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Im Gespräch: Anlagestratege Robert Prechter : „Die Bärenmarkt-Rally ist so gut wie vorbei“

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Robert Prechter Bild: Robert Prechter

Die internationalen Börsen boomen. Viele rechnen mit einer länger dauernden Börsenhausse. Robert Prechter ist vom Gegenteil überzeugt. Der für erstaunlich präzise Prognosen bekannte markttechnische Analyst prognostiziert neue Kurstiefs.

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          Die internationalen Börsen boomen. Der Optimismus ist ausgeprägt und nicht wenige gehen davon aus, die bisher gesehen Kursgewinne seien die erste Stufe einer länger dauernden Börsenhausse.

          Robert Prechter ist vom Gegenteil überzeugt. Der bekannte markttechnische Analyst, der seine erstaunlich präzisen Prognosen primär aus so genannten Elliott-Wellen ableitet, geht davon aus, dass die jüngsten Kursgewinne eine starke Erholung im Rahmen eines übergeordneten Bärenmarktes sind. Sie hätten möglicherweise noch etwas Spielraum nach oben. Danach gingen die Kurse an den Börsen jedoch rasant in den Keller und erreichten neue Tiefkurse, erklärt er.

          Der S&P-500-Index legte in fünf Monaten satte 50 Prozent zu. Ist das der erste Teil eines länger dauernden Börsenaufschwungs, wie manche Strategen behaupten?

          Nein. Als der Markt Anfang März seinen Boden gefunden hatte, kauften wir alle zuvor leer verkauften Positionen zurück und wurden sehr, sehr kursoptimistisch. Wir erwarteten eine Bärenmarktrally mit einem Kursziel von 1.000 bis 1.100 Punkten im S&P 500. Nun haben wir die untere Marke dieser Zielzone erreicht und ich bin nicht länger optimistisch. Wer die letzten Kursgewinne noch herauspressen will, der möge das tun. 340 Indexpunkte in fünf Monaten waren eine sehr schöne Bewegung - für mich ist das genug.

          Was können Anleger aus dieser Aussage ableiten?

          Ich denke, diese Rally wird noch im Monat August ihren Höhepunkt erreichen. Danach werden die Märkte die übergeordnete Abwärtsbewegung wieder aufnehmen und sogar unter die Kurstiefs des März fallen.

          Würden sie empfehlen, jetzt auf fallende Kurse zu setzen?

          Anleger können tun, was sie wollen, ich erkläre ihnen letztlich nur meine Meinung. Sie sollten allerdings wahrnehmen, dass Bärenmarktrallys ziemlich weit laufen können. Das ist ganz normal.

          Auf der anderen Seite lassen sich viele Investoren von den Märkten beeinflussen. Im März dachte jeder, wir befänden uns in der größten Wirtschaftskrise seit der großen Depression. Daraufhin warfen selbst jene, die seit Jahrzehnten kursoptimistisch gewesen waren, das Handtuch. Sie sahen keinen Grund mehr, um Aktien zu halten und verkauften. Gerade einmal fünf Monate später dagegen scheint es viele Gründe dafür zu geben, das Depot aufzustocken. Die Konjunktur scheint sich zu stabilisieren, die Konjunkturprogramme scheinen zu wirken - es gibt immer viele gute Gründe, um das falsche zu tun.

          Woraus leiten sie ihre Prognosen und Kursziele ab?

          Zum größten Teil aus so genannten Wellentheorien. Wenn man einen klaren Kursabschwung in fünf Wellen hat, wie er zwischen Oktober 2007 und März 2009 zu beobachten war, so kann man die stärkste Zwischenerholung nach dem vorhergehenden Kurshoch erwarten. Normalerweise erreicht sie eine Dimension von 40 bis 60 Prozent. Wir liegen im Moment in diesem Rahmen.

          Beobachten Sie einzelne Indikatoren oder mehrere?

          Wir verfolgen viele Größen. Angefangen von Kurswellen bis hin zu psychologischen Indikatoren, die uns zeigen, wie optimistisch oder pessimistisch die Anlegerschaft in ihrer Gesamtheit gerade ist. Dazu kommen so genannte Momentum-Indikatoren. Gerade sie waren besonders nützlich, um zum Beispiel das Zwischentief im März identifizieren zu können. Obwohl die Anleger sehr verunsichert waren, ließ die Kursdynamik nach unten immer mehr nach. Das zeigte sich unter anderem an den Volumina oder dem Verhältnis zwischen der Anzahl fallender und steigender Aktien.

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