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Ifo-Index : Konjunktureller Rückenwind für den Dax

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der überraschend starke Anstieg der Erwartungskomponente im Ifo-Geschäftsklimaindex hat den Haussiers am Aktienmarkt neue Argumente geliefert. Allerdings schaffte es der Dax am Mittwoch nicht, ein neues Jahreshoch aufzustellen.

          Der überraschend starke Anstieg der Erwartungskomponente im Ifo-Geschäftsklimaindex hat den Haussiers am Aktienmarkt neue Argumente geliefert. Allerdings schaffte es der Dax am Mittwoch nicht, ein neues Jahreshoch aufzustellen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ifo-Geschäftsklimaindex näherte sich der Dax zwar bis auf drei Punkte seinem Jahreshoch von 5575 Punkte an - drehte dann aber ins Minus.

          Nach Beobachtung von Mario Gruppe, Volkswirt der Nord LB, ist eine verhaltene Börsenreaktion auf einen etwas besser ausgefallenen Ifo-Index nicht ungewöhnlich. Der Dax reagiere selten stark auf deutsche Konjunkturdaten, sondern lasse sich eher von den amerikanischen Aktienindizes leiten. "Vor allem die Lagekomponente des Ifo-Index interessiert die Aktienanleger nicht", sagt Gruppe. Schließlich schauten Aktienanleger auf die künftigen Gewinne der Unternehmen - und diesem Anspruch genügt am ehesten die Erwartungskomponente im Ifo-Index", meint Gruppe.

          Gleichwohl ist es schwierig, aus der Erwartungskomponente des Ifo-Index direkt Rückschlüsse auf künftige Aktienkurse zu ziehen. Volkswirt Klaus Holschuh, Leiter der Aktienanalyse der DZ Bank, bringt den Ifo-Index lieber mit den Schätzungen der Unternehmensgewinne und deren rückläufiger Revision durch Aktienanalysten in Verbindung. Hier sei die Wirkungskette am klarsten: bessere Stimmung, höhere Gewinne, höherer Dax.

          Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, glaubt hingegen an einen direkten Zusammenhang zwischen Ifo-Erwartungskomponente und Dax. Diese Teilkomponente des Ifo-Index, mit der monatlich die Geschäftserwartungen von 7000 Unternehmenslenkern in sechs Monaten erfasst werden, ist im August zum achten Mal in Folge gestiegen - von 90,4 im Juli auf 95,0 und um 3 Prozentpunkte mehr als von Analysten zuvor im Schnitt vorhergesagt. "Diese Erholung in den Geschäftserwartungen erinnert an die Jahre 1975, 1983 und 1993", sagt Hürkamp.

          Der Aktienstratege stellt weitere Beobachtungen an, bevor er die Verbindung zu Aktien zieht. "Noch liegt die Ifo-Erwartungskomponente mit 95,0 unter dem Schnitt der letzten 15 Jahre von 96. Die Verknüpfung von Lage und Erwartungen durch das Ifo-Institut signalisiert, dass sich die deutsche Wirtschaft gerade von dem Rezessionsbereich in Richtung Aufschwung bewegt", sagt Hürkamp. Daher sei zwar mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 5 Prozent in diesem Jahr zu rechnen. Doch getrieben von einer expansiven Geldpolitik könne die Erwartungskomponente in den kommenden Monaten weiter Richtung 100 Punkte steigen.

          Nun kommt der Aktienmarkt ins Spiel, indem Hürkamp historische Parallelen zieht. "Es klingt widersprüchlich, doch Rezessionsjahre sind überdurchschnittliche Aktienjahre. Mit einer weiteren Erhöhung des Ifo-Index könnte der Dax in 2009 an die Wertentwicklung in früheren Rezessionsjahren anknüpfen, als der in Teilen zurückgerechnete Dax 1967 um 49 Prozent, 1975 um 40, 1982 um 14, 1993 um 47 und 2003 um 37 Prozent zulegte", lautet Hürkamps These. In den vergangenen 40 Jahren habe der Ifo-Index zu 33 Prozent in "Rezessionsgebiet" gelegen. "Im Schnitt hat der Dax in Rezessionsphasen des Ifo-Index in den darauf folgenden sechs Monaten 6,5 Prozent zugelegt, in zwölf Monaten sogar 16,4 Prozent. Das ist deutlich besser als in Ifo-Boomphasen mit 3 Prozent", sagt Hürkamp.

          Falls die gegenwärtige Periode tatsächlich vergleichbar sei mit den Monaten nach den Jahren 1974, 1982 und 1992, als die Erwartungskomponente ebenfalls von weniger als 85 Punkten aus sich deutlich erholte, müsste der Dax trotz seines Anstiegs in diesem Jahr von schon 15 Prozent noch weiter zulegen. Der Dax könnte dann im Oktober 2010 - zwei Jahre nach Beginn des Anstiegs der Ifo-Erwartungskomponente - zwischen 6500 und 7000 Punkten stehen, folgert Hürkamp.

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