der Schuldenlast erreichbar sein dürfte.

          Wie sieht es in den Vereinigten Staaten aus?

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