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Hypothekenkrise : Skeptischer Ausblick auch bei Countrywide Financial

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Bild: FAZ.NET

Die Mehrheit sogenannter Experten geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Exzesse am amerikanischen Immobilienmarkt beschränkt bleiben. Nun berichtet Countrywide Financial von „beispiellos schlechten“ Marktbedingungen.

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          Bisher geht eine breite Mehrheit sogenannter Experten davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Exzesse am amerikanischen Immobilienmarkt beschränkt bleiben werden. Allerdings gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass das nicht so ist.

          An den Finanzmärkten sprechen viele Charts und das beherzte Eingreifen der internationalen Zentralbanken ebenso dagegen, wie die skeptischen Nachrichten von amerikanischen Hausbauunternehmen und die zunehmende Anzahl von Insolvenzen bei Hypothekarunternehmen. Mit American Home Mortgage Investment hatte vor wenigen Tagen ein Unternehmen Insolvenz angemeldet, das nicht primär auf bonitätsschwächste Kunden ausgerichtet war.

          „Beispiellos schlechte“ Marktbedingungen am amerikanischen Zweitmarkt für Hypothekenkredite

          Am Donnerstag kamen nun auch kritische Nachrichten von Countrywide Financial, dem größten amerikanischen Immobilienfinanzierer. Das Unternehmen bezeichnete die derzeitigen Marktbedingungen am amerikanischen Zweitmarkt für Hypothekenkredite als „beispiellos schlecht“. Die Marktbedingungen veränderten sich rasch, und die Folgen für das Unternehmen seien „unbekannt“, teilte Countrywide mit.

          Noch im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen Einnahmen von mehr als elf Milliarden Dollar erzielen. Nun scheint sich nicht nur das zu ändern, sondern das Unternehmen muss auch immer höhere Risiken eingehen: „Wir können wegen der Marktbedingungen weniger Immobilienkredite an Investoren weiterverkaufen und müsse sie deshalb behalten“, hieß es.

          Der Immobilienfinanzierer will nun bei der Weitervermarktung der Kredite darauf warten, dass die Investoren wieder mehr Interesse an diesen Anlagemöglichkeiten zeigen. Wenn sich die Phase eines schwierigen Umfeldes jedoch fortsetze, könne dies „negative Folgen“ für das Ergebnis und die Finanzstärke des Konzerns haben. Countrywide glaubt aber, eine ausreichende Liquidität für die Finanzierung ihres Geschäftes zu besitzen. Die Aussagen waren Teil einer Pflichtmitteilung des Unternehmens an die amerikanische Börsenaufsicht SEC.

          Im Juli hatte Countrywide bereits angekündigt, die Probleme auf dem Markt für schwach besicherte Hypothekenkredite, die so genannten Subprimes, hätten sich auch auf Finanzierungen mit einer besseren Bonität ausgeweitet. Zum 30. Juni hatte Countrywide bei 20 Prozent der ausgereichten „Nonprime“-Krediten eine verzögerte Rückzahlung von mindestens 30 Tagen verzeichnet. Im Vorjahreszeitraum hatte die Rate der verspäteten Kredit-Bedienung bei 14 Prozent gelegen.

          Als Nonprime bezeichnet Countrywide Ausreichungen an Kunden, die bereits Kreditprobleme in der Vergangenheit hatten oder ein geringes Einkommen im Verhältnis zur Höhe der Verbindlichkeiten. Bei Immobilienfinanzierungen mit guter Bonität der Gläubiger lag die Ausfallrate im zweiten Quartal bei 3,7 Prozent nach 1,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im Schnitt aller Kredite lag die Ausfallrate bei fünf Prozent, nach 3,9 Prozent.

          Aktien nur optisch günstig - charttechnisch angeschlagen

          Angesichts der inzwischen deutlich verschärften Kreditbedingungen, der erhöhten Zinsen und der in den kommenden Monaten zunehmenden Anzahl von Zinserhöhungen bei vielen Hypotheken mit künstlich tief gehaltenen Anfangszinsen dürften sich die Probleme eher noch verstärken als verringern.

          Auf dieser Basis dürfte man die Papiere von Countrywide Financial kritisch betrachten müssen, auch wenn sie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 9,6 und knapp acht auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr optisch günstig aussehen mögen. Sehr wahrscheinlich sind die Gewinnschätzungen noch zu hoch und die Risikoerwartungen noch zu gering. Charttechnisch sind die Aktien angeschlagen, nachdem sie aus dem Seitwärtstrend der vergangenen Jahre nach unten ausgebrochen sind.

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